Stand: 23.06.2018 von Egmond Haidt 6 Kommentare

EZB-Chef Mario Draghi ist einer der größten Gelddrucker aller Zeiten. Bei der jüngsten Sitzung hat die EZB beschlossen, dass sie die Zinsen noch mindestens zwölf Monate lang auf dem aktuellen Niveau halten will. Den Preis für diese irrwitzige Politik zahlen die hiesigen Sparer und Verbraucher mit der Talfahrt des Euro und der steigenden Inflation.

Die Talfahrt des Goldpreises beschleunigt sich, zuletzt ist er auf Sechs-Monats-Tiefs gesunken. Für Verkaufsdruck sorgt der steigende US-Dollar. Neben den Zinserhöhungen der US-Notenbank ist dafür auch der Handelskrieg verantwortlich.

Investoren befürchten, dass die Eskalation im Handelskrieg zwischen den USA und China viele Exportabhängige Länder, wie China, Südkorea und Deutschland schwer belasten wird und flüchten daher in den Dollar, weshalb er gegenüber Währungen, wie Euro und Yen deutlich steigt. Im Gegenzug ist der Goldpreis merklich unter Druck.

Weil der Euro gegenüber dem Dollar sinkt, ist der Kursrückgang des Goldpreises auf Euro-Basis allerdings gering. So notiert der Goldpreis auf Euro-Basis um lediglich zwei Prozent unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch. Damit schützt Gold Anleger etwas gegen die irrwitzige Politik der EZB.

Zinsen bleiben bei null Prozent

Bei der Sitzung am 14. Juni haben EZB-Chef Mario Draghi und seine Kollegen zwar beschlossen, dass das Anleihenkaufprogramm ab Oktober auf netto 15 Mrd. Euro halbiert werden und im Dezember auslaufen soll. Allerdings hat die EZB angekündigt, dass die Leitzinsen 

"mindestens über den Sommer 2019 und in jedem Fall so lange wie erforderlich auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden".

So wollen Draghi und viele seiner Kollegen sicherstellen, dass die Staaten, die privaten Haushalte und die Unternehmen der Euro-Zone weiter deutlich Schulden machen können, während die Inflation durch das Gelddrucken angeheizt wird und so die Schulden entwertet werden. Bei diesen Meldungen ist teilweise untergegangen, dass Draghi die Prognose für das Wirtschaftswachstum der Euro-Zone für 2018 von 2,4 Prozent auf 2,1 Prozent gesenkt hat.

Viele Experten gehen davon aus, dass die EZB frühestens bei der Sitzung am 12. September 2019 die Zinsen erstmals anheben könnte. 

Warum sollte sich Draghi das aber an dem Tag oder bei der darauffolgenden Sitzung am 24. Oktober und damit kurz vor dem Ende seiner Amtszeit am 31. Oktober 2019 antun? Mit dem gigantischen Gelddrucken ist er doch in den vergangenen Jahren prächtig gefahren.

Zuletzt ist die Bilanzsumme der EZB auf den Rekord von horrenden 4,56 Billionen Euro gestiegen – das sind horrende 40,7 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Euro-Zone. Zum Vergleich: Die Bilanzsumme der US-Notenbank Fed ist zuletzt auf 4,32 Billionen Dollar (3,76 Billionen Euro) gesunken – das sind „nur“ 22,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Experten senken reihenweise die Prognosen für das Wirtschaftswachstum Deutschlands

Weil sich die Perspektiven für die Wirtschaft der Euro-Zone durch den Handelskrieg deutlich eintrüben, was der DAX klar widerspiegelt, dürfte Draghi derzeit nicht den geringsten Gedanken an eine Zinserhöhung verschwenden.

Vielmehr nimmt die Gefahr zu, dass Draghis Prognose viel zu optimistisch ist, und er sie im Jahresverlauf erneut wird senken müssen. Zuletzt hat das Münchener ifo Institut seine Prognose für das Wirtschaftswachstum Deutschlands, der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone, für 2018 von 2,6 Prozent auf 1,8 Prozent eingedampft. Das ist die stärkste Reduktion seit der 2008/09er-Schuldenkrise.

Der obige Zahlenvergleich zeigt, wie astronomisch Draghis Gelddrucken ist. Er hat damit „Erfolg“ gehabt, zuletzt ist die Inflation in Deutschland auf 2,2 Prozent nach oben geschossen. Dass die tatsächliche Inflation deutlich höher sein dürfte, als die offiziell ausgewiesene, dürfte vielen Bürger hierzulande, die ihre Miete bezahlen, oder zum Einkaufen gehen, klar sein, aber das nur am Rande.

Und Draghi tut weiterhin alles in seiner Macht stehende, um die Inflation weiter anzuheizen. Denn mit seiner Politik hat er den Euro auf ein Elf-Monats-Tief gegenüber dem Dollar gedrückt, womit die Inflation angeheizt wird.

Ich bleibe der Überzeugung, dass Draghi während seiner Amtszeit nichts von einer Zinserhöhung wissen möchte. Er weiß sehr wohl, dass bei einem derart gigantischen Schuldenhaus jede noch so kleine Zinserhöhung zum Einsturz führen dürfte.

Daher gilt es mit dem Gelddrucken so lange wie irgend möglich weiterzumachen. Daher dürfte Draghi der erste EZB-Chef sein, der während seiner Amtszeit nie die Zinsen angehoben hat. Das und die Nullzinsen sagen alles über den Zustand der Wirtschaft der Euro-Zone aus.

Entgegen der Hoffnung mancher Sparer dürfte Draghi während seiner Amtszeit nie die Zinsen anheben. Vielmehr sollten sich die Deutschen darauf einstellen, dass bei einer weiteren Eskalation des Handelskrieges der Euro ebenso wie die Zinsen für Bundesanleihen weiter sinken dürften.

Vielleicht könnte in dem Umfeld doch mancher Sparer einen Blick auf physisches Gold werfen.

Euro – Wird Draghi niemals die Zinsen erhöhen?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [6]
  • von real | 23.06.2018, 19:27 Antworten

    Alle älteren deutschen MIchels müssten eigentlich wissen wie die Italiener vor Euro Zeiten mit Ihrer Lire umgegangen sind. Nämlich so wie es Mr. Draghi vormacht. Hatten 10.000 Lire nur noch den Wert einer DM wurden bei der LIre 3 Nullen gestrichen und schon war der Wechselkurs wieder bei 10 zu 1. Die blöden waren halt die Sparer in Italien falls es da noch welche gab, den Ihr gespartes war auf einmal geschrumpft und so passiert es auch mit den Deutschen Sparern in Zukunft. Glücklich die die aufs sparen verzichten.

    • von joma | 27.06.2018, 14:35 Antworten

      Ich bin ein alter Michel, und bin mir sicher dass der Kurs 1000 Lire grob eine Mark waren

    • von blo-rakane | 24.06.2018, 12:26 Antworten

      @real, Sie liegen mit ihrer Meinung sehr nahe an der Wirklichkeit! Leider , wird der“ Michel „ von Kindesbeinen an, einer Tiefen- Indoktrination unterzogen, dass ihm das selbständige kritische Denken und Handeln komplett aberzogen wird. Nutznießer dieser Strategie der Verdummung bzw. „Dumpf-Sedierung „, ist die Politik/Finanzwirtschaft, die die Masse zwingend braucht, um ihren „Müll“ (Finanzprodukte) an den Mann zu bringen. Ergo, wie die Historie uns lehrt , ist immer der „Kleine-Michel“ der Leidtragende bei möglichen Verwerfungen auf den Finanzsektor. Gruß an die Gold.de Leser

      • von Anonymous | 30.06.2018, 14:51 Antworten

        @blo-rakane, @real
        Ihre Kommentare fassen alles sehr passend zusammen!

  • von Wolga66 | 23.06.2018, 12:39 Antworten

    Nennenswerte Zinserhöhungen wird es in den nächsten Jahren wegen der hohen Staatsverschuldung nicht geben.
    Sobald die Mehrheit erkennt wie unsicher die sicheren Spareinlagen sind erfolgt ein Umschichten in Sachwerte.
    Noch sind viele überzeugt daß es uns gut geht, Medien und Politik erzählen uns wie schnell kleinere Krisen beseitigt werden,ein paar Milliarden nach Griechenland und alle haben sich wieder lieb.
    Wehe wenn der deutsche Michel aufwacht.

  • von Peter Bahne | 23.06.2018, 12:39 Antworten

    Draghi tut alles zum Vorteil für Italien, unser Geld ist auf dem Weg dorthin!

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