Stand: 10.06.2016 von Mr. Gini 0 Kommentare

Momentan steht ja das Thema "Brexit" mit der Abstimmung am 23.6. ganz oben auf der Agenda. Die Eurokrise spielt kaum noch eine relevante Rolle. Mit Ausnahme der Sonder-Problematik "Griechenland" herrscht zumindest massenmedial derzeit Ruhe vor.

Hinter den Kulissen ist die Finanzwelt dennoch alles andere als heil. Die berühmt-berüchtigten Target2-Salden zeigen dies mehr als nur deutlich an. Zur Erinnerung, Herr Prof. Sinn war es ja, der die Problematik in Deutschland auf die Agenda brachte und dem Thema gar ein eigenes Buch widmete.

Target2-System im Fokus

Fakt ist aktuell, dass die Target2-Salden, insbesondere die Forderungen der Deutschen Bundesbank in den letzten Monaten wieder deutlich steigen.

Im Juli 2014 lagen die Forderungen der Bundesbank bei gut 443 Milliarden Euro. Aktuell, zum 30.4. ist dieser Wert wieder auf ein Niveau von sage und schreibe gut 625 Milliarden Euro hochgeschnellt. Der höchste Forderungswert lag im August des Jahres 2012 bei gut 751 Milliarden Euro. Aktuell scheint es schon wieder so zu sein, dass der Forderungswert wieder in Richtung Rekordhoch gehen könnte. Analysten der Commerzbank bzw. der Rabobank sehen darin ein klares Zeichen dafür, dass die Anleihekäufe der Draghi-EZB nicht wirklich die erhofften Folgen zeitigen würden.

Aus Sicht der Commerzbank würden die Banken der Peripherieländer die über Anleiheverkäufe gewonnene Liquidität nämlich nicht wie erhofft zur Kreditvergabe nutzen, sondern auch dazu, Kredite bei anderen Banken zu tilgen. Das sei laut Commerzbank einer der Gründe, warum die Target2-Salden wieder steigen. Generell stünden im Target2-System vornehmlich Verbindlichkeiten der südeuropäischen Länder Forderungen weniger anderer Länder gegenüber. Hauptsächlich seien das eben Deutschland, die Niederlande und Finnland.

Zusammenhang mit QE

Höchst spannend ist jedenfalls in dem Zusammenhang auch, was Target2 mit dem Draghi-QE zu tun hat. Der Commerzbank zufolge könnte es so ablaufen, dass die italienische Notenbank den Banken des Krisenlandes im Süden zunächst im Rahmen von QE italienische Staatsanleihen abkaufen würde. Mit der frischen Liqudität könnten die Banken ja dann tatsächlich die Realwirtschaft in Italien stützten. Und zwar mit Krediten. Das sei aber weniger wahrscheinlich der Fall, zumal die Kreditgewährung offiziellen Zahlen zufolge in Italien alles andere als generös ausfällt. Indes sei es wohl eher der Fall, dass alte Interbankenkredite, die mit Banken aus den Kern-Ländern wie Deutschland abgeschlossen worden sein, mit der frischen Liqudität getilgt würden. Anders formuliert, über diesen Weg fließt die Liquidität also wieder in Richtung Norden. Ferner könnten Allerdings die Target2-Salden auch deshalb steigen, weil eine nationale Zentralbank Staatsanleihen von ausländischen Investoren kaufen würde. Dann werde ihr Target2-Konto mit dem entsprechenden Betrag belastet, während die Zentralbank des Landes, in dem die verkaufende Bank ihren Sitz hab, den Betrag gutgeschrieben bekomme.

Kapitalabflüsse

Weiter vermuten die Experten, dass private Liquidität akutell wieder zunehmend aus den Peripherie-Ländern in die Kernländer abfließen würde. Noch sei es der Commerzbank zufolge zwar übertrieben, von einer Kapitalflucht aus dem Süden speziell in Richtung Deutschland zu sprechen. Diese fand ja auf dem bisherigen Höhepunkt der Eurokrise bereits statt. Dennoch würde der Anstieg der Target-Salden klar aufzeigen, dass die EZB letztlich selbst mit QE an ihre Grenzen stoßen würde.

Unter dem Strich bleibt also zu konstatieren, dass die Eurokrise hinter den Kulissen unterschwellig weiter gärt und andauert. Anders ausgedrückt, von Entwarnung kann keine Rede sein.

Sicherlich, momentan schüttet die EZB mit ihrer extremen Geldschwemme die Probleme zu. Ansonsten wäre es nicht möglich, dass Italien seinen mehr als zwei Billionen Euro schweren Staatsschuldenberg so günstig wie nie refinanzieren kann. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen der Italiener liegt bei kärglichen 1,4 Prozent. Noch krasser die Lage am kurzen Ende. Hier liegen wir bei MINUS 0,03 Prozent. Sprich, die Regierung Renzí verdient mit kurzfristiger Staatsschuldenmacherei aktuell noch Geld. Wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht?

Ja, die Draghi-EZB mach dies alles möglich. Wohl bis auf weiteres...

Eurokrise - Draghi-QE verstärkt Ungleichgewichte
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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