Stand: 18.06.2015 von Mr. Gini 6 Kommentare

Abseits des Dramas um Griechenland wird derzeit ja von Seiten der Verantwortlichen in Europa sehr gezielt und bewusst die Aufschwungs- und Erholungsrhetorik bemüht. Die Euro-Zone sei auf dem Weg der Besserung, ja der Erholung, so heißt es. Immer wieder wird dabei auf hoffnungsvolle Daten aus Irland oder Spanien verwiesen. Fraglich und sehr zweifelhaft ist, ob diese scheinbare Erholung wirklich nachhaltig und kräftig genug ist, um bei der Basis, sprich bei der Bevölkerung anzukommen.

Krise nicht überwunden

Lassen Sie sich von dieser Aufschwungspropaganda keinesfalls einlullen. Wie tief die Krise in Europa wirklich sei, zeige nüchtern die Statistik der Europäischen Kommission, so bringt es das Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e. V. in einer hervorragenden Analyse kurz auf den Punkt. In der Tat würde es ernsthafte Zweifel an der Fortschrittsrhetorik der EU-Funktionäre und Politiker geben. In vielen Staaten würde die Arbeitslosigkeit auf einem Niveau verharren, das an die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erinnern würde. Leidtragende der Krise seien insbesondere die Jugendlichen, denen es an Arbeits- und Zukunftsperspektiven fehlen würde. Die Arbeitslosenquoten bei Jugendlichen verharren in Spanien und Griechenland bei über 50 %, bei weit über 40 % in Kroatien und Italien.

Migration innerhalb Europas

Sicherlich bedeutet eine derart hohe Arbeitslosenquote nicht, dass in diesen Krisenländern jeder zweite Jugendliche arbeitslos auf der Straße stehen würde. Bei den Arbeitslosenquoten sei es ja so, dass sich diese immer auf Erwerbspersonen beziehen würden, die berufstätig sind oder Arbeit suchen. Dazu gehören explizit nicht diejenigen, die noch in einer Schul- oder Universitätsausbildung seien.

Anders formuliert, bei einer Jugendarbeitslosenquote in Höhe von 50 Prozent ist es so, dass jeder zweite Jugendliche, der nach Arbeit sucht, keine findet. Folglich ist es wenig überraschend, dass viele junge Menschen aus Südeuropa anderswo in Eurpa, zum Beispiel in Deutschland, nach Arbeit suchen würden. Oftmas handele sich um bestens ausgebildete Menschen, deren Abwanderung die Krise in den Peripheriestaaten noch verstärken würde.

Geburtenrückgang

Wesentlich gravierender als die Abwanderung der jungen Menschen sei aber ein wenig thematisiertes Phänomen in den Krisenländern. Nämlich der bewusste Verzicht auf Kinder. Die offizielle Geburtenstatistik enthülle mittlerweile sehr anschaulich, wie dramatisch der Rückgang der Geburten in den Krisenstaaten ist. Zwischen 2008 und 2013 seien die absoluten Geburtenzahlen in Portugal und Griechenland um etwa zehn Prozent und in Spanien sogar um 20 % zurückgegangen. Die Lage habe sich so weit verschlechtert, dass in Portugal die Geburtenrate mit 1,21 Kindern pro Frau in 2013 einen neuen Negativrekord erreicht hätte.

Kein Comeback der Babys

Von einem Comeback der Babys könne also keine Rede sein. Die Prognose vieler bekannter Soziologen ist also nicht wirklich Wahrheit geworden. Im Gegenteil. Die relativ "gute" Geburtenentwicklung zwischen 2000 und 2008 setzte sich nicht fort. Dieser Trend wurde abrupt mit der Finanz- und Weltwirtschaftskrise beendet. Ein wichtiges Argument der Soziologen, die auf ein Comeback der Babys in Europa setzten, war, dass der langfristige Trend hin zum Aufschub der Geburten in ein immer höheres Lebensalter zu einem Ende kommen bzw. sich zumindest verlangsamen würde.

Immer ältere Mütter

Aber genau dieser Trend habe sich nicht gewendet. Im Gegenteil. In der letzten Dekade sei das Alter, in dem Frauen ihr erstes Kind bekommen, weiter angestiegen, insbesondere in Südeuropa. Traditionell würden dort die jungen Menschen solange im Elternhaus leben, bis sie heiraten und eine Familie gründen. Dafür aber fehle es an Arbeit, Einkommen und eigener Wohnung. So bleiben viele lange, oft bis in das vierte Lebensjahrzehnt, von den Eltern abhängig. Das sprichwörtliche "Hotel Mama" werde zur Dauerunterkunft. Je später Frauen aber ihr erstes Kind bekommen, desto unwahrscheinlicher werde es, dass mehrere weitere Kinder folgen. Und so komme es, dass ausgerechnet in den einst für Kinderreichtum bekannten Ländern Südeuropas heute dritte und weitere Geburten besonders selten seien.

Kaum Familienförderung

Keinesfalls förderlich sei es auch, dass es in den Krisenstaaten im Süden Europas kaum finanzielle Hilfe vom Staat für die Familien geben würde. In Frankreich, aber auch in Nordeuropa, sei die Familienförderung deutlich großzügiger bemessen. Es sei also kein Zufall, dass in diesen Ländern kinderreiche Familien häufiger und die Geburtenraten höher seien.

Nichtsdestotrotz macht sich aber auch dort die tiefe Wirtschaftskrise in Europa bemerkbar. Die Geburtenneigung, insbesondere in Dänemark, das bei vielen als "Best-Practice-Modell" öffentlicher Kinderbetreuung gelten würde, sei deutlich zurückgegangen. Und auch in Deutschland stagniere die Geburtenrate.

Als Fazit bleibt also klar festzuhalten, dass Europa weiter im Krisenmodus verbleiben würde. Und zwar nicht nur ökonomisch, sondern mehr noch demografisch und sozial.

Eurokrise: Über die wahre Tiefe der Krise in Europa
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [6]
  • von Freizeitsoziologe | 22.06.2015, 04:20 Antworten

    Familien sind schlechte Steuerzahler. Mütter unflexiblere Arbeitskräfte. Kinder stören Mitmenschen. Familie mit, oder ohne Kinder, rechnet sich nicht, Kinder decken auf, das es für eine kinderfreundliche Lebensweise nicht reicht. Eltern mit vielen Kindern werden als asozial stigmatisiert. Kinder machen Arbeit und vermindern den persönlichen Konsum. Diese gewollten, auch durch die Emanzipation und leichte Verhüttung möglich trägt sich fort. Sex und daraus evtl. entstehende Kinder sind getrennt betrachtet. Sexuelle Neigungen werden offener gelebt, sind eher Grundbedürfnis und unterhaltender Spaß und werden sportliches Freizeitvergnügen. Wenn die freie Gesellschaft keine extremen Anreize für Kinder aufbaut und eine Kultur, auch dafür entwickelt , so hat sich der eigene Fortbestand in westlichen Ländern erledigt. Der Natur ist es egal. Ja, und was trägt die Erde denn schon an Menschen.

  • von Manuel | 21.06.2015, 10:15 Antworten

    Leseempfehlung: "Die Protokolle der Weisen von Zion"

    • von sisyphos | 07.09.2016, 17:38 Antworten

      Was für ein faschistoides Geschwätz... Die Protokolle sind geschichtswissenschaftlich erfunden. Doch die Dummheit ist monumental !!!

  • von Yves Brandt | 19.06.2015, 22:14 Antworten

    Sehr geehrter HerrTiroch,
    der Krieg, den Sie meinen ist schon lange im Gang. Wir müssen uns dieser Volksverräter entledigen, die schon bei An´mtsantritt den Meineid Vorsätzlich abgegeben haben und sich damit schon Strafbar machten.
    Vor Gericht wären Sie persönlich dafür schon im Knast, nur die Politiker nicht, dank ihrer Immunität.

  • von Yves Brandt | 19.06.2015, 22:05 Antworten

    Der Euro und die Gedachte Konstruktion Europas war und ist schon immer ein Garant für den Mathematisch Gewissen Konkurs gewesen. Die BRD war aber durch die Staatsverträge, die de Jure keinerlei Gültigkeit Besitzen bzw. besessen haben schon sehr Weit vor dem Euro Pleite. Aussen und Innenwirtschaft kommt zum erliegen, die Menschen werden Plündern und und und. . Holt euer Geld noch heute von den Banken. Morgen könnte es keine mehr geben. Den Begriff NAZI kann auch kaum ein Mensch heute mehr richtig erklären weil die Mehrheit der Menschen dank Hirnwäsche der DDR und BRD GmbH NGO dahinter immer was RECHTES definieren. Schuld an allem sind die Juden, damit meine ich nicht die Juden als Ganzes, sondern eine Winzige Minderheit von Faschisten, die sich hinter der Glaubensgemeinschaft der Juden verstecken und damit das ganze auch Lupenrein Funktioniert wird ein Krieg angezettelt der vom Programm her die Beinahe Anonymität dieser Faschistischen Juden Garantiert, denn diese sind durch den Krieg so Reich und Mächtig geworden, dass diese heute die Weltbanken Besitzen, unsere Staatsoberhäupter als Marionetten hinstellen, sich nach und nach alle Medienhäuser einverleiben um ihre Anonymität zu Sichern. Dabei sind es genau die, die für alles Elend auf der Welt verantwortlich sind aber so tun als hätten diese das "Allheilmittel" . Das Allheilmittel ist die Neue Welt Ordnung (NWO) die uns alle Weltweit in die Sklaverei treibt. Wir sind schon auf dem guten weg dahin. Die aber, denen es heute noch gut geht, die halten ihr Mundwerk aber auch nur so lange bis das Elend die letzten auch ereilt. Das Zielt aber alles auf die Schrittweise Entvölkerung der Welt ab um den Faschisten ein Paradies auf Erden zu Bescheren. Alles was bis heute auf der Welt geschiehtist Gewollt und Hausgemacht. Die Konstrukteure sind in den USA und dem Sternenland. Wir alle, die sich für so Intelligent halten sind so Dumm und lassen das so mit uns machen. Es wird Zeit, dass die Restliche Verbliebene Intelligenz dafür Aufgebracht wird, sich dem Ganzen zu verwehren um einen Gerechten Planeten mit Menschlichen Lenkern, die im Interesse des Volkes Agieren zu erschaffen. Es wird Zeit sich des Scheinreichtums des Geldes zu Entledigen um den Gerechten Tauschhandel einzuführen. Die Lenker der Länder auf diesem Planeten müssen vom Volk Frei gewählt werden und dürfen KEINE Parlamentarische Immunität mehr besitzen. wenn das Geschaffen wurde, geht es uns Richtig gut.

  • von reiner tiroch | 18.06.2015, 08:31 Antworten

    und nebenbei führen uns Obama und Merkel in den großen Krieg.

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