Stand: 09.01.2017 von Mr. Gini 2 Kommentare

Alle Jahre wieder werden rund um den Jahreswechsel neue Zahlen und Fakten zur Entwicklung der Vermögen, insbesondere auch der Geldvermögen, veröffentlicht. Und da gab es mit Blick auf das Jahr 2016 zumindest für Deutschland gute Nachrichten.

Nach vorläufigen Berechnungen der DZ Bank dürften die Geldvermögensbestände der privaten Haushalte im vergangenen Jahr um knapp 230 Milliarden Euro auf gut 5,7 Billionen Euro gestiegen sein (siehe auch hier). Der Anstieg bei den Geldvermögen habe mit 4,1 Prozent nur leicht unter dem des Vorjahres (plus 4,8 Prozent) gelegen. Dies gaben die Volkswirte des genossenschaftlichen Spitzeninstituts in einer jüngst veröffentlichten Studie bekannt. Der Anstieg der Geldvermögen sei großteils auf die „Jahresend-Rally" am Aktienmarkt im Dezember zurückzuführen. Diese habe „für ordentliche Kursgewinne und damit für die wenigen Lichtblicke des Anlagejahres 2016“ gesorgt, so die Banker.

Anhaltender Sparfleiß der Deutschen

Neben Kursgewinnen habe vor allem „der anhaltende Sparfleiß der Bürger“ für den Aufbau des Geldvermögens gesorgt. Und das trotz des historisch einmalig tiefen Zinsniveaus. Die Ökonomen des Spitzeninstituts gehen davon aus, dass die Sparquote im abgelaufenen Jahr erneut leicht von 9,7 Prozent auf 9,8 Prozent gestiegen ist. Wörtlich heißt es weiter, dass sich die privaten Haushalte in Deutschland nicht durch das Extrem-Niedrigzins-Niveau entmutigen lassen würden. Begünstigt sei die Sparneigung zusätzlich von der positiven Einkommensentwicklung worden.

Den Frankfurter Bankern zufolge dürften die nominal verfügbaren Einkommen 2016 binnen Jahresfrist um gut 2,5 Prozent gestiegen sein. Und das ohne größere Kaufkraftverluste durch Inflation.

EZB-Befragung im Fokus

So weit, so gut. Kurz vor Weihnachten gab es aber auch aus Frankfurt Nachrichten, die alles andere als positiv waren. Und am 23.12. fanden diese Neuigkeiten auch nicht wirklich große Beachtung. Die Europäische Zentralbank (EZB) teilte jedenfalls mit, dass das durchschnittliche Nettovermögen privater Haushalte im Euro-Raum zwischen 2010 und 2014 inflationsbereinigt um rund zehn Prozent gesunken sei. Dies geht aus dem "Household Finance and Consumption Survey" (HFCS) der EZB hervor (siehe hier). Die erste Befragung dieser Art fand bereits 2010 statt. Für die Ergebnisse der nun veröffentlichten zweiten Erhebung wurden zwischen 2013 und 2014 insgesamt 84.000 Haushalte in 18 Ländern des Euro-Raums sowie in Polen und Ungarn befragt.

Sinkende Nettovermögen

Aus dem Zahlenwerk geht jedenfalls hervor, dass das durchschnittliche Nettovermögen der privaten Haushalte im Euro-Raum 2014 bei 223.300 Euro gelegen habe. Gegenüber der ersten Befragung für das Jahr 2010 sei dieser Wert um 9,6 Prozent zurückgegangen. Im Median sei das Nettovermögen im selben Zeitraum um 10,5 Prozent auf 104.100 Euro gesunken. Der Median gibt das Vermögen des Haushalts an, der genau in der Mitte zwischen der reicheren und der ärmeren Hälfte aller Haushalte liegt. Damit beschreibt er tendenziell die Situation eines typischen Haushalts, während das durchschnittliche Vermögen durch besonders vermögende Haushalte verzerrt werden kann. Wie auch immer, letztlich ist der Rückgang der Nettovermögen eng mit der Entwicklung der Immobilienpreise verknüpft.

Immobilienpreise mit fallender Tendenz

Den Notenbankern zufolge ist ja rund die Hälfte des gesamten Vermögens privater Haushalte im Euro-Raum selbstgenutztes Wohneigentum. Höchst interessant ist jedenfalls für deutsche Zeitgenossen die „Erfahrung“, dass es am Immobilienmarkt nicht nur in die eine Richtung, nach oben, gehen kann. Seit einigen Jahren ist ja speziell in deutschen Ballungsräumen ein regelrecher Hype am Wohnimmobilienmarkt ausgebrochen. In zahlreichen anderen Mitgliedsstaaten der Euro-Zone seien aber mit Ausbruch der Finanz- und Staatsschuldenkrise die Preise für Immobilien teils erheblich gefallen. Explizit verweisen die Notenbanker da auf die Entwicklung in Griechenland und Zypern. Aber auch Spanien, Italien, Portugal, Slowenien und die Slowakei seien von der Krise am Immobilienmarkt betroffen gewesen. Diese Wertverluste würden sich nun in den gesunkenen Nettovermögen privater Haushalte widerspiegeln.

Steigendes Nettovermögen in Deutschland

In Deutschland seien die Nettovermögen zwischen 2010 und 2014 dagegen gestiegen. Ursachen dafür seien neben gegenläufigen Preisentwicklungen am Immobilienmarkt auch eine Reihe struktureller Unterschiede. Im Durchschnitt aller Haushalte wuchs der Wert zwischen 2010 und 2014 inflationsbereinigt um 2,4 Prozent auf 214.300 Euro. Damit liegen die deutschen Haushalte leicht unter dem Durchschnitt aller Euro-Mitgliedstaaten von 223.300 Euro. Der Median des Nettovermögens in Deutschland stieg im selben Zeitraum um zehn Prozent auf 60.800 Euro. Deutschland verzeichnet damit den stärksten Anstieg der Nettovermögen von allen befragten Ländern des HFCS. Dennoch, das Nettovermögen im Median liegt in Deutschland auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Ja, und das ist auch mehr als nur beachtlich, dass das Median-Vermögen nur in Estland, Lettland und der Slowakei geringer als in Deutschland ausfällt. Die höchsten Nettovermögen im Median erreichen Luxemburg mit 437.50 Euro, Belgien mit 217.900 Euro und Malta mit 210.000 Euro.

Strukturelle Unterschiede

Mit Blick auf die unterschiedliche Entwicklung in vielen Staaten Europas spielen strukturelle Unterschiede zwischen den Euro-Mitgliedstaaten eine wichtige Rolle. So machen beispielsweise Sachwerte mehr als vier Fünftel des Vermögens aller befragten Haushalte aus. Den Löwenaneil nehmen darunter vor allem Immobilien ein. Tatsache ist aber, dass Deutschland im Euro-Raum jedoch zu den Ländern mit dem niedrigsten Anteil von Eigenheimbesitzern gehört. Der Anteil liegt in deutschen Landen bei nur 44 Prozent, verglichen mit 60 Prozent im gesamten Euro-Raum. Die Unterschiede im Vermögen entstehen auch durch den Einfluss unterschiedlicher sozialer Sicherungssysteme. So würden Ansprüche aus gesetzlichen oder betrieblichen Renten im Rahmen des HFCS nicht zum Vermögen gezählt. Und last but not least seien die Haushalte in Deutschland kleiner als im Durchschnitt des Euro-Raums. So liege der Anteil an Single-Haushalten in Deutschland bei 40 Prozent, im Durchschnitt des Euro-Raums dagegen bei 32 Prozent.

Hohes Maß an Ungleichheit

Und abschließend sei erwähnt, dass sich trotz des Rückgangs der Nettovermögen die Ungleichheit im Euro-Raum nicht wesentlich verändert hat. Gemessen wird das unter anderem mit dem sogenannten Gini-Koeffizienten. Bei den Nettovermögen der privaten Haushalte im Euro-Raum liegt der Gini-Koeffizient für 2014 fast unverändert zur ersten Befragung 2010 bei 0,685. Für Deutschland liegt der Gini-Koeffizient 2014 bei 0,76. Das ist zwar der gleiche Wert wie bei der ersten Befragung, aber deutlich höher als in den anderen Staaten der Währungsunion.

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass die Deutschen gerade auch in Relation zu den Partnern in Europa nicht wirklich „reich“ sind. Im Gegenteil. Und abschließend sei vielleicht darauf hingewiesen, dass es bei den Vermögen nicht immer nur nach oben gehen kann. Es lauern wahrhaft gigantische Gefahren für die Vermögen. Vielleicht gibt es ja schon 2017 - als Beispiel - die erste Delle bei der Preisentwicklung deutscher Wohnimmobilien...

Krise in Europa – Nettovermögen rückläufig
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [2]
  • von Chrysos197 | 09.01.2017, 18:51 Antworten

    Unsauber berichtet: Da ist einerseits von "Geldvermögen", andererseits auf von "Aktien" und "Immobilien" die Rede. Vermutlich ist also nicht "Geldvermögen", sondern "Vermögen" insgesamt gemeint.

    • von Sisyphos197 | 16.01.2017, 17:31 Antworten

      Bravo, Chrysostome Mou...

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