Stand: 23.02.2018 von Egmond Haidt 4 Kommentare

Bei der EZB dreht sich das Personalkarussell. Etliche Experten und viele Sparer hoffen daher, dass Bundesbankchef Jens Weidmann der Nachfolger von EZB-Chef Mario Draghi werden könnte. Ein Blick auf ein paar Zahlen sollte aber schnell klar machen, warum das ein Wunschtraum bleiben dürfte.

Nachdem der Goldpreis in den Tagen vor der Veröffentlichung des Fed-Protokolls am Mittwochabend, wegen der Erholung des Dollar unter Druck gekommen war, scheint sich die Lage bei der Goldpreisentwicklung schon wieder zu stabilisieren

Dabei schreibt die Fed in der Mitschrift, dass eine Reihe von Fed-Mitgliedern ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum gegenüber der Sitzung vom Dezember 2017 angehoben hätten. Die Mehrheit der Mitglieder sei daher der Überzeugung, dass eine „zusätzliche“ Verschärfung der Geldpolitik angemessen sei.

Dabei war das Wort „zusätzlich“ in den Text eingefügt worden. Inzwischen spekulieren etliche Investoren, dass die Fed im Laufe des Jahres die Zinsen möglicherweise vier Mal anheben könnte, nachdem sie bislang drei Erhöhungen in Aussicht gestellt hat.

Wegen dieser Erwartung sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen mit 2,95 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch nach oben geschossen. Der Goldpreis trotzt allerdings diesem Gegenwind, während er vom Dollar Rückenwind bekommt. Immerhin ist der Greenback trotz der Erwartung auf eine möglicherweise zusätzliche Verschärfung der Geldpolitik wieder nach unten gedreht.

Spanier wird neuer Vize-Chef der EZB

Von einer Verschärfung der Geldpolitik will EZB-Chef Mario Draghi hingegen weiterhin nichts wissen. Er druckt massiv Geld, weshalb die Bilanzsumme von zuletzt 4,5 Billionen Euro jeden Monat um weitere 30 Mrd. Euro steigt.

Viele Sparer hierzulande hoffen schon lange, dass mit Draghis Gelddrucken möglichst bald Schluss ist. Da Draghi selbst dabei nur extrem zögerlich vorgeht, bleibt den Sparern eigentlich nur die Hoffnung auf Oktober 2019, wenn die Amtszeit des Europäische Zentralbank-Chefs endet, zumal er klar gemacht hat, dass die Zinsen auch noch lange Zeit nach dem Auslaufen des Gelddruckprogramms niedrig bleiben sollen.

Nachdem die Eurogruppe zuletzt den spanischen Wirtschaftsminister Luis de Guindos als neuen Vize-Chef der EZB vorgeschlagen hat, hatten einige Medien spekuliert, dass damit die Chance gestiegen sei, dass Bundesbankchef Jens Weidmann zu Draghis Nachfolger werden könnte.

Es dürfte ausgemachte Sache sein, dass sich der EU-Gipfel im März für de Guindos entscheidet. Er würde EZB-Vize Vitor Constancio aus Portugal nachfolgen, dessen Amtszeit nach acht Jahren im Mai endet.

Ein Nord- und ein Südländer an der EZB-Spitze?

„Nun sind die Aussichten für den zumindest in den „Nordländern“ der EU sehr geschätzten Bundesbank-Chef Jens Weidmann, Mario Draghi an der EZB-Spitze zu beerben, vorsichtig ausgedrückt, nicht schlechter geworden“, schrieb Klaus Stopp, Leiter Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

„Draghis Amtszeit endet im Oktober 2019. Und den bisherigen Usancen folgend werden die EZB-Chefposten stets von einem Nord- und einem Südeuropäer besetzt. Diese verfolgen traditionsgemäß unterschiedliche Philosophien. Während de Guindos als Verfechter einer eher expansiven Geldpolitik mit niedrigen Zinsen als „Taube“ gilt, gehört Weidmann als ein ausgesprochener Protagonist einer straffen Geldpolitik den „Falken“ an. Immer wieder hatte der Bundesbank-Chef in den vergangenen Monaten und Jahren die Flutung der Märkte durch EZB-Gelder kritisiert und eine weniger expansive Geldpolitik gefordert“, so Baader-Experte Stopp.

Viele Euro-Länder haben gigantische Schulden

Das „Problem“ ist, dass Weidmanns Einstellung es äußerst unwahrscheinlich macht, dass er EZB-Chef wird. Weidmann steht für eine solide Geldpolitik, für hartes Geld und damit für steigende Zinsen. Sollte er tatsächlich EZB-Chef werden, dürfte er versuchen, genau das umzusetzen. Allerdings dürfte in dem Szenario das Schuldenhaus in der Euro-Zone sehr schnell zusammenbrechen.

Zur Erinnerung:

Italien hat horrende 2,3 Billionen Euro Schulden, das sind 134,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist der schlechteste Wert in der Euro-Zone hinter Griechenland. Portugal hat 249,1 Mrd. Euro Schulden (130,8 Prozent), Frankreich 2,2 Billionen (98,4 Prozent) und Spanien 1,1 Billionen (98,7 Prozent).

Nur weil die Investoren wissen, dass Draghi notfalls unbegrenzt italienische Anleihen kaufen würde, liegen die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen bei irrsinnig niedrigen 2,05 Prozent. Offenbar bergen diese Papiere noch viel weniger Risiken als vergleichbare US-Anleihen, deren Zinssatz trotz der explodierenden Verschuldung bei nur knapp 3,0 Prozent liegen.

Viele Länder sind von extrem niedrigen Zinsen abhängig

Vor dem Hintergrund der obigen Zahlen sollten die jüngsten Aussagen des italienischen Wirtschaftsministers Pier Carlo Padoan niemanden verwundern.

„Italien würde gerne sehen, dass die Politik, die sich als wesentlich für die Rettung der Gemeinschaftswährung erwiesen hat, fortgesetzt wird“, so Padoan.

Draghis Mut habe den Euro gerettet. „Wäre er den mechanischen Regeln gefolgt, die andere bemüht haben, wäre das nicht geschehen“, so Padoan.

Im Klartext:

Italien möchte, dass die Politik der Strafzinsen und des Gelddruckens fortgesetzt wird, damit der italienische Staat nicht unter seinem Schuldenberg kollabiert. Italien, die anderen Südländer und Frankreich dürften sich mit Händen und Füßen gegen den Versuch Deutschlands sträuben, Weidmann als EZB-Chef durchzubringen. Die Länder wollen weiterhin extrem niedrige Zinsen und einen schwachen Euro.

Aufgrund der obigen Zahlen dürfte es als Sparer wenig Sinn machen darauf zu hoffen, dass Jens Weidmann den Spitzenjob bei der EZB bekommt. Vielmehr könnte man versuchen, mit Gold sein Vermögen zu erhalten.

EZB-Chef Posten - minimale Chance für Weidmann?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [4]
  • von MAUNI | 01.03.2018, 22:29 Antworten

    Ich sehe es deutlich wie der Autor. Aber! Ein deutscher Bundesbanker mit Schneid, wird die Eurozone nicht retten können. Dazu gehört ein Kanzler mit Schneid! Nicht MERKEL !!!!

  • von Jupp | 28.02.2018, 18:53 Antworten

    Was hilft es, Personen auszutauschen, wenn das System nicht stimmt ?

  • von Klaus | 26.02.2018, 12:57 Antworten

    Jeder Nachfolger auf Dragi hat einen schweren Stand. Denn die aufgeblähte Bilanzsumme der EZB muss reduziert werden, damit sie bei der nächsten Krise wieder handlungsfähig ist. Die Zinsen werden so oder so steigen, die EZB hat drauf nur wenig Einfluss und kann bestenfalls die Geschwindigkeit des Zinsanstieges beeinflussen. Und das Zurück zu normalen geldpolitischen Verhältnissen ist nach der (maßlosen) Geldschwemme der EZB ein fragwürdiges Unterfangen.
    Die Amtszeit des nächsten EZB Präsident gleicht somit einen Ritt auf der Rasierklinge.
    Ob Jens Weidmann unter diesen Umständen das Amt des EZB Chefs antreten will, sollte er sich sehr gut überlegen.

  • von Anonym | 24.02.2018, 16:19 Antworten

    Insolvenzverschleppung in großem Stil!
    Die Zeche zahlt der deutsche Sparer.
    Und wenn die Briten erstmal weg sind, wird sich das Kräfteverhältnis weiter zu Ungunsten des alten D-Mark-Blocks in Richtung der Südländer verschieben.
    Aber wir schaffen das! Oje, da wird einem Angst und Bange.

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