Stand: 31.10.2017 von Jörg Bernhard 6 Kommentare

Der Goldpreis reagierte auf kurze Sicht zwar negativ auf die EZB-Sitzung vom vergangenen Donnerstag, auf lange Sicht sollte das gelbe Edelmetall aber weiterhin von der explodierten Geldmenge und anhaltenden „Magerzinsen“ profitieren.

EZB tritt nur leicht auf die Bremse

In den vergangenen Wochen waren Diskussionen um die künftige Geldpolitik in den USA und in der Eurozone an der Tagesordnung. Während jenseits des Atlantiks vor allem darüber debattiert wurde, wer ab März 2018 die US-Notenbank Fed leiten wird, fragte man sich diesseits des Atlantiks, wie der seit mehreren Wochen angekündigte Kurswechsel der ultraexpansiven Geldpolitik konkret aussehen wird. Seit Donnerstag sind wir diesbezüglich schlauer.

Das Wichtigste vorweg: EZB-Chef Mario Draghi hat sich für eine relativ zaghafte und vorsichtige Variante entschieden. Die Akteure an den Finanzmärkten sollen offensichtlich auf keinen Fall verunsichert oder gar zum Verkauf ihrer Aktien, Anleihen oder Immobilien animiert werden. Ab Januar soll sich zwar das Volumen für die monatlichen Anleihekäufe von 60 Milliarden auf 30 Milliarden Euro halbieren, das Kaufprogramm soll jedoch bis mindestens September 2018 laufen.

Ursprünglich war einmal das Ende der milliardenschweren Anleihekäufe für Dezember 2017 vorgesehen. Was an den Finanzmärkten besonders gut ankam, war der Hinweis, dass sich die EZB das Recht vorbehalte, Umfang und Dauer des Kaufprogramms jederzeit zu erhöhen, falls das erforderlich sei.

EZB-Bilanz weltweit am höchsten

Eine Anhebung der Zinsen in der Eurozone wäre damit für längere Zeit kein Thema, schließlich dürften diese erst nach einem Auslaufen des Anleihekaufprogramms nach oben geschraubt werden – und dies höchstwahrscheinlich ebenfalls relativ zaghaft und vorsichtig. In den USA lagen zum Beispiel zwischen dem Ende der Stützungskäufe und der ersten Zinserhöhung mehr als zwölf Monate. Dort wurden seit Dezember 2015 mittlerweile viermal die Leitzinsen erhöht – von 0,13 auf aktuell 1,13 Prozent.

Und der nächste Zinsschritt scheint bereits eine ausgemachte Sache zu sein, schließlich weist das Fed-Watch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group eine Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent aus, dass wir im Dezember ein höheres Zinsniveau haben werden als heute.

Bilanzsummen EZB, Fed, Bank of Japan
Bilanzsummen der Zentralbanken EZB, Fed und der Bank of Japan


Die zögerliche Haltung der EZB, den Krisenmodus zu verlassen, hat der Notenbank der Europäer weltweit die höchste Bilanzsumme „beschert“ (siehe Grafik). 2017 übertraf man in diesem Punkt sowohl die Bank of Japan als auch die US-Notenbank Fed. Darüber freuen oder darauf stolz sein sollte man aber eher nicht. Insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass im vergangenen Jahr das Bruttosozialprodukt in der Eurozone mit 10,7 Billionen Euro deutlich niedriger als in den USA (18,57 Billionen Dollar) ausgefallen war. Wenn Währungen im Überfluss vorhanden sind und insbesondere hierzulande extrem magere Zinsen abwerfen, sollte man sich über deren Werthaltigkeit und potenzielle Alternativen unbedingt Gedanken machen.

Ausblick für die laufende Woche

In den nächsten Tagen dürften die Akteure an den Goldmärkten die anstehende Datenflut zum US-Arbeitsmarkt besonders intensiv beobachten, da die US-Notenbank Fed diesem Konjunkturindikator traditionell einen besonders hohen Stellenwert einräumt. Das absolute Highlight steht mit dem Oktoberbericht des US-Arbeitsministeriums wie gewohnt am Freitag auf der Agenda.

Laut einer von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate von 4,2 auf 4,3 Prozent erhöht haben und die Zahl neu geschaffener Stellen auf 323.000 gestiegen sein. Wer am Donnerstag bzw. Freitag (2. und 3. November) nicht arbeiten muss bzw. Urlaub hat, kann in München die diesjährige Edelmetallmesse besuchen und sich über Edelmetalle gründlich informieren. An beiden Veranstaltungstagen sind im Münchner MVG-Museum jeweils über 20 interessante Expertenvorträge bzw. Unternehmenspräsentationen anberaumt. Insgesamt sind auf der Messe mehr als 100 Aussteller anzutreffen.

Dabei handelt es sich um Bergbau- und Rohstoffunternehmen sowie Hersteller und Händler von Edelmetallbarren bzw. –münzen. Daneben können sich Edelmetallinteressierte in München aber auch bei Beteiligungsfirmen, Fondsgesellschaften, Vermögensverwalter, Finanzdienstleister und Medienfirmen (Börsenbriefe, Zeitschriften & Verlage) informieren, wie man die explodierenden Geldmengen bzw. Vermögenswerte in die Sachwerte mit „edlem Touch“ tauschen kann.

EZB Geldpolitik auf lange Sicht Kaufgrund für Gold?
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [6]
  • von Moses | 01.11.2017, 19:10 Antworten

    Und wohin mit dem vielen Geld?
    Die lockere Geldpolitik der EZB ist in den nächsten Monaten ein Kaufgrund für solide deutsche Aktien.

  • von Martin Goldstein | 01.11.2017, 21:03 Antworten

    komisch auf Gold de wird immer für Gold geworben,fällt der preis ist es ein kaufgrund
    steigt der preis solle man natürlich auch kaufen,da es noch teuerer werden könnte.
    Diese Argumente halte ich für reinen Blödsinn !!

    • von Jan | 05.11.2017, 17:00 Antworten

      Damit verdient Gold de immer...

      • von irgendwo aus dem niergendwo | 06.11.2017, 09:39 Antworten

        wie kurzsichtig von Ihnen
        hier kann man nicht kaufen nur vergleichen und wer diesen Artikel nicht als dass nimmt was er ist, ist dann selbst schuld!
        Seien Sie froh das man heute noch gute Infos für lau bekommt

        • von bling bling | 06.11.2017, 15:31 Antworten

          wenn sie wüssten wie viele werbeserver (inbes. googleads, doubleclick...) auf ihrem rechner mitkommunizieren während sie lesen und klicken...

  • von Beate Schönfelder | 21.11.2017, 11:48 Antworten

    Niemand hat die Absicht den privaten Goldhandel einzudämmen

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