Stand: 09.05.2013  1 Kommentare

Kehrt Gold zurück zu neuen Hochständen oder ist die Hausse vorbei? Die Schwäche der vergangenen Monate hat viele Experten auf den Plan gerufen, die wahlweise für eine Fortsetzung der Wertexplosionen oder starke Preisrückgänge argumentieren. Wir haben den Faktencheck gemacht und die häufigsten Argumente für oder gegen Gold auf den Prüfstand gestellt.

Gold bringt keine Zinsen

Es ist das vermeintliche Totschlagargument schlechthin bei Brandreden gegen die Goldhausse: "Gold wirft keine Zinsen ab", ist oftmals in der Presse zu lesen. Und tatsächlich: Anders als Tagesgeld oder das gute alte Sparbuch vermehrt sich der Wert von Gold nicht automatisch, Rücksetzer sind - wie die vergangenen Monate zeigen - immer möglich und Wertzuwächse alles andere als selbstverständlich.

Allerdings: Die Zinsen für Tagesgeld und Co. liegen derzeit unter dem Inflationsniveau. Im Klartext: Die Kaufkraft des Tagesgelkontos nimmt dauerhaft ab, Finanzexperten sprechen von negativer Realverzinsung. Dagegen kann sich der Wertzuwachs beim Gold in den letzten Jahren trotz der jüngste Korrektur sehen lassen: Der Goldpreis hat sich seit dem Start der Hausse im Jahr 2001 etwa verfünffacht.

Auch bei einem weiteren Blick zurück stellt sich heraus, dass Anleger mit Gold deutlich besser gefahren sind als mit Tagesgeld oder dem Sparbuch. Spiegel Online hat in einem Artikel vom März 2013 vorgerechnet, dass Gold in den vergangenen 40 Jahren durchschnittlich um 3,5 Prozent pro Jahr zugelegt hat, im 30-Jahres-Vergleich sind es dem Bericht zufolge etwa 1,5 Prozent und in den vergangenen 20 Jahren hat Gold um etwa 6 Prozent an Wert gewonnen.

Bewertung

Die Bestimmung eines fairen Preises für Gold ist praktisch unmöglich, alle Preisprognosen wirken wie Glaskugel-Leserei. Das Allzeithoch in Dollar wurde im September 2011 mit rund 1.920 US-Dollar pro Feinunze erreicht, der Rekordwert in Euro lag am 1. Oktober 2012 bei rund 1.386 Euro pro Feinunze; jeweils auf Intraday-Basis.

Die beliebteste Rechnung zur Bewertung des Goldpreises bedient sich beim Allzeithoch von 850,00 US-Dollar pro Unze im Januar 1980. Dieser Stand wird auf die heutige Kaufkraft umgerechnet - das US-Arbeitsministerium hat im vergangenen Jahr ausgerechnet, dass das Allzeithoch heutzutage inflationsbereinigt bei etwa 2.300 US-Dollar liegt. Dementsprechend kann von einem tatsächlichen Allzeithoch nicht die Rede sein - und der Goldpreis rangiert derzeit deutlich darunter.

Volatilität

Goldanleger haben anstrengende Monate hinter sich - der Goldpreis bewegte sich seitwärts und sackte immer wieder nach unten. In den vergangenen Jahren ist Gold nach starken Einbrüchen oft schnell auf die alten Hochs oder neuen Höchststände geklettert, was viele Marktbeobachter zu dem Schluss brachte, dass Gold besonders volatil ist.

Das World Gold Council steuert mit einer spannenden Berechnung dagegen: Der Darstellung des Council zufolge schwanken Aktien, Öl sowie die meisten anderen Edelmetalle und Rohstoffe heftiger als Gold. Bis Ende August 2011 ist Gold nach Berechnungen des World Gold Council in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich um 16,0 Prozent geschwankt - die Volatilität des S&P Goldman Sachs Commodity Index im gleichen Zeitraum liegt bei 22,5 Prozent. Allerdings hat die Volatilität von Gold und insbesondere von Silber in den vergangenen Monaten stark zugenommen.

Verbreitung

Gold bewegt sich von einem Insiderinvestment immer stärker zu einem Mainstream-Anlageprodukt. Von einer starken Verbreitung ist Gold in Deutschland allerdings noch weit entfernt. Zwar steigt in Meinungsumfragen die Zustimmung für Gold als Anlageprodukt immer stärker, doch die tatsächliche Verbreitung ist weiterhin überschaubar. Derzeit wird in der deutschen Bevölkerung von einem Anteil je nach Statistik bzw. vorliegenden Daten im einstelligen Prozentbereich ausgegangen.

Einer Steinbeis-Studie zufolge besitzt jeder Deutsche rechnerisch genau 62 Gramm Gold in Form von Münzen und Barren, dazu kommen 55 Gramm Gold in Form von Schmuck weitere Angaben dazu finden Sie auf Seite 4 des "executive summary zur Steinbeis-Studie. Allerdings zögern der Studie zufolge vor allem die Bürger mit geringem Einkommen vor einer Absicherung ihrer Ersparnisse durch Gold. Interessant ist besonders die Zufriedenheit der befragten Anleger: Fast alle Befragten sind mit ihrem Goldinvestment zufrieden und wollen ihre Anlagestrategie beibehalten.

Knappheit

Auf den ersten Blick ist der weltweite Goldvorrat erstaunlich überschaubar - er passt in einen Würfel von nur 20 Meter Kantenlänge. In der gesamten Weltgeschichte wurden bis Ende 2011 nach Zahlen des World Gold Council rund 171.000 Tonnen Gold gefördert wurden und das Fördervolumen nimmt von Jahr zu Jahr ab - der Anteil an recyceltem Altgold auf dem Rohstoffmarkt nimmt zu.

Allerdings werden laut World Gold Council noch immer pro Jahr etwa 2 .600 Tonnen Gold aus der Erde geholt. Besonders gut stehen die Förderprognosen für einige afrikanische Länder sowie für Usbekistan und Kasachstan. Die Förderung von Gold wird allerdings immer komplizierter - von der Exploration bis zur ersten geförderten Unze Gold vergehen zwischen fünf und sieben Jahren.

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Kommentare [1]
  • von a.stertzenb. | 30.09.2014, 09:15 Antworten

    Hallo,
    wenn der Normalverbraucher seine Kaufkraft vermehren möchte, kann er dies annahmegemäß durch den Kauf von Aktien. In Unternehmen wird nicht nur produziert, sondern es entsteht neues Wissen. Der Wert kann auf "natürliche" Weise gesteigert werden. Durch Diversifikation kann man unsystematische Risiken vernichten. Das systematische Risiko spielt langfristig gar keine Rolle. Unternehmen kommen immer zu ihren durchschnittlichen Bewertungen zurück.
    Edelmetalle dienen nur der Wertaufbewahrung. Wenn das Vertrauen in unser Geldsystem zurückkehrt (es muss global gedacht werden), schmieren Edelmetalle übelst ab. Man kann sich am Glanz erfreuen, aber das ist ja ohnehin schon das einzige Kaufmotiv vieler Anleger.

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