Stand: 17.02.2020 von Egmond Haidt
Bei seiner Anhörung vor dem Kongress hat Fed-Chef Jay Powell behauptet, dass die US-Wirtschaft gut laufe. Allerdings hat er „vergessen“ zu erwähnen, dass das gesamte Wirtschaftswachstum einzig und allein auf einer Schuldenexplosion beruht. Nur vor diesem Hintergrund machen Powells Aussagen zur Geldpolitik in künftigen Krisenfällen Sinn.
Fed bereitet den Boden für noch gigantischeres QE-Gelddrucken

Scheinbar kann selbst die schwerste Pandemie seit Jahrzehnten die Rekordfahrt bei DAX und S&P500 nicht aufhalten, womit die Blase allerdings immer größer wird. Selbst die Meldung aus China, dass die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in der Provinz Hubei vom 11. auf den 12. Februar von 2.015 auf den Rekord von 14.840 explodiert ist – das ist fast das Vierfache des vorherigen Spitzenwertes vom 4. Februar -, hat nur für einen kleinen Kursrückgang bei Dax gesorgt. Dabei hat die Provinz die Zwangsferien für alle Unternehmen bis zum 21. Februar verlängert.

Offensichtlich sind Investoren der Überzeugung, dass die Fed und die chinesische Notenbank mit jeweils gewaltigen Liquiditätsspritzen die Aktienmärkte oben halten können, oder sogar auf neue Spitzenwerte treiben können, selbst wenn es zu einer Rezession in den USA, oder gar einer weltweiten Rezession kommen sollte – Wahnsinn!

Letztere liegt vor, wenn das Wachstum der Weltwirtschaft auf weniger als zwei Prozent zurückgeht.

Wie sehr die Pandemie die Weltwirtschaft belastet zeigt, dass die weltweite Ölnachfrage laut dem Branchenverband International Energy Agency (IEA) im ersten Quartal um 435.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Vorjahr sinken soll – das wäre der erste Rückgang seit mehr als 10 Jahren.

Gleichzeitig hat die IEA die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr um 365.000 auf 825.000 Barrel pro Tag gesenkt – das wäre der geringste Anstieg seit 2011.

Allerdings waren nach den Nachrichten aus Hubei die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf unter 1,6 Prozent eingebrochen, was den Goldpreis beflügelt hat. Mit rund 1.576 Dollar je Unze (Stand: 13.02.2020) notiert er knapp unterhalb der Sechs-Jahres-Hochs.

Gigantische Schuldensause in den USA

Eine Konjunkturflaute in China dürfte zweifellos schnell auf die US-Wirtschaft überschwappen, vor allem weil die Nachfrage aus China nach US-Produkten einbricht. Bei seiner Anhörung vor dem US-Kongress am Dienstag und Mittwoch hat Fed-Chef Jay Powell behauptet, dass es der US-Wirtschaft gut gehe.

Das waren allerdings Fake News! Powell hat „vergessen“ zu erwähnen, dass die Schulden der US-Regierung im vergangenen Jahr um 1,2 Billionen Dollar nach oben geschossen sind, und zuletzt mit horrenden 23,3 Billionen Dollar einen neuen Rekordwert erreicht haben.´

Das sind herbe 107,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – Rekord!

Powell hat auch nicht erwähnt, dass die Schulden der Unternehmen im vergangenen Jahr ebenso um rund 600 Mrd. Dollar zugelegt haben dürften wie jene der privaten Haushalte, während sich der Zuwachs bei den Banken auf rund 400 Mrd. belaufen dürfte. Die Zahlen werden jeweils Mitte März veröffentlicht.

Insgesamt dürften die Schulden der Amerikaner, also von Staat, privaten Haushalten, Unternehmen und Banken, damit im circa 2,8 Billionen Dollar explodiert sein. Gleichzeitig ist die Wirtschaft um nur rund 850 Mrd. Dollar gewachsen. 

Damit hätten die Amerikaner 3,3 Dollar Schulden gemacht, um ein Wirtschaftswachstum von 1 Dollar zu erzielen – ein katastrophaler Wert!

Abgesehen von diesen Zahlen geht es der US-Wirtschaft aber „gut“. „In dieser Wirtschaft gibt es nichts was aus dem Lot oder im Ungleichgewicht ist“, sagte Powell – welche Lüge!

Powell kündigt „aggressives“ QE-Gelddrucken an

Wegen der Belastungen durch die Pandemie wächst die Gefahr deutlich, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft dramatisch abkühlt, oder sie sogar in eine Rezession abrutscht. Bei der Anhörung hat Powell klar gesagt, wie die Fed in diesem Fall reagieren werde, zumal die Leitzinsen mit 1,5 bis 1,75 Prozent auf einem niedrigen Niveau sind.

„Wir haben weniger Raum, sie zu senken“, sagte der Fed-Chef. „Niedrige Zinsen sind nicht wirklich mehr eine Option, sondern ein Fakt der Realität“, so Powell.

Daher müsse die Fed im Krisenfall verstärkt auf die Forward Guidance – sprich den Ausblick, die Zinsen sehr lange niedrig zu halten -, und auf das QE-Gelddrucken zurückgreifen.

„Wir werden diese Maßnahmen nutzen. Ich glaube, wir werden sie sehr aggressiv nutzen“, sagte Powell.

Das kann ich allerdings nur als Drohung auffassen. Schließlich druckt die Fed schon jetzt mehr Geld als selten zuvor, wodurch die Bilanzsumme der Fed seit Mitte September um rund 80 Mrd. Dollar pro Monat gestiegen ist.

Das gigantische Gelddrucken führt schon jetzt dazu, dass die Ungleichheit zwischen Arm und Reich immer größer wird, weil die reichen Amerikaner davon profitieren, dass die Aktienkurse und Immobilienpreise immer weiter in die Stratosphäre steigen, während die Armen die deutlichen steigenden Kosten für Mieten, Krankenversicherung, Studienkredite und Lebensmittel zu spüren bekommen.

Je „aggressiver“ das QE-Gelddrucken künftig sein dürfte – es könnten leicht 100, 150 oder 200 Mrd. Dollar pro Monat sein – umso größer wird die Ungleichheit zwischen Arm und Reich werden.

Fed entwertet die Fiat-Währung Dollar

Zwar will Powell die Liquiditätsspritzen im zweiten Quartal etwas drosseln. Allerdings dürfte das sehr schnell zu Turbulenzen beim S&P500 und in dessen Fahrwasser auch beim DAX führen, weil die Liquiditätsschwemme der Fed der mit weitem Abstand wichtigste Antriebsmotor für den Aktienmarkt ist.

Umso schneller sollte die Fed anschließend die Zinsen senken, wobei ich weiterhin davon ausgehe, dass wir am Jahresende bei 0 Prozent sein werden. 

Zudem sollten die Notenpressen der Fed künftig viel schneller laufen als jemals zuvor, wodurch die Fed die Fiat-Währung Dollar aber immer weiter entwerten würde.

In dem Umfeld dürften zudem nicht nur die US-Zinsen, sondern auch jene im Rest der Welt auf neue Rekordtiefs sinken, womit das Volumen an weltweiten Anleihen mit Strafzinsen von zuletzt umgerechnet rund 13 Billionen Dollar kräftig steigen sollte. Dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis entwickelt.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"