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Stand: 18.03.2021 von Hannes Zipfel
Auf ihrer gestrigen virtuellen Notenbanksitzung beließ die Fed ihre Geldpolitik weitestgehend unverändert. Die Leitzinsen verharren bei nahe null und das Volumen der monatlichen Wertpapierkaufprogramme bei 120 Mrd. US-Dollar.
Fed biegt sich die Welt zurecht

Außerdem will sie zunächst die Wirkung des 1,9 Billionen US-Dollar Hilfspaketes auf die Konjunktur, den Arbeitsmarkt sowie die Entwicklung der Inflation abwarten. Steigende Teuerungsraten sieht sie grundsätzlich als temporär an. Dabei liegt das eigentliche Risiko, das nicht thematisiert wurde, ganz woanders.

Oberflächlich und inkonsistent

Bis ins Jahr 2023 will die Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder des FOMC (Federal Open Market Committee) die Zinsen unverändert nahe null belassen. Nur sieben der 18 Mitglieder des Entscheidungsgremiums der mächtigsten Notenbank der Welt sehen bis zum Ende des Jahres 2023 zumindest eine Zinsanhebung.

Das geht aus dem Punktediagramm (Dot-Plots) hervor, das von den FOMC-Mitgliedern anlässlich des Treffens ausgefüllt wird.

Damit hat sich die Neigung zu einer früheren Straffung der Geldpolitik zeitlich nur marginal nach vorne verschoben.

In Anbetracht deutlich höherer Wachstums- und Teuerungserwartungen ist dies erstaunlich. Mit ca. sechs Prozent wirtschaftlicher Expansion in diesem Jahr erwartet die Fed nun die dynamischste Konjunkturerholung seit dem Jahr 1983. Damals lagen die Leitzinsen unter dem damaligen FED-Chef Paul Volcker im Schnitt bei 9,09 Prozent p. a.

Nach Aussagen des aktuellen FED-Präsidenten Jerome Powell sind die steigenden Konsumentenpreise in den kommenden Monaten aufgrund der nach wie vor massiv gestörten weltweiten Lieferketten, der ungehemmten Geldmengenexpansion (Stimulus-Programme) sowie durch Basiseffekte ein temporäres Phänomen und kein Grund zum Gegensteuern.

Erst wenn das Mandat der Fed, die Vollbeschäftigung, wieder erreicht sei und sich die US-Wirtschaft vollständig von dem Pandemieschock erholt habe, könne man über eine „Normalisierung“ der Geldpolitik nachdenken. Dies wird jedoch noch eine „geraume Zeit“ in Anspruch nehmen.

Aktuell beziehen 20,12 Millionen US-Amerikaner Arbeitslosenunterstützung

(Quelle: BLS | Stand: 23. Februar 2021, gemäß jüngster verfügbarer Daten).

Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von 12,5 Prozent gemessen an den Leistungsbeziehern im Verhältnis zur arbeitsfähigen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten. Jerome Powell hatte auf diesen Umstand bereits mehrfach im Vorfeld des jüngsten Meetings hingewiesen.

Gold, Silber und Aktien reagieren positiv

Erfahrungsgemäß ist die erste Reaktion der Märkte noch nicht trendrelevant für die kommenden Handelstage nach einer Offenmarktsitzung (FOMC). Dennoch entwickelten sich der

in einer ersten Reaktion positiv.

Das Gleiche gilt für die Aktienindizes. Der US-Dollar gab hingegen leicht nach. Die Anleihekurse und damit auch die Renditen am Kapitalmarkt blieben hingegen unverändert, was das Misstrauen der Rentenmärkte gegenüber den inkonsistenten Aussagen Powells widerspiegelt.

Die Kombination aus der Anhebung von Wachstums- und Inflationserwartungen auf signifikant höhere Niveaus in Kombination mit anhaltend laxer Geldpolitik ist in Hinweis auf enorme Spannungen im System.

Nach wie vor wird der große Weiße Elefant im Raum nicht thematisiert: Die Überschuldung, die keine „Normalisierung“ der Geldpolitik mehr zulässt und in eine geldpolitische Sackgasse führt. Die einzigen beiden Auswege aus diesem Dilemma werden totgeschwiegen:

das Weginflationieren der untilgbaren Schulden mit anschließender Währungsreform.

Die Enttäuschung vieler Marktteilnehmer über das Ausbleiben von Maßnahmen zur Deckelung der Kapitalmarktzinsen begründete Jerome Powell mit den anhaltend lockeren Finanzierungsbedingungen trotz gestiegener Zinsen. Die Verfügbarkeit von Krediten sei bisher nur leicht beeinträchtigt worden (Finanzierungskonditionen bleiben locker).

US-Finanzierungsbedingungen in der Komfortzone

Fed verschafft sich Luft durch Stimulus-Programm

Unter normalen Umständen wären die zuletzt deutlich angestiegenen Zinsen am Kapitalmarkt für die überschuldete US-Wirtschaft ein teures Vergnügen. Doch durch die Verabschiedung des 1,9 Billionen US-Dollar Hilfsprogramms explodieren die Einkommen der Amerikaner in den nächsten Wochen und Monaten durch Einmalzahlungen sowie aufgestockte Transferleistungen.

Damit kann die Konsum-Party und die liquiditäts getriebene Hausse an den Finanzmärkten weitergehen, ohne dass die gestiegenen Zinsen am Kapitalmarkt kurzfristig zum Problem werden.

Höhere Kreditkosten werden größtenteils durch staatliche Zahlungen kompensiert.

Das systemimmanente Problem ist damit aber lediglich auf der Zeitachse leicht nach hinten verschoben. Denn zum einen belasten höhere Zinsen die Kurse für Anleihen im Hier und Jetzt und zum anderen verteuern sie Vermögenswerte durch die Abzinsungsmethode (Discounted-Cash-Flow).

Die Crash-Gefahr an den Finanzmärkten ist mit dem gestrigen FOMC also keineswegs gebannt. Nicht umsonst haben andere Notenbanken bereits konkrete Schritte zur Deckelung der Kapitalmarktzinsen unternommen (z. B. RBA, EZB).

Gänzlich offen blieb in der an das Meeting anschließenden virtuellen Pressekonferenz die Frage, was eigentlich in ca. sechs Monaten passiert, wenn die Billionen geborgten Dollars verkonsumiert und verspekuliert wurden, die Schulden aber auf den Büchern verbleiben. Folgt dann das nächste noch größere Stimulus-Paket oder kommt das, was auf jeden konjunkturellen Zuckerrauch folgt:

Der wirtschaftliche Kater?

Die Fed hat es sich mit ihren jetzigen Entscheidungen und Statements leicht gemacht und mit Billionen von Dollars ein wenig Zeit erkauft. Aber gelöst hat sie keines der drängenden Probleme, wie Überschuldung, ökonomisches Defizit, Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen, Explosion der Notenbankbilanz, finanzielle Repression und den Vertrauensverlust in die Handlungsfähigkeit der US-Notenbank Fed.

FOMC - Das bedeutendste geldpolitische Gremium der Welt

Das FOMC oder "Federal Open Market Committee" ist eines der wichtigsten Treffen der US-Notenbanksystems und findet acht Mal im Jahr statt. Zu diesem Anlass treffen sich die zwölf Mitglieder, von denen sieben Teil des permanenten Aufsichtsrats sind, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt werden.

Der Rest besteht aus Präsidenten der regionalen Zentralbanken innerhalb des Federal Reserve Systems, die jährlich wechseln.

Aufgrund der geldpolitischen Entscheidungsmacht spielt das FOMC eine große Rolle für die Finanzmärkte und die Realwirtschaft. Bereits in der Vergangenheit hat das Gremium durch ihre demokratisch nicht unmittelbar legitimierte Politik Krisen ausgelöst, nur um anschließend in die Rolle des Weißen Ritters zu schlüpfen.

Ihre wichtigsten geldpolitischen Instrumente sind die Festsetzung des Leitzinses (qualitative Geldpolitik) sowie die Geldmengensteuerung (quantitative Geldpolitik). In einer freien Marktwirtschaft wird der Zins als wichtigster Preis angesehen.

Vom Markt wird dieser allerdings schon lange nicht mehr bestimmt. Dafür sind nun erneut Komitees zuständig.

Aktuell stellt die die US-Notenbank historisch einmalig große Geldsummen aus der digitalen Notenpresse für diverse Hilfspaket der US-Regierung zur Verfügung, die lediglich durch das US-Finanzministerium an die Bevölkerung, die Wirtschaft sowie Bundesstaaten und Kommunen verteilt werden.

Mit Kapitalismus hat das nichts mehr zu tun.
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Rod | 20.03.2021, 11:04 Antworten

Was wäre denn Ihr Lösungsvorschlag, wir tun einfach nichts, lassen die Leute einfach pleite gehen und schauen mal was passiert?

von Klaus | 18.03.2021, 15:01 Antworten

Woher nehmen Sie diese Zahlen. Sie schreiben: „Aktuell beziehen 20,12 Millionen US-Amerikaner Arbeitslosenunterstützung“.
Laut „News Release , Bureau of Labor Statistics“ des US Arbeitsministeriums „8:30 a.m. (ET), Friday, March 5, 2021“ gibt es 9,5 Millionen gemeldete Arbeitslose. Und nur wer gemeldet ist, bezieht Arbeitslosenunterstützung. Oder gibt es da neue Regel in USA?

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