Stand: 12.07.2019 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Nach einem kleinen Kursrückgang ist der Goldpreis schnell wieder nach oben gedreht. Für Rückenwind sorgten zuletzt die Aussagen von Fed-Chef Jay Powell. Damit bessert sich das Umfeld für das Edelmetall weiterhin. 

Nach den überraschend guten US-Arbeitsmarktdaten für Juni, die am vergangenen Freitag veröffentlicht worden sind, hatten ein paar Investoren gezweifelt, ob die Fed tatsächlich bei der nächsten Sitzung am 31. Juli die Zinsen senken wird.

Bei der Anhörung vor dem US-Kongress hat Fed-Chef Jay Powell nun allerdings klargemacht, dass diese Sorge völlig unbegründet ist, und hat eine Zinssenkung signalisiert. 

Daraufhin waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen eingebrochen, was auch den Dollar etwas nach unten gezogen hat.

Im Gegenzug ist der Goldpreis nach oben gestiegen und notiert nur noch ein Prozent unter dem Sechs-Jahres-Hoch von rund 1.430 Dollar je Unze. 

Handelskrieg belastet US-Wirtschaft zusehends

Zwar hat Powell davon gesprochen, dass die Wirtschaft solide wachse und der Arbeitsmarkt stark bleiben werde. Mancher Spötter könnte sich glatt fragen, wieso die Fed bei angeblich boomender Wirtschaft und starkem Arbeitsmarkt dennoch die Zinsen senken wolle.

Ich habe hingegen in den vergangenen Monaten wiederholt geschrieben, dass sich die Wirtschaft zügig auf dem Weg in eine Rezession sein dürfte, was die Talfahrt der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen klar widerspiegelt.

Bei seiner Anhörung vor dem Kongress hat Powell betont, dass viele Fed-Mitglieder bereits bei der jüngsten Sitzung am 19. Juni die Notwendigkeit für eine etwas lockere Geldpolitik, sprich niedrigere Zinsen, gesehen hätten. Dies habe sich seither nicht geändert. 

So hätten sich die Investitionen am Häusermarkt und der Industriesektor abgeschwächt, während das Wachstum der Investitionen der Unternehmen erheblich nachgelassen habe. Offensichtlich halten sich viele Firmen wegen der anhaltenden Unsicherheit im Handelskrieg mit China mit Investitionen zurück, was die Wirtschaft erheblich belastet.

Entgegen der Behauptung vieler „Experten“ kann sich die US-Wirtschaft nicht von der schwachen Weltwirtschaft abkoppeln, sondern folgt ihr mit einer zeitlichen Verzögerung von wenigen Monaten auf dem Weg nach unten. 

Zudem gebe es laut Powell eine Reihe von Problemen, wie den Handelskrieg, die US-Schuldenobergrenze und den Brexit. Außerdem bestehe das Risiko, dass die Inflation niedriger bleiben könnte als die Fed bislang erwartet hatte.

Obwohl vielen Amerikanern die Inflationsrate von 1,8 Prozent mehr als hoch genug sein dürfte, will die Fed mit baldigen Zinssenkungen die Inflation anheizen – welch ein Irrwitz!

Wie groß wird der Zinsschritt der Fed sein?

Die Aussicht auf den baldigen Start eines massiven US-Zinssenkungszyklus beflügelt den Goldpreis, gehen Investoren doch davon aus, dass die Fed in den kommenden zwölf Monaten die Leitzinsen um insgesamt 100 Basispunkte (1,0 Prozentpunkte) senken wird. Zudem erwarten viele Anleger, dass die Fed mit einer Reduktion von 25 Basispunkten bei der Sitzung am 31. Juli starten dürfte.

Nach einer Serie schwacher US-Konjunkturdaten wäre ich allerdings keineswegs überrascht, wenn die Fed sogar mit einer Senkung um 50 Basispunkte beginnen würde. Powell könnte dann erklären, dieser große Schritt wäre quasi eine „Absicherung“ gegen eine mögliche Rezession.

Für mich wäre das allerdings der sichere Hinweis, dass die Rezession scheinbar unausweichlich ist.

Volumen weltweiter Anleihen mit Strafzinsen steigt auf Rekordhochs

Noch viel schlimmer als in den USA ist die Lage bei den Zinsen in der Euro-Zone, so liegen die Einlagenzinsen für die Banken am Rekordtief von minus 0,4 Prozent. Die Banken bekommen für das bei der EZB geparkte Geld also keine Zinsen, sondern müssen Strafzinsen zahlen.

Viele Investoren sind der Überzeugung, dass die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde nach ihrem Amtsantritt im November die Politik des scheidenden EZB-Chefs Mario Draghi nahtlos fortsetzen wird.

Lagarde dürfte die Zinsen noch viel tiefer in den Strafzinsbereich drücken, während die EZB unter ihrer Führung ein neues, massives QE-Gelddruckprogramm in Billionenhöhe auflegen dürfte.

Damit würden die Schuldner in den Genuss noch viel niedrigerer Zinsen, oder gar Strafzinsen kommen, während die Sparer den Preis für diese irrwitzige Politik bezahlen müssen und immer weiter enteignet werden. Mit Lagarde an der EZB-Spitze gibt es keine Hoffnung auf Besserung, vielmehr wird es noch viel schlimmer als unter Draghi.

In dem Umfeld ist das Volumen weltweiter Anleihen mit Strafzinsen auf das Rekordhoch von umgerechnet 13,4 Billionen Dollar geklettert, rund ein Viertel davon sind Unternehmensanleihen – Tendenz: stark steigend.

In diesem Szenario wird Gold allerdings von Tag zu Tag attraktiver, weil man damit Strafzinsen umgehen kann. 

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Fed-Chef Powell treibt Gold ins Sechs-Jahres-Hochs?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von Dein Name | 12.07.2019, 13:24 Antworten

    steigt der DOW steigt auch der goldpreis! danke donald!

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