| GOLD | 4.165,56 $/oz | 3.705,85 €/oz | 119,15 €/g | 119.146 €/kg |
| SILBER | 56,98 $/oz | 50,70 €/oz | 1,63 €/g | 1.630,04 €/kg |
Die US-Notenbank hat geliefert – und zugleich nachgelegt. Am 16. September 2026 erhöhte das FOMC (Federal Open Marker Commitee = Offenmarkt-Ausschuss) den Leitzinskorridor einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Zuvor hatte bereits die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen angehoben.

Begründung: Die Inflation bleibt zu hoch, während sich die amerikanische Wirtschaft weiterhin robust entwickelt. Mit dem Zinsschritt will die Fed die Rückkehr zu ihrem Zwei-Prozent-Inflations-Ziel beschleunigen.
Zusätzlichen Druck auf Gold und Silber erzeugte der neue Zinsausblick. In den sogenannten Dot Plots halten 16 von 18 Teilnehmern bis Ende 2026 ein höheres Zinsniveau als nach dem jüngsten Beschluss für angemessen.
Zwölf Projektionen entsprechen einer weiteren Anhebung um 25 Basispunkte, vier sogar zwei zusätzlichen Schritten bis Jahresultimo. Der Median für Ende 2027 liegt bei rund 4,1 Prozent. Eine schnelle geldpolitische Entspannung zeichnet sich in diesem Ausblick somit noch nicht ab.
Für den Goldpreis und den Silberpreis bedeutet das grundsätzlich Gegenwind. Beide Edelmetalle werfen keine laufenden Zinsen ab. Steigen die erzielbaren Erträge verzinslicher Anlagen, erhöht sich der entgangene Zinsertrag beim Halten von Gold und Silber (die sogenannten Opportunitätskosten).
Allerdings sind die Dot Plots kein verbindlicher Fahrplan. Sie zeigen individuelle Einschätzungen der Fed-Teilnehmer, einschließlich der aktuell nicht stimmberechtigten regionalen Notenbankpräsidenten. Verändern sich Inflation, Arbeitsmarkt oder Konjunktur, kann sich auch der erwartete Zinspfad verschieben.
Eine erwartete Zinserhöhung kann im Kurs stecken. Zusätzliche Verschärfungen müssen dagegen erst verarbeitet werden.
Bereits am Folgetag veränderte sich das Marktumfeld: Ein schwächerer US-Dollar, sinkende Ölpreise und nachgebende Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen. Gleichzeitig erholten sich Gold und Silber kräftig. Für Silber liegt aktuell in Euro pro Feinunze (31n1g) mit 4,6 Prozent im Plus:

Offenbar spielen noch andere Aspekte, die sich durch die Leitzinserhöhung in den USA nicht geändert haben eine größere Rolle:
Besonders interessant ist dabei der Ölpreis. Meldungen über eine Umleitung saudischer Ölexporte über Oman und die Aussicht auf eine baldige Wiederinbetriebnahme der beschädigten Ost-West-Pipeline linderten die Sorge vor länger anhaltenden Lieferausfällen (zumindest aktuell). Brent verbilligte sich zeitweise um rund drei Prozent. Die angekündigte Reparatur ist allerdings noch kein Nachweis einer dauerhaft gesicherten Versorgung.
Daraus ergibt sich eine plausible Erklärung: Nachlassender Energiepreisdruck könnte den Bedarf an zusätzlichen Zinserhöhungen begrenzen. In diesem Umfeld kann günstigeres Öl auch Gold unterstützen. Ob die Entlastung anhält und tatsächlich die Entscheidungen der Fed verändert, bleibt offen.
Hinzu kommt der Dollar: Eine schwächere US-Währung verbilligt in Dollar gehandelte Edelmetalle für Käufer aus anderen Währungsräumen. Auch müssen die Anleiherenditen ihren vorherigen Anstieg keineswegs vollständig rückgängig machen, damit Gold wieder steigen kann. Bereits eine leichte Entspannung kann zusammen mit anderen Faktoren eine Erholung begünstigen.
Dabei sollte man Nominalzinsen und Realzinsen auseinanderhalten. Für Gold ist auch entscheidend, welcher Ertrag nach Abzug der erwarteten Inflation verbleibt. Aus der Leitzinserhöhung allein lässt sich deshalb keine zwingende Richtung für den Goldpreis ableiten.
Als zusätzlicher Verstärker kommen Rückkäufe zuvor verkaufter Positionen am Terminmarkt infrage. Wer auf fallende Kurse bei Gold und Silber gesetzt hat, muss beim Schließen dieser Positionen kaufen. Das könnte die kräftige Bewegung beim Silberpreis mit erklären.
Die schnelle Erholung ist ein bemerkenswertes Zeichen der Widerstandskraft. Sie zeigt, dass selbst ein verschärfter Zinsausblick Gold und Silber nicht zwangsläufig dauerhaft unter Druck setzt. Dollar, Energiepreise, Inflationserwartungen und die Positionierung der Anleger wirken gleichzeitig auf die Kurse.
Eine dauerhafte Abkopplung von der Geldpolitik lässt sich aus einem Handelstag allerdings noch nicht ableiten.
Die Fed kann den Preis des Geldes erhöhen. Ob Gold und Silber deshalb billiger werden, entscheidet weiterhin der Markt.
Zinsen und Goldpreisentwicklung in Verbindung zu bringen, sind aus meiner praktischen Erfahrung nichtssagend. Einzig entscheidend ist die Relation zwischen Schulden und Goldpreis. Wenn die Schulden steigen, erhöhen sich zwangsläufig alle Preise weil man versucht Altschulden wegzuinflationieten. Erfahrungsgemäß ist die reale Inflation bei 8%/a und damit ist das unangelegte Geld nach 10 Jahren nur noch die Hälfte wert.