Stand: 16.06.2020 von Hannes Zipfel
Kaum geht es am US-Aktienmarkt knapp 10 Prozent abwärts, zeigt die Fed sofort ihre Muskeln, bzw. neue geldpolitische Tools zur Intervention am Wertpapiermarkt.
Die Fed erweitert ihr QE-Programm und zeigt, wer der Boss ist

Was zu viel ist, ist zu viel

Eigentlich war der Aktienmarkt an der Wall Street mitten im Korrekturmodus, als am Montagabend die Ankündigung der US-Notenbank Fed aus Washington den Markt aus dem Stand nach oben ins Plus drehte und beim Aktienindex Dow Jones zu einem Anstieg von über 500 Punkten führte, was gut zwei Prozent des Indexwertes entspricht.

Der breiter aufgestellte S&P 500 konnte in der Spitze immerhin 1,7 Prozent zulegen und schloss nur knapp unter seinen Tageshöchstständen ebenfalls im Plus. Zuvor verlor der US-Aktienindex S&P 500 von Montag letzter Woche an in der Spitze 8 Prozent.

Offensichtlich schon zu viel für die Damen und Herren Notenbanker der Fed: die nächste Maßnahme wurde fällig.

Auf dem in den USA sehr populären Börsensender CNBC (Consumer News and Business Channel) äußerte sich die Senior Anlagestrategin des Investmenthauses WallachBeth Capital, CNBC Ilya Feygin, folgendermaßen zu der überraschenden Ankündigung der amerikanischen Notenbanker aus Washington zur Erweiterung ihres Wertpapierkaufprogramms:

„Die Fed wird immer versuchen, zu zeigen, wer der Boss ist“. Die Fed habe noch viel mehr effektive Instrumente, um die Märkte zu stützen.

Doch was hat die Fed konkret getan, was die Märkte zumindest kurzfristig so in Verzückung versetzt hat?

US-Notenbank kauft nun auch direkt Unternehmensanleihen

Die Fed hatte am Montagabend deutscher Zeit die Ausweitung ihres Wertpapierkaufprogramms SMCCF (Secondary Market Corporate Credit Facility) angekündigt. Demnach sollen mit Geldern aus der digitalen Notenpresse Anleihen von Unternehmen nicht mehr nur ausschließlich über sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) sondern direkt am Sekundärmarkt erworben werden.

Als Begründung für diesen Schritt nennt die US-Notenbank die Absicht, gezielt größeren Unternehmen helfen zu wollen, ihre Solvenz und damit auch deren Arbeitsplätze zu sichern.

Die Federal Reserve Bank von New York hat zu diesem Zweck ein „Special Purpose Vehicle“ (SPV) eingerichtet, um Unternehmensanleihen auf dem Sekundärmarkt und via ETFs zu kaufen. Das Finanzministerium wird sich mit 75 Mrd. US-Dollar an der von der Fed eingerichteten Zweckgesellschaft beteiligen.

Die SMCCF, die weit über die bisherige konventionelle Geldpolitik der Fed hinausgeht, wurde mit Zustimmung des Finanzministers Steven Mnuchin eingerichtet, der erst am vergangenen Donnerstag im Zuge des starken Abverkaufs an den US-Börsen weitere Maßnahmen forderte, in dem er gegenüber CNBC betonte

„More stimulus is needed“.

Die zeitlich und volumenmäßig von Seiten der Fed beliebig erweiterbare SMCCF ergänzt das Mitte Mai ins Leben gerufene

„Main Street Lending Program“,

das kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu Krediten direkt über die Notenbank Fed gewährt, da die privaten Geschäftsbanken nicht in ausreichendem Maße gewillt oder in der Lage sind, in Schwierigkeiten geratenen US-Unternehmen mit Krediten zu helfen.

Pikant ist, dass der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock ohne jede vorherige Ausschreibung das Mandat für die Verwaltung dieser Zweckgesellschaft (SPV) erhielt. Entschieden hatte dies die im Federal Reserve System der USA sehr einflussreiche und für alle Offenmarktgeschäfte zuständige Fed of New York bereits am 24. März 2020

(Quelle: Federal Reserve Bank of New York).

Als Begründung schreibt die Fed of New York auf ihrer Home-Page:

„BlackRock wurde für diese Rolle ausgewählt, nachdem es seine Expertise beim Kauf großer Mengen aller relevanten Arten von Unternehmensanleihen auf dem Sekundärmarkt, tiefes Wissen und umfangreiche Erfahrung auf den Unternehmensschuldenmärkten sowie robuste operative und technologische Fähigkeiten bewiesen hat."

Als Depotbank für die gekauften Wertpapiere dient die State Street Bank & Trust Company in New York.

Kauft die Fed als Nächstes auch Aktien?

Wie groß ist der Schritt von der gezielten zur Verfügung Stellung von Fremdkapital durch die digitale Notenpresse für einzelne, von der Notenbank ausgewählte Unternehmen, bis hin zum Angebot von Eigenkapital durch Aktienkäufe oder zumindest der Stützung der Marktkapitalisierung von Unternehmen durch den Erwerb von Unternehmensanteilen am Sekundärmarkt, um die Eigenkapitalbeschaffung von „Corporate America“ zu erleichtern?

Und was hat das noch mit freiem Finanzmarktkapitalismus zu tun? Laut Fed handelt es sich bei der gestern angekündigten Erweiterung des Kreditprogramms für Unternehmen um eine notwendige Maßnahme, um den weit über dem Kapitalangebot liegenden Refinanzierungsbedarf der Unternehmen gezielt und nicht nur via Gießkannenprinzip über Indexfonds (ETFs) sicherzustellen.

Wird daraus nun eine Daueralimentierung von großen Unternehmen zur Kreditbeschaffung am Kapitalmarkt via Notenpresse?

Immerhin erzeugt die Fed eine wesentliche künstliche Nachfrage und erzeugt damit auch künstlich höhere Preise für Unternehmensanleihen. Die Wertpapiermärkte werden dadurch immer abhängiger von den Markteingriffen und der Liquidität der Fed zur Aufrechterhaltung der von der Realwirtschaft längst abgekoppelten Kursniveaus.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ab welchem Kursverlust bei den großen US-Aktienindizes die Fed ihr Mandat zum Ankauf von Wertpapieren ein weiteres Mal, dann auch auf Aktien ausdehnt? Der Präsident der Boston Fed und stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss der US-Notenbank, Eric S. Rosengren, hat dies bereits am 19. März angedeutet und in Bezug auf das Mandat der Fed bei einem Interview auf CNBC gefordert

„Everything schould be on the Table“.

Pionier beim Ankauf von Aktien mit Geld aus der digitalen Notenpresse wäre die US-Notenbank übrigens nicht: Die Schweizerische Nationalbank sowie die Bank of Japan kaufen bereits im großen Stil Aktien auf.

Käme es auch im Falle der mächtigsten Notenbank der Welt zu solch einem Aktienkaufprogramm, würde die Wall Street zu einer Art Kasino mit Gewinngarantie mutieren.

(Quellen: Fed of New York, Federal Reserve System, CMC Markets, Tradingview.com, CNBC)

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von All in | 16.06.2020, 14:26 Antworten

Stellen Sie sich vor Sie gehen in ein Casino und spielen Poker: Nach ein paar erfolgreichen Runden setzt sich die Bank neben Sie an den Spieltisch und sagt: ".....!".

2 Antworten an All in anzeigen
von Phoenix | 16.06.2020, 20:37 Antworten

Die Zentralbanken zeigen nur panische Angst, da der Schattenkommunismus der Eliten kurz vor dem Zusammenbruch ist. Ist die Deutungshoheit einmal weg (also CNBC&Co.), dann sind auch sie weg. Und dieses mal nicht im sinne von davon!

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