Stand: 30.11.2018 von Egmond Haidt 0 Kommentare

In den vergangenen 20 Jahren hat die US-Notenbank immer eingegriffen, wenn es zu Kursrückschlägen am Aktienmarkt gekommen war. Das war der sogenannte Fed-„Put.“ Hingegen hatte Fed-Chef Jay Powell bislang signalisiert, dass er trotz möglicher Turbulenzen die Zinsen weiter erhöhen werde. Hat er in seiner jüngsten Rede allerdings eine Kehrtwende angedeutet?

Um 2,3 Prozent ist der S&P500 am vergangenen Mittwoch nach oben, das war der stärkste Kursanstieg seit März. Gleichzeitig gab es einen kleinen Kurssprung beim Goldpreis. Auslöser war die jüngste Rede von Fed-Chef Jay Powell.

Nachdem die anhaltenden Zinserhöhungen der US-Notenbank den S&P500 in den vergangenen Wochen in die Nähe des Sieben-Monats-Tiefs gedrückt hatten, reagierten Investoren umso erleichterter auf Powells Rede, wittern die Anleger doch eine mögliche Kehrtwende in der US-Geldpolitik. Ist die Hoffnung der Investoren allerdings berechtigt?

Fed stellt drei Zinserhöhungen für 2019 in Aussicht

Viele Medien hatten berichtet, Powell habe gesagt, die Leitzinsen lägen „knapp unter“ dem neutralen Zinssatz, was für Euphorie bei Investoren gesorgt hat. Damit schien Powell von seiner Rede vom 3. Oktober zurückzurudern als er gesagt hatte, die Zinsen lägen noch „weit entfernt“ vom neutralen Satz. Er ist jener Zinssatz, der die Wirtschaft weder ankurbelt noch bremst. Das Problem ist, dass niemand weiß wie hoch dieser Zinssatz tatsächlich ist.

Eines dürfte allerdings klar sein: wegen der Rekordverschuldung der Privatwirtschaft, also private Haushalte und Unternehmen, dürfte das Niveau viel niedriger sein als jemals zuvor.

Zwar ist es für viele Investoren ausgemachte Sache, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 19. Dezember die Leitzinsen erneut anheben dürfte. Nach der jüngsten Rede von Powell gehen Anleger allerdings davon aus, dass es im kommenden Jahr nur zu einer einzigen Zinserhöhung kommen wird.

Die Fed stellt bislang allerdings drei Erhöhungen in Aussicht. Sollte die Fed tatsächlich nur eine Erhöhung im nächsten Jahr durchführen, gäbe es bei den Zinsen am Anleihenmarkt, gerade bei den für die Börse so wichtigen zehnjährigen Papieren, deutlich weniger Aufwärtsdruck als bei drei Erhöhungen.

Das würde viel weniger Gegenwind für den Aktienmarkt bedeuten, weshalb der S&P500 einnen starken Kursanstieg verzeichnet hatte. Die Aussicht für weniger stark steigende Zinsen hat zudem für einen Kurshüpfer beim Goldpreis gesorgt.  

Es kommt auf die Feinheiten an

Allerdings haben die Medien Powells Worte nicht genau wiedergegeben. Er hatte gesagt, die Zinsen lägen

„knapp unter einer breiten Spanne von Schätzungen“

über das neutrale Niveau. Diese Feinheit ist ein wichtiger Unterschied. Denn laut den eigenen Prognosen der Fed liegt die Spanne zwischen 2,5 und 3,5 Prozent, der Schnitt damit bei 3,0 Prozent.

Da die Leitzinsen aktuell bei 2,0 bis 2,25 Prozent, also bei 2,125 Prozent im Schnitt liegen, könnte die Fed im nächsten Jahr die Zinsen sehr wohl drei Mal erhöhen. Damit würde sich trotz Powells jüngster Rede am Umfeld am Anleihenmarkt praktisch kaum etwas ändern.

Meiner Meinung nach hat der Aktienmarkt daher völlig überreagiert auf Powells Aussagen, zumal er auch betont hat, dass die Zinsen im historischen Vergleich niedrig seien und die Fed mit anhaltend solidem Wirtschaftswachstum rechne, während die Arbeitslosenquote niedrig sei und die Inflationsrate nahe am Zwei-Prozent-Ziel der Fed liege. Meiner Meinung nach ist daher kein Powell-„Put“ geboren worden.

Investoren hören nur das was sie hören wollen

Das hört sich für mich überhaupt nicht nach einer kräftigen Kehrtwende der Politik an, sondern vielmehr danach, dass die Investoren vor allem das hören, was sie hören wollen. Immerhin waren sie schon vor Powells Rede davon ausgegangen, dass es im nächsten Jahr zu kaum mehr als einer Zinserhöhung kommen dürfte.

Offensichtlich haben eine Serie schwacher US-Konjunkturdaten, gerade vom Häuser- und vom Automarkt, dem vorherigen Kursrutsch des S&P500 und etliche schwache Prognosen selbst von ehemaligen Highflyern, wie Amazon, bei Investoren große Zweifel geschürt, ob die Fed ihre 2019er-Ankündigung wie geplant in die Tat umsetzen kann.

Um es noch einmal klar zu sagen: meiner Meinung nach hat der S&P500 völlig überreagiert auf Powells Rede. Nichts desto trotz könnte die Hoffnung der Investoren in den nächsten Wochen auch etwas den Goldpreis stützen.

Das werde ich genau beobachten. Die nächsten wichtigen Kursimpulse für den Aktienmarkt und den Goldpreis dürfte allerdings das G20-Treffen an diesem Wochenende in Buenos Aires liefern.

Fed - Ist der Powell-„Put“ geboren worden?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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