Stand: 11.04.2017 von Egmond Haidt 3 Kommentare

Trotz des Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank ist der Goldpreis auf dem Weg nach oben. Etliche Investoren befürchten, dass die Fed mit der weiteren Verschärfung der Geldpolitik die Notierung des Edelmetalls deutlich belasten könnte. Tatsächlich dürfte aber genau das Gegenteil der Fall sein.

Kräftige Ausschläge beim Goldpreis: Nach dem US-Angriff in Syrien war der Goldpreis am Freitag bis auf 1.270 Dollar je Unze nach oben geschossen. Stunden später wurde er von den schwachen US-Arbeitsmarktdaten gestützt. So waren im März lediglich 98.000 Jobs geschaffen worden, statt der von den Volkswirten vorhergesagten 180.000. Das war der niedrigste Wert seit Mai 2016. Zudem sind die Daten für Januar und Februar nach unten korrigiert worden, womit insgesamt 38.000 Jobs weniger geschaffen worden waren, als ursprünglich gemeldet.

Goldpreis nach Dudley-Rede unter Druck

Dennoch kam die Goldpreisentwicklung am Freitag um kurz vor 13 Uhr New Yorker Zeit (19 Uhr deutscher Zeit) deutlich unter Druck. William Dudley, der Chef der Notenbank von New York, hatte gesagt, dass die Fed nur eine "kurze Pause" machen werde, wenn sie gegen Ende des Jahres mit dem Abbau ihrer Bilanzsumme beginnen werde. Sie liegt bei knapp 4,5 Billionen Dollar, davon 2,4 Billionen US-Staatsanleihen und 1,8 Billionen Hypothekenanleihen. Künftig werde die Fed nicht mehr sämtliche alten, auslaufenden Anleihen in neue umtauschen.

Auf die Nachricht hin, die eine etwas stärkere Verschärfung der Geldpolitik signalisiert, als Investoren bislang erwartet hatten, waren die US-Zinsen und der Dollar gestiegen, woraufhin der Goldpreis einen Großteil der vorherigen Gewinne abgegeben hatte und nur leicht über dem Schlusskurs vom Donnerstag geschlossen hat.

Trotz der Zinserhöhungsserie der Fed sinken die US-Zinsen

Umso spannender ist die Frage, ob die Fed für einen nachhaltigen Zinsanstieg sorgen könnte, was für einen steigenden Dollar sprechen würde. Das würde wiederum den Goldpreis belasten. Immerhin liegen die Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen trotz der Zinserhöhungsserie der Fed mit knapp 2,4 Prozent deutlich unter den 2,57 Prozent vom 14. Dezember 2016, als die Fed die zweite Zinserhöhung in diesem Zyklus durchgeführt hatte.

Gleichzeitig notiert der Dollar viel niedriger als damals, weil US-Präsident Donald Trump klar gemacht hat, dass er einen schwächeren Dollar anstrebt und Trump alles in seiner Macht stehende tun wird, um den Dollar nach unten zu drücken. Was würde denn passieren, wenn die Fed tatsächlich neben den für dieses Jahr signalisierten drei Zinserhöhungen beginnen würde, die Bilanzsumme allmählich zu verringern? Dadurch würden die Liquiditätsspritzen der Fed kleiner als bislang, wodurch sich der Zinsanstieg beschleunigen würde. Das könnte kurzfristig negativ sein für den Goldpreis.

Deutlicher Zinsanstieg birgt hohe Risiken

Allerdings würde die Verschärfung der Geldpolitik die Wirtschaft enorm belasten. Denn die Banken würden steigende Zinsen schnell an ihre Kunden weitergeben. So dürften die Hypothekenzinsen deutlich klettern. Das wären schlechte Nachrichten für viele Hauskäufer, wäre es für sie noch unerschwinglicher als bisher ohnehin schon, sich ein neues Haus zu kaufen. Dabei liegt der Anteil der Amerikaner, die im eigenen Haus wohnen, mit zuletzt 63,7 Prozent ohnehin in der Nähe des Rekordtiefs.

In vielen amerikanischen Großstädten gibt es inzwischen mehr Mieter als Hauseigentümer – eine bedenkliche Entwicklung. Die jüngsten Aussagen von Dudley, er sei "nicht so sehr besorgt, dass die Märkte auf die Veränderung der Bilanzsumme heftig reagieren würden, weil es bereits eingepreist sei", machen daher keinerlei Sinn. Sollten die Hypothekenzinsen in den nächsten Monaten deutlich steigen, würde das den Immobilienmarkt und damit eine elementar wichtige Säule der US-Wirtschaft enorm belasten.

Sinkende Zinsen senden Warnsignale

Bei einer weiteren Abkühlung der Konjunktur dürften die Zinsen für US-Anleihen, gerade für zehnjährige, daher trotz einer möglichen Zinserhöhungsserie der Fed weiter sinken. Das würde Investoren unmissverständlich signalisieren, dass sich die Wirtschaft weiter abkühlt, was dafür spricht, dass die Fed irgendwann eine Kehrtwende einlegen und wieder mehr Gas geben müsste.

Je länger die Fed mit einem derartigen Schritt warten würde, umso stärker müsste sie später reagieren, um eine weitere kräftige Abkühlung der Wirtschaft zu verhindern. Eine so hoch verschuldete Wirtschaft wie die US-Wirtschaft kann kräftig steigende Zinsen schlichtweg nicht verkraften, weshalb viele Investoren darauf setzen, dass die Fed rechtzeitig zur Besinnung kommt und statt weiter zu bremsen eher wieder Gas geben wird.

Die langfristigen Perspektiven für den Goldpreis verbessern sich weiterhin. Entgegen ihren Ankündigungen könnte es der Fed sehr schwer fallen, mit dem Abbau ihrer Bilanzsumme am Jahresende zu beginnen, weil sich die Wirtschaft infolge der laufenden Zinserhöhungsserie bis dahin weiter stark abkühlen dürfte. Sollten zudem Trumps "phänomenale" Steuersenkungen weiter auf sich warten lassen, würden sich die Perspektiven für die Wirtschaft zusätzlich eintrüben.

In dem Umfeld dürften die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen weiter sinken und damit den Dollar nach unten ziehen, womit der Goldpreis weiter Rückenwind bekommen sollte. Bei anhaltend schwachen US-Konjunkturdaten dürfte der Goldpreis daher schon bald die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie bei rund 1.261 Dollar je Unze nach oben durchbrechen. Anschließend dürfte sich der Aufwärtstrend des Goldpreises beschleunigen.

Fed kann Anstieg von Goldpreis nicht verhindern
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [3]
  • von Goldsegen | 11.04.2017, 20:55 Antworten

    Die Zinsen für Anleihen haben kaum was mit dem Grundzins zu tun! Eher sind sie umgekehrt proportional - die regelt nämlich der Markt, ein hoher Grundzins bedeutet Leute halten das Geld auf der Bank und nicht in Anleihen.

  • von Goldmann | 11.04.2017, 19:55 Antworten

    Es ist schade,daß Otto Normalbürger sich das gelbe Metall in Zukunft nicht mehr leisten kann.

    • von Goldsegen | 11.04.2017, 21:13 Antworten

      Deshalb bei Preissturz nachkaufen soviel es geht! Wenn man sich die Kredite mit Fixzins anschaut, kommt man schon in Versuchung - soll ja dumm sein, aber was ist Heute noch Richtig?

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