Stand: 22.03.2019 von Egmond Haidt 2 Kommentare

Der Chef der US-Notenbank Jay Powell und viele Experten betonen regelmäßig, dass die US-Wirtschaft stark sei. Das passt allerdings gar nicht zur dramatischen Kehrtwende der Fed. Umso mehr profitiert der Goldpreis davon.

Nach einem kurzen Kursrücksetzer ist der Goldpreis wieder auf dem Weg nach oben und liegt nur noch um wenige Prozent unter dem Fünf-Jahres-Hoch von 1.366 Dollar je Unze. Für den jüngsten Kurshüpfer nach oben hat die Fed-Sitzung vom 20. März gesorgt.

Dabei hat die US-Notenbank FED eingeräumt, dass sich das Wirtschaftswachstum abgeschwächt hat. Daher will die Fed die Zinsen in diesem Jahr nicht mehr anheben. Zudem wird die US-Notenbank ab Mai die Verkäufe von Staatsanleihen von 30 Mrd. Dollar auf 15 Mrd. Dollar pro Monat drosseln und den Abbau der Bilanzsumme im September völlig einstellen. Das entspricht einer Lockerung der Geldpolitik.

Zudem sollen ab Oktober alte, auslaufende Hypothekenanleihen im Wert von 20 Mrd. Dollar in US-Staatsanleihen reinvestiert werden. Der Sinn der Übung: die Zinsen für Staatsanleihen nach unten zu drücken und so die Konjunktur zu stützen.

Gerade dieser Schritt signalisiert unmissverständlich wie schwach die US-Wirtschaft ist, weshalb sie einmal mehr durch billiges Geld angekurbelt werden soll, damit die ohnehin hochverschuldeten privaten Haushalte und Unternehmen noch mehr Schulden machen können als bislang.

US-Anleihenmarkt sendet starke Warnsignale

Wie passt denn die in zwei Monaten beginnende Lockerung der Geldpolitik zu der Behauptung von Powell und vielen Experten, dass die US-Wirtschaft „stark“ sei?

Sie passt überhaupt nicht. Vielmehr dürfte die US-Wirtschaft auf dem Weg in eine Rezession sein, worauf eine Reihe von Konjunkturdaten, wie die Einzelhandelsumsätze, oder die Verkäufe neuer Häuser, klar hindeuten.

So sind nach der Fed-Sitzung die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen eingebrochen und lagen zuletzt mit 2,51 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang Januar 2018. Das zeigt, wie dramatisch sich die langfristigen Perspektiven für die US-Wirtschaft eingetrübt haben.

Gleichzeitig ist der Zinsaufschlag für zehnjährige US-Anleihen gegenüber zweijährigen auf nur mehr 12 Basispunkte (0,12 Prozentpunkte) kollabiert und liegt damit in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit August 2007. Damit schätzt der Anleihenmarkt die Perspektiven für die US-Wirtschaft als so schlecht ein, wie seit mehr als elf Jahren nicht mehr - ein besorgniserregendes Signal. Indem man von den Zinsen für zehnjährige Anleihen jene für zweijährige abzieht, entfernt man die Inflationskomponente und es bleibt nur noch die Wachstumskomponente übrig.

Kein Wunder, dass die Fed schnell zurückrudert und die Geldpolitik zügig lockert. Dennoch ist die Gefahr groß, dass die Kehrtwende der Fed einmal mehr zu spät kommt, und die US-Wirtschaft in eine Rezession abrutscht, was die Weltwirtschaft enorm belasten würde.

US-Zinsen und Dollar knicken ein

Nach der Fed-Sitzung hat sich nicht nur die Talfahrt bei den Zinsen beschleunigt, auch der Dollar Index hat deutlich nach unten gedreht und nähert sich den Sechs-Monats-Tiefs, was dem Goldpreis Rückenwind gibt.

Der Index bildet die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem gegenüber dem Euro, ab. Gerade von der Entwicklung des Dollar dürfte es abhängen, wie sich der Goldpreis in den nächsten Monaten entwickelt.

Eine große Rolle spielt dabei auch der US-Aktienmarkt. In den vergangenen Monaten haben Investoren kräftig Aktien aus dem S&P500 gekauft in der Erwartung, dass die Fed eine Rezession verhindern kann.

Sollten sich allerdings die Konjunktursorgen der Investoren verstärken, könnte der US-Aktienmarkt nach unten drehen. Dann wird sich zeigen, in welche sicheren Häfen die Investoren in dem Umfeld flüchten werden - in US-Staatsanleihen, dem japanischen Yen und den Schweizer Franken, oder möglicherweise in Gold.

Entgegen der Behauptung der Fed und vieler anderer Experten ist die US-Wirtschaft alles andere als stark, sondern wegen der Rekordschulden von Staat, privaten Haushalten und Unternehmen krisenanfälliger als jemals zuvor. Um einen Zusammenbruch des Kartenhauses zu verhindern, muss die Fed rapide zurückrudern und wahrscheinlich schon sehr bald die Zinsen senken und eine neue Gelddruckrunde, diesmal QE4 starten.

Fed macht Gold „great again“
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [2]
  • von ilse Ullmann | 23.03.2019, 12:17 Antworten

    Der Goldpreis geht ab wie Schmidts Katze

  • von bernd müller | 22.03.2019, 17:07 Antworten

    Falsch, komplett falsch, die EZB macht gold wieder STARK

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