Stand: 13.12.2019 von Egmond Haidt 3 Kommentare

Die führenden Notenbanken, allen voran die Fed, haben in den vergangenen zehn Jahren massiv Geld gedruckt, und so die Wirtschaft am Laufen gehalten. Aus dieser Politik gibt es allerdings keinen Ausweg als noch viel mehr Schulden und Gelddrucken. Diese Aussicht stützt den Goldpreis. 

Nach dem Kursrutsch in die Nähe des Vier-Monats-Tiefs hat der Goldpreis zuletzt einen kleinen Kurshüpfer nach oben gemacht. Grund war die Fed-Sitzung vom Mittwoch. Zwar hat die Fed die Zinsen unverändert gelassen und signalisiert, dass das auch mindestens bis Ende des nächsten Jahres so bleiben solle. 

Allerdings hat Fed-Chef Jay Powell gesagt, dass die Notenbank auch andere kurzlaufende US-Staatsanleihen kaufen werde, falls das notwendig sein solle, um die Lage am Repo-Markt unter Kontrolle zu halten. Bislang kauft die Fed für 60 Mrd. Dollar monatlich Papiere mit einer Laufzeit von maximal einem Jahr. 

Bei einem Repo-Geschäft (Repurchase Agreement) verkaufen die Banken Anleihen, vor allem Staatsanleihen, in diesem Fall an die Fed, mit der gleichzeitigen Vereinbarung, die Papiere zu einem späteren Termin zu einem festgesetzten Preis zurückzukaufen. Aus ökonomischer Sicht handelt es sich praktisch um einen Kredit, der mit Wertpapieren gesichert wird. 

Auf Powells Ankündigung hin sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen kurz eingeknickt, ehe sie wieder nach oben gedreht sind. Zudem ist der Dollar Index auf Fünf-Monats-Tiefs gesunken. Der Index spiegelt die Kursentwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem gegenüber dem Euro, wider. Im Gegenzug hat sich der Goldpreis erholt. 

Notenpresse der Fed macht Schuldensause möglich

Warum will die Fed für anhaltend niedrige Zinsen sorgen, wenn es der US-Wirtschaft doch angeblich so blendend geht, wie Powell und US-Präsident Donald Trump bei jeder Gelegenheit behaupten? Um die gigantische Schuldensause in den USA am Laufen zu halten, ohne dass die Zinsen nach oben schießen. 

Zur Erinnerung: die Regierung in Washington hat in den vergangenen zwölf Monaten horrende 1,23 Billionen Dollar neue Staatsschulden gemacht, wodurch der Berg auf den Rekord von 23,1 Billionen Dollar gestiegen ist. Gleichzeitig machen private Haushalte, Unternehmen und Banken insgesamt rund 1,6 Billionen Dollar neue Schulden pro Jahr – ein verheerender Wert. 

Damit machen die Amerikaner 2,6 Dollar Schulden, um ein Wirtschaftswachstum von 1 Dollar zu erzielen – ein miserables Verhältnis. Das „vergessen“ Trump und Powell allerdings immer zu erwähnen.

Zuletzt ist der Schuldenberg der Amerikaner, also von Staat, privaten Haushalten, Unternehmen und Banken, auf insgesamt 71,2 Billionen Dollar gestiegen – das sind horrende 331 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. 

Die Zahlen machen deutlich, weshalb die Fed nur durch niedrige Zinsen und massivem Gelddrucken die Schuldensause am Laufen halten kann. Jeder noch so kleine Zinsanstieg brächte das Kartenhaus zwangsläufig zum Einsturz, woraufhin die Fed noch viel mehr Geld drucken müsste, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Durch das massive Gelddrucken wird allerdings der Dollar entwertet, was mittel- und langfristig den Goldpreis stützen sollte. 

EZB enteignet die Sparer mit Strafzinsen immer mehr

Das Problem ist, dass sind EZB in den vergangenen Jahren noch viel kräftiger Geld gedruckt hat als die Fed, wodurch die Bilanzsumme der EZB zuletzt auf astronomische 4,7 Billionen Euro gestiegen ist. Das sind herbe 40,7 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Euro-Zone. Hingegen liegt der Wert für die Fed bei „nur“ 18,9 Prozent. 

Dennoch druckt die EZB weiterhin 20 Mrd. Euro pro Monat, um den Schuldenanstieg bei hochverschuldeten Staaten, wie Frankreich, Italien und Spanien am Laufen zu halten. Daher sind die Schulden der 19 Euro-Länder zwischen dem Ende des zweiten Quartals 2018 und dem des zweiten Quartals 2019 um 180 Mrd. Euro auf den Rekord von 10,1 Billionen Euro gestiegen. 

Angetrieben von den Strafzinsen der EZB sind gleichzeitig die Schulden der privaten Haushalte zuletzt auf den Rekord von 6,8 Billionen geklettert, während die Unternehmen mit 12,4 Billionen einen neuen „Spitzenwert“ erreicht haben und die Banken mit 14,4 Billionen in der Kreide stehen. Summa summarum sind die Schulden der Euro-Zone damit auf horrende 43,7 Billionen Euro geklettert – das sind 373,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. 

Der Wert ist damit noch viel schlechter als der für die USA.

Die Zahlen machen klar, warum die EZB die Strafzinsen immer weiter in den Keller drücken und künftig noch viel mehr Geld drucken dürfte als ohnehin schon.

Damit enteignet die EZB unter ihrer neuen Chefin Christine Lagarde die Sparer immer weiter, damit trotz des gigantischen Schuldenbergs die Schuldensause weitergehen und so die Wirtschaft am Laufen gehalten werden kann – welcher Irrwitz!

Je mehr Strafzinsen es allerdings mittel- und langfristig gibt – in der nächsten Krise dürfte auch die Fed Strafzinsen einführen – umso mehr sollte das den Goldpreis beflügeln.

Denn mit physischem Gold können Besitzer Strafzinsen umgehen. 

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Fed pumpt mit Mini-Zinsen Schuldenblase auf
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [3]
  • von Ungläubiger | 14.12.2019, 20:27 Antworten

    Solang der Michel und sein Kollege Jonny Sixpack USA an ihre Papierschnipsel glauben, haben die Notenbanken Zeit. Vermutlich läuft die Uhr aber schneller als sie das wollen.
    Weiterhin bleibt offen wie der Chinese weitermacht, könnte mir vorstellen, dass der Deal nach hinten losgeht.

  • von GlobalPatriot | 14.12.2019, 11:17 Antworten

    Mit der repo Finanzierung kauft die FED einfach Staatsanleihen, ohne es so zu sagen. Finger weg, schnell. So oder so, ist das am Ende immer das Spiel der verlogenen Sozialisten, also jetzt im sinne von Demokraten. Ohne Zweifel wird jemand versuchen das wieder ins Recht zu schissen. Das ist das Spiel das Leben heißt.

  • von Commander Crash | 13.12.2019, 15:57 Antworten

    Das kann ja eigentlich nur dazu führen, dass Eltern, die ihren Kindern ein Studium finanzieren wollen, letztlich doch auf Bafög machen. So züchten Staaten langsam Kanonenfutter.

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