Stand: 19.12.2013  0 Kommentare

Am Mittwoch, dem 18. Dezember 2013 hat die US-amerikanische Federal Reserve eine Reduzierung ihrer Ankäufe von Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren angekündigt. Das monatliche Gesamtvolumen der Käufe sinkt im Januar 2014 um 10 Milliarden Dollar auf 75 Milliarden Dollar. Die Federal Funds Rate (der Leitzins) bleibt bis auf weiteres auf dem historisch niedrigen Niveau von 0 % bis 0,25 %. Analysten werten die Entscheidung als einen Ausdruck des Vertrauens der Fed in die Stärke der amerikanischen Wirtschaft.

Gründe für "Tapering"

Laut der Pressemitteilung der Fed haben gesunkene Arbeitslosenzahlen und ein positiver Ausblick auf die künftige Arbeitsmarktentwicklung die Notenbank veranlasst, mit der Reduzierung des Ankaufprogramms zu beginnen. Darüber hinaus stellt die Fed fest, dass negative Auswirkungen der Fiskalpolitik auf das Wirtschaftswachstum zwar noch vorhanden seien, sich aber verringern. Auch geben die US-amerikanischen Haushalte inzwischen wieder mehr Geld aus und die Investitionsvolumen der Unternehmen steigen, so die Fed.

Die meisten Marktbeobachter hatten mit einer Ankündigung des "Tapering" nach der Fed-Sitzung im Januar oder März gerechnet. Das als "QE 3" bekannte Programm (dritte Runde der geldpolitischen Lockerungen seit 2008) war im September 2012 aufgelegt worden, um frisches Geld in die US-Ökonomie zu pumpen und dadurch die Wirtschaft anzukurbeln und um den schwächelnden Immobilienmarkt zu stützen. Die Bilanz der Federal Reserve hat sich durch die drei Ankaufprogramme auf inzwischen etwa 4 Billionen US-Dollar aufgebläht.

In einer Pressekonferenz teilte Fed-Chef Ben Bernanke mit, die Reduzierung des Ankaufvolumens werde sich 2014 "in gemessenem Tempo" fortsetzen. Bis zum Ende nächsten Jahres solle das Programm dann vollständig auslaufen. Bernanke betonte, dass der Zeitplan nicht starr festgelegt sei. Die Fed werde die weitere wirtschaftliche Entwicklung kontinuierlich prüfen und entsprechend reagieren. Auf die Frage eines Journalisten, ob dies bei schlechter Wirtschaftslage auch eine nochmalige Erhöhung des Ankaufvolumens bedeuten könne, sagte Bernanke: "Unter bestimmten umstanden: Ja."

Niedriger Leitzins bis mindesten 2015

Den Leitzins werden die Notenbanker mindestens so lange auf dem historisch niedrigen Niveau von 0 % bis 0,25 % belassen, bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 % fällt. Bernanke rechnet damit, dass diese Schwelle Ende nächsten Jahres erreicht sein dürfte. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote bei 7 %. Der scheidende Fed-Chef machte jedoch deutlich, dass eine Zinserhöhung keineswegs automatisch eintreten werde. Vielmehr werde die Fed beim Erreichen der 6,5 % damit beginnen, weitere Indikatoren in ihrer Einschätzung der Situation am Arbeitsmarkt zu berücksichtigen.

Als Beispiel nennt Bernanke die Lohnentwicklung und die Partizipationsrate am Arbeitsmarkt. Die Partizipationsrate berücksichtigt - anders als die offizielle Arbeitslosenquote - auch diejenigen Menschen, die nur deshalb nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, weil sie die Jobsuche mangels Erfolgsaussicht eingestellt haben. Nur wenn diese erweiterten Kriterien eine Zinserhöhung rechtfertigen, werde ein erster Zinsschritt erfolgen.

Inflation

Das langfristige Ziel der Fed ist eine Inflationsrate von 2 %. In den zwölf Monaten bis zum Oktober 2013 lag die Inflation lediglich bei 0,7 %. Die Fed ist jedoch zuversichtlich, dass sich die Teuerungsrate mittelfristig auf die gesetzte Zielmarke zubewegen wird. Sollte diese Entwicklung nicht wie erwartet eintreten, wäre dies für die Notenbanker ein weiterer Grund, eine Erhöhung des Leitzinses auch bei weniger als 6,5 % Arbeitslosen nicht vorzunehmen.

Marktreaktionen

Die US-amerikanischen Aktienmärkte reagierten auf die Nachricht des "Tapering" mit einer kleinen Rallye. Der Dow Jones Index, der S&P 500 sowie die Aktien an der NASDAQ schlossen den Handelstag mit einem Plus von mehr als 1 % ab.

Die Zinsen für 10-jährige US-Staatsanleihen legten ebenfalls deutlich zu und befinden sich mit 2,88 % wieder in der Nähe des Jahreshochs von 2,97 %. Anleihezinsen niedrig zu halten, ist bisher eine der Hauptaufgabe der lockeren Geldpolitik in den USA gewesen. Mit dem Auslaufen der Anleihekäufe dürften nach Einschätzung der meisten Analysten weitere Zinssteigerungen einhergehen.

Gold und Silber drehten nach der Bekanntgabe des Sitzungsergebnisses ins Minus und schlossen den Handelstag mit einem Verlust von etwa 1 % ab. Beide Edelmetalle befinden sich derzeit knapp über ihren Jahrestiefstständen vom Juni.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"