Stand: 20.09.2019 von Egmond Haidt 8 Kommentare

Die US-Notenbank hat zum zweiten Mal in Folge die Zinsen gesenkt, dennoch ist der Goldpreis eingeknickt. Anschließend hat Fed-Chef Jay Powell in Aussicht gestellt, dass die Zinsen auf absehbare Sicht auf dem aktuellen Niveau bleiben würden. 

Anleger sollten allerdings nicht vergessen, dass die Notenbank mit ihren Vorhersagen in den vergangenen Jahren oftmals kräftig danebengelegen war.

Mit Kursen von rund 1.500 Dollar je Unze (Stand 20.09.2019) liegt der Goldpreis in der Nähe des Sechs-Wochen-Tiefs, damit notiert er allerdings um lediglich vier Prozent unter dem Sechs-Jahres-Hoch. Für Gegenwind hat zuletzt die Fed-Sitzung vom Mittwochabend gesorgt. Dabei hatte die Fed die Leitzinsen um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf eine Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent gesenkt. 

Zur Verwunderung vieler Investoren hat die US-Notenbank allerdings angekündigt, dass sie für das laufende Jahr keine weitere Zinssenkung mehr erwartet. Daraufhin sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen etwas gestiegen, was eine Aufhellung der Perspektiven für die US-Wirtschaft signalisiert.

Das hat den Goldpreis belastet, ehe er sich etwas erholt hat. 

Schwächstes Wachstum der Weltwirtschaft seit der 2008er-Schuldenkrise

Powell hat die Zinssenkung damit begründet, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft abschwäche und der Handelskrieg zwischen den USA und China für Unsicherheit sorge, was die US-Wirtschaft belaste.

Wie sehr sich die Perspektiven eingetrübt haben, zeigt, dass die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für 2019 von 3,2 auf 2,9 Prozent gesenkt hat – das wäre das schwächste Wachstum seit der 2008/09er-Schuldenkrise in den USA - und für 2020 von 3,4 auf 3,0 Prozent. 

Eine schwache Weltwirtschaft belastet zweifellos auch die US-Wirtschaft erheblich. Vor dem Hintergrund macht die Zinsprognose der Fed meiner Meinung nach absolut keinen Sinn. Investoren haben sie zwar gestern einmal mehr als bare Münze genommen, offenbar haben die Anleger aber vergessen, wie oft die Fed in den vergangenen Jahren völlig danebengelegen war.

So hatte die Fed beispielsweise bei der Sitzung am 19. Juni 2019 signalisiert, dass für das laufende Jahr keine Zinssenkungen geplant seien. Nun drei Monate später hat die Fed die Zinsen um insgesamt 50 Basispunkte reduziert – so schnell ist die US-Notenbank einmal mehr von der Realität eingeholt worden.

Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass die US-Wirtschaft auf dem Weg in eine Rezession sein dürfte, worauf die Fed in den nächsten Monaten mit einem aggressiven Zinssenkungszyklus reagieren sollte.  Damit würden die Zinsen rund um den Globus auf noch niedrigere Niveaus sinken, was den Goldpreis beflügeln sollte.

Zuletzt lag das Volumen an weltweiten Anleihen mit Strafzinsen bei umgerechnet horrenden 14,5 Billionen Dollar – welcher Irrwitz! 

Powell deutet Rückkehr zum QE-Gelddrucken an

Vor dem Hintergrund gehe ich davon aus, dass die Fed viel schneller zum QE-Gelddrucken, sprich dem Kauf von Anleihen, zurückkehren dürfte, als viele Investoren derzeit erwarten. Genau das hat Powell auf der jüngsten Pressekonferenz signalisiert.

„Es ist sicherlich möglich, dass wir das organische Wachstum der Bilanzsumme (der Fed) früher wieder aufnehmen könnten als wir gedacht haben“, sagte Powell. 

Was ist das denn sonst als die Vorbereitung der Investoren auf die Rückkehr zum QE-Gelddrucken? Dabei würde die Fed erneut Staatsanleihen kaufen, wodurch die Bilanzsumme der Fed wieder in Richtung des Rekordhochs von 4,5 Billionen Dollar steigen dürfte.

Powell spielt Liquiditätsknappheit der Banken herunter

Was ist neben den hohen Rezessionsrisiken hierfür der Hintergrund? Die Liquiditätsknappheit der Banken, was dazu geführt hat, dass die Zinsen am Repo-Markt (siehe unten) in den vergangenen Tagen zwischenzeitlich nach oben gestiegen waren.

Die Liquiditätsknappheit ist auf mehrere Gründe zurückzuführen: einerseits hatte die Fed seit 2018 Staats- und Hypothekenanleihen verkauft und so Liquidität von den Banken abgesogen. 

Gleichzeitig haben Länder, wie China und Russland, kräftig US-Staatsanleihen verkauft, die von US-Instituten aufgekauft worden sind. Zudem führt das hohe Schuldenwachstum der US-Wirtschaft zu einem hohen Kapitalbedarf. 

Wegen dieser Liquiditätsknappheit hat die Fed in den vergangenen Tagen zum ersten Mal seit zehn Jahren mehrere Repo-Operationen im großen Stil durchgeführt und den beteiligten Banken innerhalb von drei Tagen insgesamt 203,15 Mrd. Dollar an Liquidität zukommen lassen – eine enorme Summe, die unmissverständlich zeigt, wie groß der Liquiditätsbedarf ist!

Das hat Powell auf der Pressekonferenz allerdings heruntergespielt und Investoren beschwichtigt – völlig zu Unrecht. Das sind alles andere als „Peanuts“, da brennt vielmehr die Hütte. 

Bei einem Repo-Geschäft (Repurchase Agreement) verkaufen die Banken Anleihen, vor allem Staatsanleihen, in diesem Fall an die Fed, mit der gleichzeitigen Vereinbarung, die Papiere zu einem späteren Termin zu einem festgesetzten Preis zurückzukaufen. 

Aus ökonomischer Sicht handelt es sich praktisch um einen Kredit, der mit Wertpapieren gesichert wird. 

Powell hat auf der Pressekonferenz einmal mehr versucht die Fassade aufrecht zu halten, dass zwei mickrige Zinssenkungen um insgesamt 50 Basispunkte ausreichen würden, um den Wirtschaftsaufschwung in den USA aufrecht halten zu können.

Das können sie meiner Meinung nach aber absolut nicht. Vielmehr gehe ich davon aus, dass die US-Konjunkturdaten in den nächsten Monaten nach unten rauschen sollten, woraufhin die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen einbrechen sollten. 

Dann dürfte der Druck auf die Fed deutlich zunehmen, ihren Zinssenkungskurs fortzusetzen, oder sogar noch zu beschleunigen - dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis entwickelt. 

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Fed-Signal für stabile Zinsen verwundert
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird.
Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Mir ist bekannt, dass beleidigende, diffamierende Kommentare oder Werbung für Dritte nicht erwünscht sind.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [8]
  • von JOE | 22.09.2019, 00:16 Antworten

    ALSO UNTER TRUMP STEIGT UND STEIGT DER DOW JONES UND SOLANG DAS SO WEITER GEHT GEHT AUCH DER GOLDPREIS HOCH

  • von Markus | 21.09.2019, 14:45 Antworten

    Wieder mal ein hervorragender Kommentar von Ihnen! Es erklärt die Perversion in unserem Geldsystem. Es nimmt immer groteskere Züge an ! Schulden, Schulden, Schulden! Ich bin wirklich gespannt, wann dies ein Ende hat.

  • von der deutsche Michel | 20.09.2019, 20:42 Antworten

    Es sieht allgemein sehr übel aus ! Bitte anschnallen und genügend GOLD und Silber kaufen,sonst überlebst man die nächste Krise nicht . Und danke Herr Haidt, lese ihre ehrlichen und sehr kompetenten Kommentare sehr gerne .

    • von ich | 23.09.2019, 00:21 Antworten

      Wenn dem so ist wie Sie schreiben, dann gibt es nach der Krise 98% weniger Menschen auf der Welt! Abgesichert ist so gut wie keiner, dazu ist keine Zeit. Man hat dem Einwegfotoapperat und den Plastikbecher den Krieg erklärt und kämpft jetzt gegen das Wetter. Diese Thematik ist schlicht genug für den 0815 Bürger um zu fordern und zu demonstrieren, denn sind wir mal ehrlich, vor 3-4 Jahren war alles noch VIEL nachhaltiger und sauberer. Das Finanzsystem wird in dieser Welt nie die Masse verstehen, bzw. wird die Masse noch nicht mal wissen das es dort etwas zu verstehen gibt. Das was das Volk über Geld weiß ist, man kann es verdienen und man kann es ausgeben, und außerdem war der Sommer sehr heiß.

      • von C++ | 23.09.2019, 19:18 Antworten

        Ich finde der folgende Satz sagt alles, was das Volk wissen sollte: "Ein Wirtschaftssystem, das auf Wachstum und Profit ausgelegt ist, kann nicht nachhaltig sein!" Und zum Ende hin wird es immer schlimmer.
        Freidai vor Futscha ist eigentlich die Forderung nach Abschaffung des Kapitalismus. Solange die Schülerchen und Eltern das aber nicht verstanden haben, lächeln und winken die Politiker fleißig, schütteln ahnungslose Hände und kraulen den feinen Bürger am Bauch mit "Zugeständnisse".

Copyright © 2009-2019 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"