Stand: 21.06.2019 von Egmond Haidt 7 Kommentare

Obwohl Fed-Chef Jay Powell regelmäßig behauptet wie stark die US-Wirtschaft sei, hat er nun eine baldige Zinssenkung in Aussicht gestellt, womit ein Zinssenkungszyklus beginnen dürfte. Powells rasante Kehrtwende hat den Aufwärtstrend bei Gold beschleunigt und zuletzt auch den Silberpreis mit nach oben gezogen. Umso wichtiger für die Edelmetalle sind die weiteren Maßnahmen der Fed.

In die Nähe des Sechs-Jahres-Hochs ist der Goldpreis gesprungen. Dafür hat zuletzt der Abschuss einer US-Drohne durch den Iran gesorgt.

Damit nehmen die Spannungen zwischen den beiden Ländern weiter zu, womit ein Angriff der USA auf den Iran immer wahrscheinlicher wird. Daher war der sichere Hafen Gold plötzlich noch mehr gefragt als zuletzt ohnehin schon.

Für kräftigen Rückenwind hatte zuvor die Sitzung der US-Notenbank gesorgt. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse und der Pressekonferenz mit Fed-Chef Jay Powell ist es für viele Investoren ausgemachte Sache, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 31. Juli die Zinsen senken und damit einen Zinssenkungszyklus starten dürfte. Nach der Fed-Sitzung waren daher die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen und der Dollar eingebrochen, woraufhin der Goldpreis nach oben geschossen ist.

Goldpreis über 1400 USD

US-Zinsen senden Rezessionssignal

Obwohl der S&P500 vor der Fed-Sitzung in der Nähe des Rekordhochs notierte und damit scheinbar rosige Perspektiven für die US-Unternehmen signalisiert hatte, hat Powell dennoch eine Zinssenkung signalisiert. Wahnsinn, oder? Als Gründe führte er an, dass sich Unternehmen wegen des Handelskriegs zwischen den USA und China mit Investitionen zurückhalten würden, was die Wirtschaft belaste. Gleichzeitig sei die Inflation niedrig, weshalb die Fed "angemessen reagieren werde, um den Aufschwung aufrecht zu halten".

Dabei hat Powell immer betont wie gut die US-Wirtschaft laufe. Was ist denn daraus geworden? Wenn sie so florieren würde, wie Powell und US-Präsident Donald Trump immer betonen, dann bräuchte man garantiert keine Zinssenkungen, oder? Immerhin liegen die Leitzinsen bei mickrigen 2,25 bis 2,5 Prozent. Allerdings dürfte die US-Wirtschaft rapide auf dem Weg in eine Rezession sein, wie ich in den vergangenen Monaten wiederholt geschrieben habe. Darauf deutet der Kollaps der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen unmissverständlich hin.

Gleichzeitig liegen die Zinsen für zehnjährige Anleihen seit fast einem Monat unter jenen für dreimonatige Papiere, die Zinsstrukturkurve ist also invers. Sie ist ein hervorragender Konjunkturindikator, wie die Notenbank von New York selbst wiederholt betont hat. In den vergangenen 50 Jahren war diese Zinsstrukturkurve sechs Mal invers – jedes Mal folgte daraufhin eine Rezession.

Die Kurve dürfte diesmal also erneut einen heraufziehenden Wirtschaftsabschwung signalisieren.

Wie stark senkt die Fed die Zinsen?

Während viele Investoren von einer Zinssenkung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) im Juli ausgehen, erwarte ich eine um 50 Basispunkte. Bei den vergangenen beiden schweren Krisen hat die Fed in den Jahren 2001 und 2007 den Zinssenkungszyklus ebenfalls mit einer Reduktion um jeweils 50 Basispunkte eingeläutet. Sollte die Fed das auch diesmal tun, wäre das für mich eine Bestätigung, dass die nächste Rezession hinter der nächsten Ecke wartet.

Umso wichtiger werden die US-Konjunkturdaten in den nächsten Wochen. Sollten sie weiterhin schwächer als erwartet ausfallen, dürfte die Talfahrt bei den Zinsen für zehnjährige US-Anleihen in Richtung der Rekordtiefs vom Juli 2016 bei knapp unter 1,4 Prozent weitergehen, was dem Goldpreis weiterhin Rückenwind geben sollte – zumal die sinkenden Zinsen den Dollar mit nach unten ziehen dürften, womit das Edelmetall von einer zweiten Seite Rückenwind bekommen würde.

Silberpreis erholt sich auf Drei-Monats-Hochs

Der kräftige Anstieg des Goldpreises hat zuletzt auch den Silberpreis mit nach oben gezogen, er hat sich auf Drei-Monats-Hochs erholt. Viele Investoren sehen dabei darüber hinweg, dass Silber auch ein Industriemetall ist, stammt doch rund die Hälfte der weltweiten physischen Nachfrage nach dem Metall aus Industrieanwendungen, wie Solar, Elektro und Batterien.

Wegen der Rally beim Goldpreis haben Investoren allerdings auch beim "kleinen Bruder von Gold", sprich bei Silber, zugegriffen – zumal Silber im Vergleich zu Gold sehr günstig ist. So liegt das Gold-Silber-Ratio mit 90,9 auf dem höchsten Niveau seit Anfang 1993. Bei der Kennzahl wird der Preis von Gold durch den von Silber dividiert. Umso spannender wird es sein zu beobachten, ob die Notierung von Silber in den nächsten Monaten möglicherweise gegenüber der von Gold zur Aufholjagd blasen könnte.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Fed-Sitzung treibt Goldpreis auf 1.400 Dollar
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [7]
  • von Goldhamster | 25.06.2019, 13:09 Antworten

    Neulich gab es noch jammernde Au-Basher, die glaubten ihr Gold viel zu teuer gekauft zu haben. Verkauft nun und weint nicht wieder!

  • von Ilse Eckstein | 24.06.2019, 12:19 Antworten

    Wer jetzt verkauft hat Gold im Munde

  • von Orangeutan | 21.06.2019, 19:26 Antworten

    Trump spielt nur Poker und merkt nicht, das er (USA) der 'Patsy' ist. Iran ist nicht Irak oder Afghanistan, die haben sogar Waffen. Wenn jetzt ein Bolton auf eigene Faust was blödes macht, das kann man nicht ausschließen. Aber das hat nichts mit dem Markt oder Gold zu tun, nur Ablenkung, wie auch China, Flüchtlinge,...

  • von Mr. Silver | 21.06.2019, 17:23 Antworten

    Bei 1430 Dollar ist der nächste Widerstand. Danach ist der Weg bis zur 1525 Dollar frei. Doch kippt der Markt zurück und fällt durch die 1370 nach unten durch, dann ist das Strohfeuer beendet. Gold bewegte sich jahrelang seitwärts, obwohl die Zinsen lange Zeit auf der ganzen Welt bei den Leitwährungen unter 1 % waren. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Achten Sie auf den COT Report. Endet der Geldfluss im Gold, dann endet auch der Anstieg.

    • von manni | 23.06.2019, 14:14 Antworten

      ok, welcher wert ist der wichtigste bei cot. und was sagt das aus?

      • von Mr.Silver | 25.06.2019, 09:15 Antworten

        Die Kontraktzahl die im Umlauf ist zeigt uns an ob Geld hineinfließt oder abfließt. Danach kommt der Short Überhang bei den Commercials. Ab 40 % vom Gesamtbestand ist eine Trendwende meistens nicht mehr weit. Man sucht sich den Kontraktbestand der letzten 10 Jahre heraus und sieht das die Range zwischen 370.000 bis ca 680.000 war. Da wir jetzt erst bei ca 580.000 Kontrakte sind, zeigt uns dies, das es in den letzten Jahren noch etwas mehr Interesse am Gold gab. Es gibt immer Spekulanten, die hinter dem fahrenden Zug noch aufspringen. Dies treibt die Preise noch einige Dollar. Doch den passenden Absprung bekommen Sie nicht hin. Wenn die 1430 gebrochen wird, ist die 1500 bis 1525 das nächste Ziel. Doch ich denke dort wird die Fahrt dann zu ende sein.

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