Stand: 18.10.2019 von Egmond Haidt 6 Kommentare

Viele Fed-Mitglieder hatten in den vergangenen Jahren wiederholt behauptet, die US-Notenbank könne jederzeit die extrem lockere Geldpolitik zurückdrehen. Stattdessen hat die Fed nun ein neues, aggressives Gelddruckprogramm aufgelegt. Das wird den Kaufkraftverlust des Dollar weiter anheizen. 

Die weltweiten Börsen sind in Partylaune. Für Rückenwind bei DAX und S&P500 hat vor allem die teilweise Einigung der USA und China im Handelskrieg gesorgt. In dem Umfeld waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen nach oben geschossen, womit der Goldpreis von zwei Seiten Gegenwind hatte. 

Wer braucht schon bei einem S&P500 in der Nähe des Rekordhochs und kräftig steigenden US-Zinsen Gold, dürften sich etliche Investoren gefragt haben. 

Allerdings hat der Goldpreis die Belastungen bemerkenswert gut weggesteckt und liegt nur knapp unter 1.500 Dollar je Unze. Viele Experten haben den Deal lediglich als „Mini-Deal“ bezeichnet, der viele Fragen ungelöst lasse. Daher würden sich die weltweiten Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurückhalten, weshalb es nicht zu einer Belebung der Weltwirtschaft kommen werde.

US-Wirtschaft zeigt zusehends Bremsspuren

Wie schlecht die Lage der Weltwirtschaft ist, hat zuletzt einmal mehr der Internationale Währungsfonds (IWF) aufgezeigt. Er hat die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für 2019 einmal mehr gesenkt, diesmal auf 3,0 Prozent, – das ist der niedrigste Wert seit der 2008er-Schuldenkrise in den USA – und vor einer weltweit „synchronen Wirtschaftsabschwächung“ gewarnt. 

Entgegen der Behauptung von US-Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jay Powell ist die Schwäche der Weltwirtschaft längst auf die US-Wirtschaft übergeschwappt. Das spiegeln die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen, die mit 1,75 Prozent um lediglich 30 Basispunkte (0,3 Prozentpunkte) über dem Rekordtief vom Juli 2016 liegen, unmissverständlich wider.

Zudem waren im September die US-Einzelhandelsumsätze um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. Die allzeit optimistischen Volkswirte hatten hingegen einen ebenso starken Anstieg vorhergesagt. Woher der Optimismus der Experten kommt, bleibt allerdings deren Geheiminis.

Ich gehe vielmehr weiterhin davon aus, dass die Wirtschaft zügig in eine Rezession abgleiten dürfte. 

Fed beginnt mit massivem Gelddruckprogramm

Obwohl es der US-Wirtschaft angeblich gut geht und sich die USA und China auf einen teilweisen Deal geeinigt haben, hat die Fed am vergangenen Freitag, 11. Oktober ein massives Gelddruckprogramm angekündigt und die ersten Käufe von US-Staatsanleihen im Volumen von 7,5 Mrd. Dollar bereits am 16. Oktober gestartet. 

Insgesamt kauft die Fed für 60 Mrd. Dollar pro Monat T-Bills, also Anleihen mit einer Laufzeit von maximal einem Jahr. Das Programm soll mindestens bis zum zweiten Quartal 2020 laufen. Zudem gehen Investoren davon aus, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 30. Oktober die Leitzinsen erneut um 25 Basispunkte senken wird – das wäre die dritte Reduktion innerhalb von lediglich drei Monaten.

Vor dem Hintergrund sollte eigentlich auch dem letzten Investor klar sein, dass es der US-Wirtschaft alles andere als gut geht, sonst müsste die Fed nicht rapide die Zinsen senken und 60 Mrd. Dollar pro Monat drucken, oder? 

Umso mehr kommt es auf die EZB in den nächsten Monaten an. Wenn sie das im November startende QE-Gelddruckprogramm von 20 Mrd. Euro pro Monat nicht zügig aufstockt, könnte der Dollar gegenüber dem Euro deutlich nach unten drehen, also der Euro gegenüber dem Dollar aufwerten, was die exportabhängigen Unternehmen der Euro-Zone belasten würde.

Noch notiert der Dollar Index, der die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem dem Euro, widerspiegelt, in der Nähe des höchsten Niveaus seit Mai 2017. Ein sinkender Dollar dürfte dem Goldpreis Rückenwind geben. 

Dollar hat dramatisch an Wert verloren

Zudem dürfte die bevorstehende Dollar-Schwemme zu einem weiteren deutlichen Wertverlust des Dollar führen. Laut den offiziellen US-Daten ist die Kaufkraft des Dollar seit dem „Nixon-Schock“ um 84 Prozent kollabiert.

Der damalige US-Präsident Richard Nixon hatte am 15. August 1971 völlig überraschend angekündigt, den Umtausch von Dollar gegen Gold „zeitlich befristet“ aufzuheben. Daraus sind fast 50 Jahren geworden, in denen die Schulden der Amerikaner auf immer neue Rekordhochs explodiert sind.

Im gleichen Zeitraum ist der Goldpreis von rund 43 Dollar auf knapp 1.500 Dollar gestiegen und hat damit den Wertverlust des Dollar um ein Vielfaches wettgemacht.

Investoren warten gespannt auf die nächste Fed-Sitzung und behalten in der Zwischenzeit die Entwicklung des S&P500, der US-Zinsen und des Dollar genau im Auge. Von ihnen wird abhängen, wie lange die Konsolidierung des Goldpreises anhält.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Fed startet massives Gelddruckprogramm
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [6]
  • von Moses | 21.10.2019, 12:22 Antworten

    denn infactory Klopapier: Toilettenpapier mit aufgedruckten 500-Euro-Noten, 2-lagig, 200 Blatt

  • von keinmarkenname | 19.10.2019, 14:51 Antworten

    Der Artikel macht klar, dass es so langsam ans Eingemachte geht. Das System des globalen Kapitalismus wird, früher oder später, in eine massive Krise geraten.
    Es ist zu viel ungedecktes Geld im Umlauf. Daher heißt es trotz des hohen Wertzuwachses beim Gold weiter daran festzuhalten, denn es handelt sich mehr um eine Versicherung als eine spekulative Anlage.

  • von Eberhard zumpfwinckel | 18.10.2019, 17:30 Antworten

    Jetzt geht es dem Ende zu , wer jetzt nicht sicher investiert hat alles verloren.

    • von Uwe | 18.10.2019, 19:33 Antworten

      Was ist recht bald der einzige Unterschied zwischen Euroscheinen und Klopapier ?
      Klopapier gibt es auf der Rolle und Euroklopapier ist schon geschnitten.

      • von Moses | 18.10.2019, 21:21 Antworten

        Uwe schreib nicht so viel Unsinn

  • von Richard | 18.10.2019, 20:00 Antworten

    Aber, aber Sie dürfen doch nicht 'Gelddrücken' sagen, dieses mal ist es anders (NOT-QE). Man sollte noch die REPO Finanzierungen im dunkeln erwähnen, die sind auch nicht ohne.
    Die EZB soll was aufstocken, das ist ein Scherz oder? Mario, Luigi und Co. sollen das unter sich ausmachen, also wer schneller kommt. Und bald noch mit der neuen-alten Schreckschraube, das will man doch nicht wissen, oder?
    Das ist ein Wettrennen wer mehr verschenken kann, wer am ende die Rechnung trägt wissen wir auch schon. Also, was soll die Sch*iße noch? Ist das ein Diätplan für die 99?
    Hierbei würde selbst Nixon erblassen und der Westen war schon damals Bankrott.

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