Stand: 26.07.2019 von Egmond Haidt 21 Kommentare

Die Aussicht auf den Start eines kräftigen US-Zinssenkungszyklus hat den Goldpreis auf Sechs-Jahres-Hochs getrieben. Zudem drohen in der Euro-Zone immer tiefere Strafzinsen und die Neuauflage eines massiven QE-Gelddruckprogramms der EZB.

Umso wichtiger ist es, sich mit physischem Gold gegen den Irrwitz der Notenbanken zu schützen.

Auf Berg- und Talfahrt sind Zinsen, DAX, Euro-Dollar und Gold nach der EZB-Sitzung am Donnerstag gegangen. Zwar hat EZB-Chef Draghi signalisiert, dass die Notenbank bei der nächsten Sitzung am 12. September die Zinsen senken dürfte.

Zudem denkt die EZB über eine Staffelung der Strafzinsen nach, um die Banken nicht noch mehr zu belasten als ohnehin schon. Außerdem untersucht die EZB die Größe und die Zusammensetzung eines neuen QE-Gelddruckprogramms.

Manche Investoren haben allerdings die Details derartiger Maßnahmen vermisst, weshalb die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen nach dem anfänglichen Rückgang nach oben geschossen sind, während sich der Euro gegenüber dem Dollar erholt hat.

Weil in dem Umfeld auch die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen kräftig gestiegen sind, hat der Goldpreis ein wenig nachgegeben. Mit Kursen von rund 1.420 Dollar je Unze liegt er dennoch lediglich zwei Prozent unter dem Sechs-Jahres-Hoch.

Zinsen für italienische Anleihen sind auf dem Weg zum Rekordtief

Der Blick auf die nicht mehr vorhandenen Zinsen in der Euro-Zone und damit die Geldpolitik der EZB führt bei immer mehr Sparern zu Wut und Verzweiflung – zurecht. Während früher die Zinsen der jeweiligen Länder noch viel mit deren Verschuldung zu tun hatten, ist nach dem jahrelangen gigantischen Gelddrucken der EZB und Strafzinsen davon absolut nichts mehr übriggeblieben.

So liegen die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen bei rund 1,6 Prozent und nähern sich damit dem Rekordtief vom August 2016 bei knapp über 1,0 Prozent. Dabei steigen die Staatsschulden Italiens von einem Rekordhoch zum nächsten und lagen zuletzt bei horrenden 2,36 Billionen Euro. Das sind horrende 134 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, das ist der zweitschlechteste Wert in der Euro-Zone hinter Griechenland.

Auf der verzweifelten Suche nach Rendite greifen Investoren dennoch immer kräftiger bei italienischen Anleihen zu, zumal die Anleger wissen, dass die EZB schon bald ein neues QE-Gelddruckprogramm starten dürfte, wodurch die Zinsen für das hochverschuldete Italien auf Rekordtiefs gedrückt werden dürften – welch ein Irrwitz!

Gibt es bald Neuwahlen in Italien?

Dabei dürfte das Haushaltsdefizit in diesem Jahr wegen der schwachen Konjunktur viel höher sein, als jene 2,04 Prozent der Wirtschaftsleistung, die die Regierung in Aussicht gestellt hat. Zudem könnte der stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini jederzeit die Regierung platzen lassen und Neuwahlen ankündigen. Selbst dieses Risiko kann Investoren aber längst nicht mehr schrecken.

Offensichtlich hat die EZB das Schuldenproblem Italiens und vieler anderer hochverschuldeter Länder „gelöst“. Plötzlich spielt es keine Rolle mehr, wieviel Schulden ein Land hat. Stattdessen kann es scheinbar unbegrenzt neue Schulden machen. In welch verrückter Welt leben wir eigentlich?

Zinsen für griechische Anleihen sind niedriger als für US-Papiere

Noch besser ist der Wahnsinn bei den Zinsen für Griechenland zu sehen. Die Zinsen für zehnjährige Papiere sind auf das Rekordtief von 2,0 Prozent eingebrochen, dabei liegen die Schulden mit knapp 360 Mrd. Euro bei horrenden 181,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Unglaublich!

Damit sind die Zinsen für zehnjährige griechische Anleihen noch etwas niedriger als jene für US-Anleihen von 2,1 Prozent, obwohl die US-Schulden bei „nur“ 105 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, während der Dollar die mit weitem Abstand führende Reservewährung ist.

Entweder sind die Griechen viel bessere Schuldner als die Amerikaner, oder die Politik von EZB-Chef Mario Draghi hat aus dem Anleihenmarkt einen reinen Irrwitz gemacht. Je weiter Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde die Strafzinsen aber nach unten drücken, umso attraktiver wird physisches Gold, weil man damit Strafzinsen umgehen kann.

Trump fordert massive Zinssenkungen

Umso schärfer hat US-Präsident Donald Trump Draghis Politik in den vergangenen Monaten kritisiert. Trump möchte, dass Fed-Chef Jay Powell die Zinsen ebenfalls kräftig senkt. Das würde nicht nur den Druck auf die Zinszahlungen Washingtons von rund 550 Mrd. Dollar pro Jahr etwas verringern, sondern auch noch gleichzeitig den Dollar nach unten drücken, was die Wettbewerbsfähigkeit der exportabhängigen US-Unternehmen verbessern würde.

Für viele Investoren ist es ausgemachte Sache, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 31. Juli die Zinsen um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) reduzieren und damit einen Zinssenkungszyklus starten wird.

Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass die Wirtschaft innerhalb weniger Quartale in eine Rezession abrutschen dürfte, woraufhin die Fed dem „Vorbild“ der EZB folgen und ebenfalls Strafzinsen einführen dürfte.

Zudem dürfte die Fed ebenfalls ein kräftiges QE-Gelddruckprogramm auflegen. Damit würde die Fed alle Schuldenprobleme der USA „lösen“, könnte doch Trump in den nächsten Jahren – ich erwarte, dass er die Wahl im November 2020 klar gewinnen wird -, noch viel mehr Schulden machen als ohnehin schon.

Zur Erinnerung: im Jahr 2018 sind die US-Schulden um horrende 1,5 Billionen Dollar nach oben geschossen – das sind herbe 7,3 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Dabei hatte die Wirtschaft in dem Jahr wegen Trumps Steuersenkung gebrummt.

Wie es mit dem Haushaltsdefizit im Falle einer Rezession aussehen wird, will ich mir lieber nicht ausmalen.

Trump ist der „König der Schuldenmacher“

Zuletzt hat sich Trump mit den oppositionellen Demokraten darauf geeinigt, die US-Schuldenobergrenze, die in den vergangenen Jahren wiederholt und für längere Zeit ausgesetzt war, bis Ende Juli 2021, als rund eine halbes Jahr nach der 2020er-Wahl, auszusetzen. Damit kann Trump weiter Schulden machen als gäbe es kein Morgen.

Sollte die von mir erwartete Rezession bald eintreten, dürften die Schulden bis Juli 2021 um mehr als 3 Billionen Dollar auf rund 25 Billionen Dollar nach oben schießen. Dieser Berg dürfte laut der Einschätzung der Fed nur mit Strafzinsen tragbar sein. Wenn das keine tollen Aussichten sind, was dann?

Viele Anleger dürften schon längst wissen, dass wegen der immer gigantischeren Schuldenberge die EZB unter ihrer designierten Chefin Christine Lagarde die Strafzinsen noch viel weiter nach unten drücken dürfte, während die Fed in der nächsten Rezession Strafzinsen einführen dürfte.

Dann wird sich zeigen, wie sich Gold in dem Umfeld entwickelt.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Fed und EZB haben das gigantische Schuldenproblem „gelöst“
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [21]
  • von bling bling | 30.07.2019, 13:07 Antworten

    also mal in zahlen: ich habe 100.000 euro auf dem konto. bei flatex nehmen sie schon minus (-) 0,4 %.
    das sind 400 euro im jahr. ganz schön teure kontoführung bzw. enteignung.
    ich müsste ca. 100 mal zum automaten rennen um mein geld abzuheben. machbar.
    jetzt bleibt die wahl zwischen einem brandschutztresor (400 euro würden direkt viele jahre halten) oder in gold tauschen und nach einem brand als klump ausbuddeln. ich könnte mir sogar vorstellen, dass eine versicherung gegen diebstahl (stahl:) billiger als 400 euro im jahr wäre.

  • von Thorsten | 29.07.2019, 14:31 Antworten

    Draghi und die EZB kaufen mehr Schulden als die Euro-Länder machen. Diesem Wahnsinn will Trump mit niedrigen Zinsen begegnen.

    Der schwächlende Euro zeigt, dass die EU ins Delirium abgleitet. Die ruchlose UvD Leyen stellt noch die Bankenunion also die "totale Haftung" Deutschlands in Aussicht.

    Wer sein Geld nicht ins Fremdwährungen oder Gold rettet, dem ist nicht zu helfen.

  • von Schuldenangstverweigerer | 28.07.2019, 23:02 Antworten

    schlimmer als der Wert-/ Kaukfrafteinbruch von ca. 50 auf aktuell ca. 12 Kaukrafteinheiten (inflationsbereinigt in Dollar) in den ach so tollen Edelmetallen (z.B Silber) kann es beim (wie immer seit Jahrzehnten von der Edelmetall-Lobby beschworenen bald) kommenden Systemzusammenbruch auch nicht werden. (Die Silberbugs haben ihre persönlichen Vermögensuntergang ja schon villeicht fast hinter sich). - Nur wer warnt uns neben den Bösen Schulden (= Vermögen auf der anderen Seite!!) nur vor den Edelmetall-"Untergängen" wie von 2011 ff?!..

  • von Flitzpiepe | 27.07.2019, 21:33 Antworten

    Wie man es macht, macht man's verkehrt. Sollte uns die Klimakatastrophe nicht einholen, werden es die ZB's und die Doofen dieser Welt sein. Bargeldlos bezahlen ist ja so hippy-yeppy. Wir sind jung und modern, bezahlen nur noch mit smartphone und amazon, paypal & Co. So geht Bank"ing" heute! FU Datenschutz, FU Negativzinsen....Paaaty!

    Sind immobilien die Lösung? Bei den Preisen? Der Name ist Begriff: Im-mobil heißt ausgeliefert staatlicher Willkür.

    Ist Gold die Lösung? Vielleicht, wenn die ZB's blind sind und vergessen neben der Abschaffung von Bargeld und damit wirklich wirkmächtigen Negativzinsen, Gold zu verbieten oder den Goldhandel massiv zu kontrollieren.

    Angefangen mit der schrittweisen Abschaffung des Tafelgeschäftes (in Form der kurzfristige Absenkung der Freigrenzen auf 2000 Euronen in 2020). Bis zur Vollständigen Abschaffung des anonymen Geschäftes ist es dann nur noch ein kleiner Sprung.
    Fehlt dann eigentlich nur noch eine Besteuerung der Goldgewinne, die man ja bei vollkommener Käufertransparenz problemlos errechnen kann. Für bereits vorhandenes Gold gilt eine kleine Übergangsfrist, danach wird ohne beglaubigten Nachweis der Kaufpreis von 400 Euro/Oz unterstellt, bei Münzen der Preis zum Zeitpunkt des Prägedatums. Dann kann Olaf und seine Nachfolger endlich dem dummen August-Michel auch hier voll in die Tasche greifen - natürlich nur, weil es sozial gerecht ist.

    Auch wenn hier der Teufel an die Wand gemalt wird, die Gold-Variante ist neben Sachwerten wie Aktien immer noch die beste unter den wirklich miserablen.

  • von Peter L Ustig | 27.07.2019, 18:47 Antworten

    Die nächste "Lügenblase" wird in den nächsten Monaten/1Jahr max. bald wieder platzen, ähnlich 2008!
    Dann glotzen wieder die BörsenAffen auf ihre wertlosen Kontrakte und Scheinchen und werden jammern,weil soviel entwertet wurde und Bankrotte an der Tagesordnung stehen!!!!

    Wohl dem,wer dann sein "Guthaben" beiseite geschafft hat und in "sichere greifbare" Werte angelegt hatte!
    Für ein Ticket zum Auswandern (...wenn man von der Ungleichbehandlung und Staatsführergebaren die Schnauze voll hat und nicht mehr mitspielen will im System der Sklaverei) sollte es jedoch dann reichen, wenn hierzulande zum finanzieren der Größten europaweiten Multikulturellen-Wohlfahrtsparty gezwungen wird!!!

  • von Name | 27.07.2019, 16:24 Antworten

    Nett zusammengefasst. Es ist schon ein ziemliches Spektakel, was sich da vor unseren Augen ereignet, von dem leider viele Menschen gar nichts mitbekommen. Ich bin mal gespannt, ob sich die FED nicht vielleicht doch noch etwas beherrschen kann und die Zinsen erst mal vielleicht doch nicht senkt. Wie Sie schreiben ist die größte Volkswirtschaft momentan bei einem Schuldenstand von 105 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das kann ja theoretisch noch weiter gehen bis man sich in Richtung 200-300 Prozent bewegt, wo wir dann vielleicht in 15 bis 30 Jahren ankommen. Die Währungen kann man dann immer noch weginflationieren und am Ende ergibt sich vielleicht irgendwo eine militärische Intervention, dann sind Schulden und Zinssätze auch weniger wichtig. Hoffentlich kommt es anders!

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