Stand: 11.06.2021 von Egmond Haidt
Nach der EZB-Sitzung warten Investoren gespannt auf die Fed-Sitzung am kommenden Mittwoch. Obwohl viele Experten andauernd von steigenden Zinsen reden, sind jene für zehnjährige US-Anleihen zuletzt auf Drei-Monats-Tiefs eingebrochen. Dennoch dürfte die Fed nun eine Drosselung der QE-Anleihekäufe ins Spiel bringen, das liegt allerdings an etwas ganz anderem als an den rasant steigenden Inflationsraten.
Fed wirft Nebelkerzen

Mit großer Spannung hatten Investoren auf die EZB-Sitzung vom 10. Juni gewartet, am gleichen Tag sind auch die sehr wichtigen US-Inflationsdaten veröffentlicht worden. Nachdem sich die US-Inflationsrate im Mai auf 5,0 beschleunigt hatte, was deutlich über den Schätzungen der Volkswirte von 4,6 Prozent lag, waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen etwas nach oben geschossen, ehe sie schnell wieder nach unten gedreht sind.

Im Gegenzug hatte der Goldpreis zuerst etwas nachgegeben, anschließend ist er aber umso kräftiger nach oben gedreht, schließlich liegen die Zinsen trotz der stark steigenden Inflationsraten in der Nähe des Drei-Monats-Tiefs von 1,5 Prozent.

Die EZB-Sitzung hatte dann ebenfalls einige Überraschungen parat. So hat die Notenbank die Prognose für das Wirtschaftswachstum des Euro-Raums für 2021 von 4,0 Prozent auf 4,6 Prozent angehoben.

Ein derart starkes Anheben dürfte viele Investoren etwas überrascht haben, schließlich gab es zuletzt eine Menge Nachrichten über Knappheiten bei Industriegütern, wie Halbleitern, was den Aufschwung in dem Sektor in den nächsten Monaten deutlich dämpfen dürfte.

Allein die deutliche Belebung im Dienstleistungsbereich dürfte kaum ein so starkes Wirtschaftswachstum verursachen.

Zudem hat die EZB den Ausblick für die Inflationsrate für 2021 von 1,5 Prozent auf 1,9 Prozent nach oben geschraubt. Das dürfte sich im Nachhinein als immer noch deutlich zu niedrig herausstellen, schließlich hat sich der Anstieg der Inflationsrate in den vergangenen Monaten deutlich beschleunigt.

Mit einer niedrigen Inflationsprognose würde die EZB zudem das Signal senden, dass eine mögliche Drosselung der QE-Anleihekäufe – im Mai waren es netto 80,7 Mrd. Euro im Rahmen des Pandemie-Notfallaufkaufprogramms PEPP – kein Thema ist.

Genau das hat EZB-Chefin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz nach der Sitzung bestätigt: Die Anleihekäufe im Rahmen des PEPP würden

„im nächsten (dritten) Quartal deutlich umfangreicher ausfallen als während der ersten Monate dieses Jahres.“

Das ist genau die gleiche Formulierung wie bei vorletzten EZB-Sitzung am 11. März. Von einer möglichen Drosselung der Käufe ist also weiterhin absolut keine Rede.

Hohe US-Inflationsrate ist nur ein Vorwand

Umso gespannter warten Investoren auf die Fed-Sitzung am kommenden Mittwoch, 16. Juni: Ich gehe davon aus, dass die Fed ankündigen wird, ab den nächsten Sitzungen – die übernächste ist am 28. Juli - über eine mögliche Drosselung („Tapering“) der QE-Anleihekäufe zu diskutieren.

Aktuell kauft die Fed für netto insgesamt 120 Mrd. Dollar pro Monat Staats- und Hypothekenanleihen.

In einem Umfeld sinkender Zinsen würde man normalerweise allerdings nicht über ein „Tapern“ der Käufe reden, weil deren Reduktion bedeutet, dass die Fed weniger Liquidität in das Finanzsystem und damit teilweise in die Realwirtschaft pumpen würde, womit sich die Perspektiven für die Wirtschaft weiter eintrüben und die Zinsen noch weiter nach unten rauschen würden.

Daher bin ich der Überzeugung, dass die Fed die hohe Inflationsrate lediglich als Vorwand nutzen wird, um eine Drosselung der Käufe ins Spiel zu bringen. Was dürfte die US-Notenbank mit einem derartigen Gerede aber tatsächlich bezwecken?

Meiner Meinung nach versucht die Fed damit die US-Zinsen nach oben zu treiben und so den Dollar zu stützen.

Im Fahrwasser der sinkenden US-Zinsen ist nämlich der Dollar seit Monaten auf Talfahrt, weshalb der Dollar Index nur noch ein Prozent über dem niedrigsten Niveau seit Dezember 2014 notiert. Der Index bildet die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem dem Euro ab.

Fed will Dollar stabilisieren

Sollte der Dollar nach unten ausbrechen, würde das Zweifel an der angeblich boomenden US-Wirtschaft schüren. Die meiner Meinung nach wichtigste Aufgabe der Fed ist es allerdings, das Vertrauen der Investoren in den US-Anleihenmarkt und den Dollar aufrecht zu halten. Daher will die Fed versuchen, mit ihrem Gerede den Dollar zu stabilisieren.

Ich erwarte allerdings, dass die Investoren dieses Spiel durchschauen werden und die Talfahrt der Zinsen weitergehen dürfte, woraufhin der Dollar nach unten ausbrechen sollte - das wäre ein gutes Umfeld für Gold. Umso entspannter warte ich auf die Fed-Sitzung am kommenden Mittwoch.

Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Commander C | 11.06.2021, 22:43 Antworten

Ich bin seit meinen Käufen zu Corona Beginn auch völlig entspannt, dass Gold zumindest für die Smarten alle anderen Währungen ersetzen wird.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"