Stand: 21.03.2017 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Weil sich Fed-Chefin Janet Yellen am vergangenen Mittwoch weniger „falkenhaft“ als erwartet geäußert hatte, kämpfte sich der Goldpreis wieder über die mittelfristige 100-Tage-Linie und überwand die Marke von 1.200 Dollar recht deutlich. Nun kann erst einmal Entwarnung gegeben werden.

US-Notenbank Fed generiert bei Gold Kauflaune

Nach der mit großer Spannung erwarteten Fed-Sitzung machte der Goldpreis zur Wochenmitte einen ordentlichen Satz nach oben. Wie erwartet, schraubte die US-Notenbank die Leitzinsen um 25 Basispunkte nach oben. Das Abstimmungsergebnis fiel mit neun zu eins eindeutig aus - lediglich Neel Kashkari von der Minneapolis Fed plädierte für ein Beibehalten des bisherigen Zinsniveaus.

Begründet wurde die geldpolitische Maßnahme vor allem mit dem robusten US-Arbeitsmarkt und der anziehenden US-Inflation. Unmittelbar vor Bekanntgabe des Sitzungsergebnisses wurde für Februar eine von 2,5 auf 2,7 Prozent p.a. gestiegene US-Teuerungsrate gemeldet. Außerdem ließ der am 10. März veröffentlichte Februar-Bericht zur Entwicklung des US-Arbeitsmarktes auf eine robuste US-Wirtschaft schließen, schließlich sank die Arbeitslosenrate gegenüber dem Vormonat von 4,8 auf 4,7 Prozent und bei der Zahl neu geschaffener Stellen war ein unerwarteter Zuwachs von 227.000 auf 235.000 gemeldet worden. Wie im Dezember bereits angekündigt, stellten die US-Notenbanker für den Rest des Jahres weiterhin zwei weitere Zinsschritte nach oben in Aussicht.

An den Finanzmärkten hat man offenbar mit einer restriktiveren Tonlage von Yellen & Co. gerechnet. So kam in erster Linie beim Dollar wachsender Verkaufsdruck auf, während US-Staatsanleihen, US-Aktien, Rohstoffe und Edelmetalle sich tendenziell verteuert haben. Mit Blick auf die aktualisierten Fed-Prognosen fiel auf, dass beim BIP-Wachstum (2,1 Prozent), bei der Arbeitslosenrate (4,5 Prozent) und bei der Inflation (1,9 Prozent) die im Dezember gemachten Prognosen für 2017 (siehe Tabelle) nicht revidiert wurden - weder nach oben noch nach unten. Die Reaktion an den Goldmärkten fiel ausgesprochen positiv aus, obwohl der europa-freundliche Wahlausgang in den Niederlande eher einen nachlassenden Bedarf am Krisenschutz Gold hätte erwarten lassen.

Aktuelle Konjunkturprognosen der Fed

BIP-Wachstum 2017 2018 2019
Prognose BIP-Wachstum (März) 2,10% 2,10% 1,90%
Prognose BIP-Wachstum (Dezember) 2,10% 2,00% 1,90%
US-Arbeitslosenrate
2017 2018 2019
Prognose US-Arbeitslosenrate (März) 4,50% 4,50% 4,50%
Prognose US-Arbeitslosenrate (Dezember) 4,50% 4,50% 4,50%
US-Inflation
2017 2018 2019
Prognose US-Inflation (März) 1,90% 2,00% 1,90%
Prognose US-Inflation (Dezember) 1,90% 2,00% 1,90%

Quelle: Federal Reserve Board

Holländer wählen europa-freundlich

Obwohl die Partei (VVD) des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte bei der jüngsten Parlamentswahl einen Verlust von 26,5 auf 21,3 Prozent hinnehmen musste, während Rechtsaußen Geert Wilders (PVV) ein Stimmengewinn von 10,1 auf 13,1 Prozent gelang, haftet ihm dennoch das Attribut des Wahlverlierers an.

Umfragen zufolge war dem islam- und europa-feindlichen Politiker ein erheblich höheres Ergebnis zugetraut worden. Damit wäre die erste Bewährungsprobe der Eurozone zunächst einmal mit „einem blauen Auge“ überstanden. Doch am 23. April steht mit dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen bereits der nächste deutlich wichtigere Härtetest an, schließlich gilt Frankreich - zusammen mit Deutschland - als politisches und wirtschaftliches Rückgrat der Europäischen Union (EU), nachdem sich die Briten mittlerweile für einen EU-Austritt (Brexit) entschieden haben.

Da Wahlprognosen offensichtlich immer häufiger daneben liegen, dürfte die Sorge um die Zukunft Europas in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder als Kaufargument für den Krisenschutz Gold herhalten. Und auch nach der auf den 24. September anberaumten Bundestagswahl dürfte sich die Unsicherheit höchstwahrscheinlich nicht in Wohlgefallen auflösen, schließlich sind die Länder Südeuropas alles andere als solide finanziert. Besonders akute Probleme kann man in Griechenland ausmachen, wo im Sommer Schulden in Milliardenhöhe zurückgezahlt werden müssen. Auch Italien droht mit der ungelösten Bankenkrise und der politisch labilen Lage erhebliches Ungemach. In einer solchen Gemengelage ist nicht damit zu rechnen, dass Gold seine seit Jahrtausenden bewährte Schutzfunktion verlieren wird.

Ausblick für die laufende Woche

In den nächsten Handelstagen ist mit Blick auf den Terminkalender vor allem eines angesagt: Verschnaufen.

Es stehen nämlich weder wichtige politische Wahlen noch die Sitzungen wichtiger Notenbanken auf der Agenda. Für zusätzliche Entspannung sorgt der Blick auf die Goldpreisentwicklung. Hierfür kann man zwei Gründe ausmachen.

Erstens: Die Marke von 1.200 Dollar wurde erfolgreich verteidigt.

Zweitens: Mit dem jüngsten Rebound wurde die 100-Tage-Linie deutlich überwunden, was in der Chartlehre als Signal für Gold kaufen interpretiert wird. Die Angst vor steigenden US-Zinsen scheint zudem erst einmal vom Tisch zu sein.

In der zweiten Wochenhälfte könnte es jedoch wieder etwas spannender werden, da eine Rede von Fed-Chefin Janet Yellen (Donnerstag) angekündigt wurde und der US-Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter (Freitag) zur Bekanntgabe ansteht. Er gilt als wichtiger Frühindikator und könnte sich als Belastungsfaktor erweisen, falls er besser als erwartet ausfallen sollte. Laut einer von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll es im Februar auf Monatssicht ein Plus von 1,5 Prozent gegeben haben.

Fed: Yellen erhöht Leitzinsen, Goldpreis steigt
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Goldmann | 21.03.2017, 22:40 Antworten

    Papierwährung ein Auslaufmodell.Drucken ist out. Das Vertrauen ist dahin.

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