Stand: 14.06.2019 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Entgegen der Behauptung von US-Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jay Powell belastet der Handelskrieg mit China die US-Wirtschaft schwer. Daher dürfte die US-Notenbank die Zinsen schon bald kräftig senken. Wie könnte sich der Goldpreis in dem Umfeld entwickeln?

Mit Kursen von knapp 1.340 Dollar je Unze ist der Goldpreis in die Nähe des 52-Wochen-Hochs gestiegen. Damit notiert er um lediglich zwei Prozent unter dem Fünf-Jahres-Hoch. Das ist vor dem Hintergrund des Höhenflugs beim S&P500 umso bemerkenswerter. Wer braucht in so einem scheinbar prächtigen Börsenumfeld schon Gold?

Offensichtlich trauen viele Investoren der Rally am Aktienmarkt in den USA und rund um den Globus aber nicht, schließlich haben Investoren in den vergangenen sechs Monaten umgerechnet 237 Mrd. Dollar aus weltweiten Aktienfonds und -ETFs abgezogen – das ist der größte Abfluss aller Zeiten. Viele Investoren wissen, dass der jüngste Anstieg bei S&P500 und DAX nur auf die Hoffnung zurückzuführen ist, dass die Fed die Zinsen schon bald kräftig senken dürfte, um so das Heraufziehen einer US-Rezession zu verhindern.

US-Zinsen senden starkes Warnsignal

Der Handelskrieg zwischen den USA und China belastet die chinesische Wirtschaft und damit die Weltwirtschaft enorm, weil die Unternehmen weltweit stark verunsichert sind, weshalb sie sich mit Investitionen zurückhalten. Das bekommt inzwischen allerdings auch die US-Wirtschaft zu spüren, wie zuletzt auch der US-Arbeitsmarktbericht klar gezeigt hat.

So waren im Mai lediglich 75.000 Jobs geschaffen worden, das lag meilenweit unter der Schätzung der Volkswirte von 175.000. Gleichzeitig sind die Zahlen für März und April um insgesamt 75.000 nach unten korrigiert worden. Die Konjunkturschwäche ist offenbar bereits auf den Arbeitsmarkt übergeschwappt, woraufhin die Zinsen eingebrochen sind. Damit liegen die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen mit 2,1 Prozent in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit November 2016. Das ist ein starkes Warnsignal – eine Rezession dürfte viel schneller näher rücken, als viele Experten und Investoren derzeit erwarten.

Bestätigt wird es durch den Einbruch des Ölpreises, jener für die US-Sorte WTI ist auf Fünf-Monats-Tiefs eingebrochen. Manche Experten behaupten zwar, das würde die US-Wirtschaft stützen. Meiner Meinung nach ist allerdings genau das Gegenteil der Fall. Zwar müssen die Autofahrer weniger für Sprit ausgeben. Allerdings dürften die US-Ölfirmen die Investitionen deutlich drosseln, was die Wirtschaft merklich belasten sollte.

Kündigt Trump neue Strafzölle an?

Umso genauer werden Investoren auf das G20-Treffen am 28. und 29. Juni im japanischen Osaka schauen. Sollte es zu keinem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping kommen, oder sollten die beiden Staatschef trotz des Treffens keine Einigung um Handelskrieg erreichen können, dürfte Trump schon sehr bald Strafzölle auf chinesische Produkte im Wert von 325 Mrd. Dollar verhängen. Damit würde der Handelskrieg weiter enorm eskalieren, wären doch sämtliche chinesischen Exporte in die USA mit Strafzöllen belegt.

Darauf könnte China reagieren und den Renminbi auf mehr als sieben Renminbi je Dollar abwerten, womit der Streit mit den USA weiter eskalieren dürfte. Denn daraufhin dürfte Trump China vorwerfen, den Renminbi künstlich nach unten zu manipulieren, um chinesische Produkte günstiger zu machen, und so einen Teil der Effekte der US-Strafzölle zu kompensieren. Umso mehr Sinn macht es für China, weiterhin seine Goldbestände aufzustocken, im Mai sind weiter 15,86 Tonnen hinzugekommen.

US-Zinssenkung könnte für kurzen Hüpfer am Aktienmarkt sorgen

In einem derartigen Szenario könnte es zu einem Einbruch beim S&P500 und am weltweiten Aktienmarkt kommen, womit die Fed enorm unter Zugzwang käme. Viele Investoren gehen davon aus, dass die Fed zwar bei der nächsten Sitzung am 19. Juni noch nicht die Zinsen senken wird, allerdings soll sie bei der übernächsten am 31. Juli einen neuen Zinssenkungszyklus starten. Inzwischen gehen viele Investoren davon aus, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr zwei bis drei Mal, also um insgesamt 50 bis 75 Basispunkte (0,5 bis 0,75 Prozentpunkte) reduzieren dürfte.

Sollte die Sache mit China jedoch vorher eskalieren, könnte die Fed allerdings außerplanmäßig die Zinsen senken. Das könnte kurzfristig für einen Kurshüpfer am Aktienmarkt sorgen. Allerdings könnten sich Investoren anschließend sehr schnell Sorgen vor einer Rezession der US-Wirtschaft und möglicherweise der Weltwirtschaft machen, woraufhin der Aktienmarkt drehen und kräftig nach unten rauschen könnte. Eine Rezession der Weltwirtschaft liegt vor, wenn das Wirtschaftswachstum auf weniger als zwei Prozent zurückgeht.

Sollte die Fed die Zinsen kräftig senken, könnte das auch den Dollar deutlich mit nach unten ziehen. Das würde dem Goldpreis Rückenwind geben. Das Risiko ist groß, dass sich beim DAX und beim S&P500 zügig jeweils ein Höhepunkt bilden dürfte und die Indizes anschließend deutlich nach unten drehen könnten. Ähnlich könnte es in einem Umfeld sinkender US-Zinsen dem Dollar ergehen. Dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis in dem Szenario entwickelt.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Kann Fed US-Rezession mit Zinssenkungen verhindern?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"