Stand: 02.03.2015 von Mr. Gini 0 Kommentare

Vertagen und aufschieben. Das ist das Motto dieser Tage. Die Thematik Griechenland ist also bis Ende Juno erneut vertagt worden. Und dem biederen deutschen Steuerzahler musste insofern noch nicht die Grexit-Rechnung ausgestellt werden. 76 Milliarden Euro wären dies laut Prof. Sinn vom ifo-Institut in München (siehe dazu auch: Was kostet Ausstieg Griechenlands aus dem Euro? ).

Ex-Chefvolkswirt Prof. Ottmar Issing spricht Klartext

Bezeichnend auch, dass Prof. Ottmar Issing, Ex-Chefvolkswirt der EZB, am Mittwoch, 25.2.2015, im Bayerischen Rundfunk klar zum Ausdruck brachte, dass die rund 240 Milliarden Euro, die bisher in das Hilfsprogramm für Griechenland geflossen seien, abgeschrieben werden müssten. Wörtlich sagte er:

"Dieses Geld wird man mit Sicherheit nie wieder sehen."

Deutsche Bevölkerung gegen Verlängerung der Finanzhilfen

Pikant und interessant auch, dass nur nur gut jeder fünfte Deutsche, sprich 21 Prozent, dafür ist, dass die EU der von der griechischen Regierung beantragten Verlängerung der Finanzhilfen zustimmt. Das geht aus einer exklusiven INSA-Umfrage für die Bild-Zeitung hervor. Am größten ist die Zustimmung für eine Verlängerung der Finanzhilfen noch bei Wählern der Linken mit 36 Prozent, der Grünen (32 Prozent) und der SPD (26 Prozent).

Am geringsten dagegen ist die Zustimmung bei Wählern der AfD (11 Prozent), der CDU/CSU (20 Prozent) und der FDP (22 Prozent). Besonders gering sei die Zustimmung zur Verlängerung von Finanzhilfen für Griechenland demnach bei Männern, Westdeutschen und Jüngeren. INSA-Chef Hermann Binkert brachte es auf den Punkt:

"Eine Fortsetzung der Finanzhilfen für Griechenland wird von der großen Mehrheit der Deutschen abgelehnt. Tatsächliche Bevölkerungsmehrheit und mutmaßliche Parlamentsmehrheit widersprechen sich deutlich. Das kommt vor, hätte aber dramatische Folgen, sollte es die Regel werden."

Warnung vom Bund der Steuerzahler

Auch der Bund der Steuerzahler warnt vor weiteren Geldspritzen für Athen. Die griechische Regierung habe jede Menge Zusagen gegenüber seinen Euro-Partnern und Geldgebern zum Ausdruck gebracht - doch noch steht das Ganze nur auf dem Papier. Die Tsipras-Regierung relativiere viele ihrer Wahlversprechen nur, um an frisches Geld der europäischen Steuerzahler zu gelangen. Zwar stellen die Griechen richtige und überfällige Reformen im Steuerbereich und beim Staatsapparat in Aussicht. Doch bevor diese Vorhaben nicht rechtskräftig in Gang gesetzt wurden, seien die Zusagen der griechischen Regierung mit Vorsicht zu genießen.

Modalitäten einer "Waffenruhe" im Fokus

Steuerzahler Präsident Reiner Holznagel warnt die Bundesregierung und den Bundestag davor, weiteres Geld nach Athen zu überweisen, bevor dort Fakten geschaffen wurden. Der angebliche Sinneswandel der Regierung Tsipras dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass Griechenland die mit den Euro-Partnern vereinbarten Reformen rundweg ablehnen würde. Das werde sich erneut zeigen, wenn es um die Verhandlungen eines neuen Griechenlandpakets gehen werde. Derzeit werd nur über die Modalitäten einer viermonatigen Waffenruhe zwischen der Euro-Zone und Griechenland verhandelt. Herr Holznagel brachte seine Sorge in dem Kontext klar auf den Punkt:

"Ich befürchte: Ist das Geld erst überwiesen, ist der Reformwille dahin!"

Bankrun läuft

Wie auch immer die griechische Tragödie ausgehen wird, eines steht jetzt schon fest. Die griechischen Privathaushalte und Unternehmen haben in den Wochen vor den Parlamentswahlen massiv Euros von ihren Konten abgehoben. Wie aus aktuellen Daten der EZB hervorgeht, sanken die Guthaben von Sparern, die nicht dem Banken- oder staatlichen Sektor angehören, im Januar um 12,718 Milliarden Euro. Bereits im Dezember waren 4,738 Milliarden abgehoben worden und zwischen September und November 0,931 Milliarden.

Zudem nahm der Bargeldumlauf im gesamten Euroraum auffällig zu; im Dezember und Januar stieg er um 11 Milliarden beziehungsweise 16 Milliarden Euro.

Deutsche Sparer leiden weiter

Während in Griechenland die Sparer ihrer Euros schlicht von den Konten abheben, werden im Norden die deutschen Sparer durch die Nullzinspolitik von Mario Draghi zum Zins-Aderlass gezwungen. Der Schaden, den die deutschen Sparer durch die extreme Geldpolitik der EZB erleiden, ist immens. Und er wird von Tag zu Tag größer. In dem Kontext war Prof. Sinn ja bereits Ende 2014 sehr fleißig und hat genau errechnet, wie hoch die Zinsverluste für die biederen deutschen Sparer seit dem Ausbruch der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2007 sind. Und hier kommen bereits jetzt extrem hohe Summen ins Spiel.

Hohe Verluste durch Niedrigzinspolitik

Die deutschen Sparer verlieren Prof. Sinn zufolge sehr viel Geld. Deutschland sei absolut gesehen der größte Kapitalexporteur der Welt und, nach China, das Land mit dem größten Netto-Auslandsvermögen. Deutschland sei Gläubiger der Welt und verliere durch die niedrigen Zinsen. Es gebe zwar Sektoren in Deutschland wie den Staat, der von der Niedrigzinspolitik profitieren würde. Aber per Saldo sei Deutschland Nettogläubiger und würde durch die Niedrigzinsen einen großen Verlust erleiden. Nach der Berechnung von Prof. Sinn sind den Deutschen seit 2008 etwa 300 Milliarden Euro entgangen im Vergleich zu den Zinsen, die Ende 2007, vor Ausbruch der Krise, zu erzielen waren. Pro Jahr beträgt der Verlust jetzt 60 bis 70 Milliarden Euro.

Ja, anders formuliert, ja anders gerechnet, kostet ein Jahr Niedrigzins den deutschen Sparern in etwa so viel wie der gesamte Grexit dem deutschen Staat, ja den Steuerzahlern kosten würde.

Böse Zungen könnten hier ja schon fast in den Raum stellen, dass durch die Vertagung, das ständige Aufschieben der Probleme der Schaden nicht kleiner, sondern maximiert wird...

Finanzhilfen Griechenland: Über die Kosten der vertagten Problemlösung
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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