Stand: 05.10.2018 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Der Goldpreis hatte sich in den vergangenen Wochen stabilisiert. Zuletzt wurde er von der Italien-Krise etwas gestützt. Dieser Faktor scheint nun allerdings schon wieder in den Hintergrund zu treten.

Nachdem der Goldpreis zuletzt leicht über die Marke von 1.200 Dollar je Unze geklettert war, bekam er Gegenwind. So hatte die US-Privatwirtschaft im September laut dem Arbeitsmarktbericht von ADP deutlich mehr Jobs geschaffen als erwartet, woraufhin die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf 3,2 Prozent nach oben geschossen sind – das ist das höchste Niveau seit Mitte 2011. Das hat den Dollar deutlich mit nach oben gezogen. Damit hatte der Goldpreis gleich aus zwei Richtungen merklichen Gegenwind.

Italien macht einen kleinen Rückzieher

Zuvor war die Notierung des Edelmetalls ein paar Tage von der Italien-Krise gestützt worden. Nachdem die neue Regierung angekündigt hatte, dass das Haushaltsdefizit in den Jahren 2019 bis 2021 bei jeweils 2,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung liegen solle, waren die Zinsen für zweijährige italienische Anleihen innerhalb weniger Tage von 0,7 Prozent auf 1,6 Prozent nach oben geschossen.

Inzwischen sind sie allerdings auf 1,2 Prozent eingebrochen. Auf den ersten Blick ist die Regierung scheinbar vor der EU eingeknickt. Zwar strebt die Regierung für 2019 weiterhin ein Haushaltsdefizit von 2,4 Prozent an, weil das bedingungslose Grundeinkommen für Einkommensschwache und Steuersenkungen finanziert werden sollen.

Allerdings soll die Neuverschuldung in den Folgejahren sinken, auf 2,1 Prozent für 2020 und 1,8 Prozent für 2021. Das sieht auf den ersten Blick fast so aus, als ob Italien in den Folgejahren ein bisschen sparen wolle.

Italiens Schulden sind Deutschlands Problem

Nachdem ich die Zahlen einmal durchgerechnet habe, wird das Land nach meinen Berechnungen allerdings mehr als 100 Mrd. Euro zusätzliche Schulden machen im Vergleich zu dem Versprechen, das die Vorgängerregierung abgegeben hatte. Mehr als 100 Mrd. Euro! Und das für ein Land, das mit einer Staatsverschuldung von 2,34 Billionen Euro ganz tief im Schuldensumpf steckt.

Wenngleich es auf den ersten Blick so aussieht, dass Italien vor der EU eingeknickt sei, zeigt diese Summe, wie erpressbar Deutschland ist und das sagt die italienische Regierung ganz offen, nach dem Motto:

„Haben Sie 1.000 Euro Schulden, ist es Ihr Problem. Hat Italien aber 2,34 Billionen Euro Schulden, dann ist das Deutschlands Problem!“

Ich gehe davon aus, dass die Neuverschuldung im laufenden Jahr deutlich höher sein wird als 2,4 Prozent, denn die Perspektiven für Italien und die Weltwirtschaft haben sich in den vergangenen Monaten wegen des Handelskriegs zwischen den USA und China und der Währungskrise in den Emerging Markets erheblich eingetrübt.

Daher dürfte das geplante Wirtschaftswachstum Italiens viel niedriger sein als erwartet, ich gehe sogar davon aus, dass die italienische Wirtschaft auf dem Weg in die Rezession ist. Auf welchem Niveau in dem Fall das Haushaltsdefizit sein dürfte, will ich mir lieber nicht ausmalen.

Draghi macht Schuldensause in Italien möglich

Gleichzeitig dürfte die Verschuldung in den nächsten Jahren viel höher sein als jetzt angekündigt. Klar sagt Italien jetzt zu, den Wert in den beiden Folgejahren zu verringern. Allerdings dürfte die Regierung in rund einem Jahr sagen, dass aus irgendwelchen Gründen die Prognose für 2020 nicht eingehalten werden kann und man viel mehr Schulden machen müsse als geplant, man müsse doch die Wirtschaft ankurbeln.

Man versucht also immer weiter mit den alten Rezepten, also mit auf Pump finanzierten Konjunkturprogrammen, ein Strohfeuer zu erzeugen. Wenn es vorbei ist, fällt die Wirtschaftsleistung auf das alte Niveau zurück, allerdings ist der Schuldenberg in der Zwischenzeit kräftig gestiegen.

All das macht die Geldpolitik der EZB, vor allem EZB-Chef Mario Draghi, möglich. Er hat wiederholt klar gemacht, dass er bei Problemen die Geldpresse jederzeit schneller laufen lassen wird. Und da die Südländer in der EZB die Mehrheit der Stimmen haben, kann Draghi seinen Worten jederzeit Taten folgen lassen.

Dass Deutschland hierfür schon seit Jahren über stark steigende Preise für Häuser und Wohnungen, und Mieten die Rechnung bezahlt, sei nur am Rande erwähnt.

Wegen der Aussicht auf die EZB könnte die Italien-Krise nur ein Sturm im Wasserglas gewesen sein und schnell abflauen. Damit würde allerdings eine Stütze für den Goldpreis wegfallen. Umso spannender wird es sein zu sehen, wie er sich in den nächsten Monaten entwickelt.  

In dem Zusammenhang möchte ich noch kurz an einen saisonalen Effekt erinnert: In den vergangenen fünf Jahren ist der Goldpreis nach dem Ende der Goldenen Woche in China jeweils deutlich gestiegen. In diesem Jahr geht die Goldene Woche vom 1. bis 7. Oktober.

Finanzmarkt hakt Italien-Krise bemerkenswert schnell ab
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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