Stand: 31.10.2015 von Mr. Gini 2 Kommentare

In diesen Tagen im Herbst 2015 dreht sich in deutschen Landen ja fast alles um das Thema Flucht und Asyl. Die Lage ist extrem angespannt. So angespannt, dass jüngst der Justizminister des Freistaats Bayern, Prof. Bausback, gar von einer Gefahr für die Existenz des deutschen Staats spricht. Zweifelsohne, diese Krise geht an die Substanz. Und wird uns noch sehr, sehr lange beschäftigen.

Scharfe Kritik an der Flüchtlingskrise aus der Wirtschaft

Höchst beachtlich auch, dass sich ab und an Top-Vertreter der Wirtschaft zur Thematik äußern. Jüngst war dies ja der Chef des größten Rückversicherungsgesellschaft der Welt, Nikolaus von Bomhard. Also, der Chef der Münchener Rückversicherung kritisierte den Umgang der Politik mit der Flüchtlingskrise scharf. Deutschland sei auf den Migrantenstrom institutionell nicht vorbereitet, sagte er dem "Spiegel".

Es mangele unter anderem an Unterbringungskonzepten und einer modernen Antragsbearbeitung. Was jetzt passiere, trage oft chaotische Züge, so der Chef der Munich Re. Ferner forderte er die Politik auf, ein Einwanderungsgesetz zu schaffen. Deutschland brauche die Einwanderung, ansonsten drohe dem Land mittelfristig der Verlust an Wohlstand, so der Munich-Re-Chef.

Flüchtlingskrise: Erst Spitze des Eisbergs

Die Zahl der Flüchtlinge und Asyl suchenden, werde nach Ansicht des Top-Managers noch steigen. Wir würden bislang lediglich die Spitze des Eisbergs sehen, sagte von Bomhard. In Zukunft würden immer mehr Menschen ihre Heimat auch wegen des Klimawandels verlassen, er werde zum Haupttreiber künftiger Wanderbewegungen werden. Die Politik müsse endlich die Ursachen der Migration angehen, Der Klimawandel gehöre dazu, so Herr von Bomhard.

Krise bei der ungleichen Verteilung der Flüchtlinge

Höchst interessant ist auch, dass sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit Sitz in Berlin auch intenisv mit der Thematik beschäftigte (siehe hier ). In der DIW-Studie wird u.a. konkret die Verteilung der Flüchtlinge nach Einwohnerzahl und Wirtschaftsleistung in Europa untersucht. Fakt sei demnach, dass die Flüchtlinge, die derzeit verstärkt in die Europäische Union kommen würden, sehr ungleich auf die einzelnen Mitgliedsstaaten verteilt seien. Die Mehrzahl der Staaten würden weniger Asylbewerber aufnehmen, als dies nach Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft angemessen wäre. In der ersten Jahreshälfte des Jahres 2015 habe Deutschland - gemessen an seiner Einwohnerzahl - fast dreimal so viele und - gemessen an seiner Wirtschaftskraft - fast doppelt so viele Asylsuchende aufgenommen, wie es bei einer gleichmäßigen Verteilung auf alle EU-Länder der Fall gewesen wäre.

Schwierige Integration der Flüchtlinge

Die Integration der anerkannten Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt gestalte sich allerdings schwierig. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie. Es sei folglich dringend erforderlich, dass sich die EU-Staaten auf eine gleichmäßigere und somit gerechtere Verteilung der Flüchtlinge einigen, so die Aussage des Arbeitsmarktexperten Karl Brenke. Aufgrund der restriktiven Asylpolitik einiger Staaten dürfte die regionale Konzentration der Flüchtlinge weiter zunehmen.

Starkes Ungleichgewicht bei der Verteilung von Flüchtlingen

Herr Brenke hat ja im Kontext mit der Studie die Entwicklung der Asylsuche in der EU anhand von Daten des statistischen Amtes der EU (Eurostat), des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge(BAMF) und der Bundesagentur für Arbeit untersucht. Betrachte man nun die jüngste, etwa 2010 einsetzende Wanderungswelle und insbesondere das erste Halbjahr 2015, dann haben bezogen auf die Einwohnerzahl vor allem Deutschland, Österreich, Schweden und Ungarn - wenn man einmal von der akuten Situation dort absehen würde- sehr viel mehr Asylbewerber als bei einer Gleichverteilung aufgenommen. Dagegen würden fast alle osteuropäischen und die meisten südeuropäischen Staaten (Italien, Spanien, Portugal) relativ wenig Flüchtlinge aufnehmen. Das gelte speziell für einige große Länder wie Frankreich oder das Vereinigte Königreich. Fakt sei auch, dass in Dänemark und den Niederlanden die Asylbewerberzahlen infolge einer restriktiven Asylpolitik im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen seien.

Netzwerkeffekte bei der Verteilung von Flüchtlingen

Herr Brenke fand ferner heraus, dass mit Blick auf die Verteilung der Flüchtlinge an der Wirtschaftsleistung - dem Bruttoinlandsprodukt - der einzelnen Länder, sich ein ähnliches Bild ergeben würde. Auch in dieser Hinsicht würden die großen Staaten Frankreich, Italien und Spanien und fast alle osteuropäischen Länder relativ wenige Flüchtlinge aufnehmen. Auf Deutschland, Schweden, Österreich und Zypern entfielen dagegen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres doppelt so viele Asylbewerber, wie es bei einer gleichmäßigen Verteilung nach Wirtschaftskraft hätte sein müssen. Noch höhere Werte würden nur Malta und Ungarn ausweisen. Herr Brenke stellt in dem Kontext fest, dass hier Netzwerkeffekte wirksam seien. Asylsuchende einer bestimmten Nationalität würden bevorzugt dorthin ziehen, wo Landsleute vor ihnen schon hingegangen seien.

Problematischer Einstieg der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt

Und last but not least weist Herr Brenke noch auf massive Probleme hin. Die anerkannten Flüchtlinge hätten erhebliche Probleme bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Bei den Personen aus den wichtigsten Flüchtlingsstaaten habe zwar die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zugenommen, die Zahl der Arbeitslosen - ausgehend von einem niedrigen Niveau - aber noch mehr. So gebe es unter den in Deutschland lebenden anerkannten Flüchtlingen aus Syrien inzwischen mehr Arbeitslose als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Nur wenig besser sei diese Relation bei den Flüchtlingen aus dem Irak, Afghanistan, Somalia und Eritrea. Eine stark wachsende Zahl von Flüchtlingen beziehe Hartz IV. Man könne aber Brenke zufolge davon ausgehen, dass umso weniger anerkannte Asylbewerber arbeitslos sein würden, je besser sie sich an die Verhältnisse in Deutschland angepasst hätten. Für Herrn Brenke sei das Erlernen der deutschen Sprache insofern elementar. Deshalb sei es wichtig, sie beim schnellen Erlernen der deutschen Sprache besser zu unterstützen. Unzureichende Sprachkenntnisse seien eine große Hürde bei der erfolgreichen Jobsuche, so das Fazit von Herrn Brenke.

Wie auch immer, bei all dem aktuellen Chaos scheint nur eine Tatsache sicher zu sein. Nämlich die, dass uns die Thematik noch sehr, sehr lange beschäftigen wird....

Die ungleiche Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Länder
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [2]
  • von Volker | 12.11.2015, 21:37 Antworten

    mir muss mal jemand erklären, wie so mehr Menschen ein mehr an Wohlstand bedeutet, obwohl wir Energie- Platz- und Ressoursenprobleme haben. Was produzieren Steuerberater, die Gegenseite beim Finanzamt , Rechtsanwälte und und und...
    und kann man das Essen? Nur, dieser Mist wird immer mehr, und keiner will mehr richtig arbeiten. Letztens auf der Baustelle, nur noch ältere Arbeitnehmer in den Qualifizierten Bereichen, und natürlich massig Ausländer für die Hilfsarbeiten. Und die Asylanten sollen es richten? Gute Nacht. Ich habe Angst um meine unbeschwerte Zukunft. und natürlich um unsere Kultur .
    Jedenfalls hat wohl das "Pack" auf der Straße eine größere Weitsicht als die gesamte Politik bewiesen.
    aber das ist ja mittlerweile offensichtlich, wenn die Politik das Ruder übernimmt, kriegen wir keine Flughäfen und Bahnhöfe mehr hin, von der Lösung echter Probleme ganz zu schweigen. Wir kriegen das NICHT hin!!! Und je weiter links, um so praxisfremder werden die Politiker. Ist nicht die DDR der beste Beweis.

    Aber die Frage ist, wem nützt das Ganze .
    sollte Klagemauer.tv recht haben??? es wäre furchtbar.

  • von Gonzo4 | 02.11.2015, 11:09 Antworten

    Schon der Name "Flüchtlingskrise" ist irreführend. Sobald diese Menschen das Gebiet verlassen haben, das sie - angeblich oder tatsächlich - verfolgt, und sich in einem sicheren Nachbarland befinden, sind sie keine "Flüchtlinge" mehr. Was folgt, ist eine Einwanderung - genau dafür aber ist das Asylrecht nie geschaffen worden. Ebenso ist es ein Unding, dass inzwischen gewaltsam im Schutz von Massen Grenzen überrannt werden und sich niemand in der Pflicht sieht, dagegen entschieden vorzugehen. Eine Regierung, die nicht in der Lage ist, das ihr anvertraute Staatsgebiet zu schützen, hat schnellstens abzutreten.

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