Stand: 20.05.2016 von Mr. Gini 0 Kommentare

Die Nullzinspolitik der EZB ist nicht nur massenmedial ganz oben auf der Agenda. Sie bewegt auch die Menschen täglich. Und sie zeitigt auch nachhaltige Folgen, die jetzt noch nicht wirklich absehbar sind. Sehr beachtlich auch, dass selbst im Deutschland-Report der AXA-Versicherung herauskam, welch dramatische Veränderungen im Verhalten der Menschen die Geldpolitik der EZB auslöst (mehr zum Report gibt es unter: https://www.axa.de/deutschland-report )

Vorsorgesparer in der Minderheit

Als Kernergebnis der jüngsten Erhebung (in insgesamt 3324 Interviews wurden im März 2016 repräsentativ in allen 16 Bundesländern Erwerbstätige und im Ruhestand befindliche Personen befragt, wobei die Ergebnisse zudem Bevölkerungs repräsentativ gesamtgewichtet wurden, um auch bundesweite Aussagen ableiten zu können.) kam heraus, dass die Erwerbstätigen, die trotz EZB-Nullzinspolitik weiter eine private Altersvorsorge aufbauen wollen, in der Minderheit sind. Sage und schreibe 55 Prozent der aktiven Erwerbstätigen in Deutschland seien zu der Einschätzung gekommen, dass weitere Anlagen nicht mehr lohnen würden. Anders formuliert, die Mehrheit betreibt aktuell keinen weiteren Aufbau der Altersvorsorge mehr. Paradoxerweise steigt gleichzeitig die Angst vor Verarmung im Alter, insbesondere im Osten der Republik. Dort hat bereits jeder dritte Erwerbstätige vor Altersarmut Angst. Interessant auch, dass insbesondere in Thüringen 62 Prozent der Erwerbstätigen aufgrund der EZB-Geldpolitik keine weitere Altersvorsorge mehr betreiben wollen.

Dr. Patrick Dahmen, Mitglied des Vorstand der AXA Konzern AG, stellt in dem Kontext fest:

"Die anhaltenden Niedrigzinsen lassen die Sparbereitschaft der Erwerbstätigen erlahmen."

Flucht in Betongold

Spannend ist auch, was all jene tatsächlich machen, die noch sparen. Hier bringt der Report auf den Punkt, dass in deutschen Landen aktuell ein regelrechter "run" auf Immobilien zu beobachten sei. AXA schreibt hier von einer einseitigen Fokussierung auf Immobilien. Interessant, dass hier sowohl die Immobilie zur Eigennutzung als auch zur Vermietung im Fokus steht, um damit das persönliche Auskommen im Alter zu sichern. In Berlin plant aktuell etwa schon mehr als jeder vierte Berufstätige den Erwerb eines Eigenheims. Bereinigt um mögliche Mehrfachnennungen planen insgesamt 27 % aller Erwerbstätigen den Erwerb von Immobilien (zur Eigennutzung und/oder Vermietung). In dem Kontext ist festzuhalten, dass die Deutschen offenbar anstreben, aktiver Vermieter zu werden. Die Zahl der Vermieter könnte sich AXA zufolge fast verdreifachen. In vermietete Immobilien zur Altersvorsorge wollen fast doppelt so viele Erwerbstätige investieren, wie heute über diese Anlage verfügen. Jeder Vierte könnte so künftig zum Vermieter werden.

Richtigerweise erhebt auch in dem Kontext Herr Dr. Dahmen den warnenden Zeigefinger:

"Die einseitige Fokussierung auf Immobilien zur Altersvorsorge birgt allerdings Risiken."

So könne es passieren, dass hierdurch zu viel auf nur eine Karte gesetzt wird, statt Anlagen zu streuen. Überdies seien auch Nebenkosten, Instandhaltungen sowie eine eventuell teurere Anschlussfinanzierung immer mit zu kalkulieren. Apropos Streuung, der AXA zufolge planen immerhin zehn Prozent der Erwerbstätigen Gold-Investments zur Sicherung des Renteneinkommens einzugehen. Das ist schon beachtlich. Interessant ist auch, dass die Summen, die die Deutschen investieren wollen allesamt recht überschaubar zu sein scheinen. Die Hälfte der Erwerbstätigen hält 200 Euro im Monat als Beitrag zur privaten Altersvorsorge für ausreichend, ein Fünftel sogar weniger als 100 Euro.

Wachsende Angst vor Altersarmut

Die Motive, aus denen heraus die Erwerbstätigen vorsorgen, deckt der AXA Deutschland-Report ebenfalls auf. Für mehr als drei Viertel gehört eine finanzielle Absicherung im Ruhestand zu den drei wichtigsten Lebenszielen. Fast sechs von zehn Erwerbstätigen (57 Prozent) berichten aber, dass ihnen heute das Thema Altersvorsorge mehr Angst macht als früher. Jeder dritte Erwerbstätige (32 Prozent) erklärt sogar, dass er sich persönlich vor Verarmung im Alter fürchtet. Jeder zweite Ruheständler und auch Erwerbstätige berichtet, dass Altersarmut ein Thema in seiner Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis ist. In fünf Ländern (Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachen, NRW) betrachtet dennoch eine relative Mehrheit der Berufstätigen die eigene bisherige Altersvorsorge als ausreichend. Vor allem in Ostdeutschland (ohne Berlin) berichten der AXA zufolgehingegen die meisten von einer nicht ausreichenden eigenen Vorsorge. Berufstätige im Osten haben zudem auch seltener eine betriebliche Altersversorgung als im Westen.

Vertrauen in Politik verloren

Fakt ist der AXA zufolge auch, dass mit Blick auf die Politik ein massiver Vertrauensverlust zu konstatieren ist. Mehr als zwei Drittel der Erwerbstätigen sehen das, was die Politik in Sachen Altersvorsorge tut, mit großer Skepsis. Unter den Ruheständlern ist der Anteil mit 71 Prozent genauso groß. Besonders drastisch ist hier der Vertrauensverlust im Bundesland Bayern. Hier sind es 82 Prozent, die jegliches Vertrauen in die Politik verloren haben. Das sind schon beängstigend hohe Werte. Kein Wunder also, dass die Prognose für die Rente der Zukunft alles andere als rosig ist. Vorsichtig formuliert. Ungefähr drei Viertel der Berufstätigen wie Ruheständler erwarten, dass die finanzielle Lage der heute etwa 50-Jährigen als nächste Rentnergeneration schlechter sein wird, als bei den heutigen Ruheständlern.

Fazit ist also, dass es für die Politik sehr schwer werden wird, hier verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Spätestens im Bundestagswahlkampf 2017 wird das Thema ganz oben auf der Agenda stehen.

Einzig sicher ist hier, dass aus heutiger Sicht der Dinge ein "happy end" für alle kaum zu erwarten ist. Leider...

Folge der Niedrigzinspolitik - Vorsorgewille erlahmt
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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