Stand: 22.06.2015 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Mit dem Goldpreis ging es in der vergangenen Handelswoche zwar leicht nach oben. Dies lag aber weniger an der tendenziell wahrscheinlicher gewordenen Staatspleite Griechenlands, sondern vor allem an der US-Notenbank Fed.

Fed lässt Gold wieder glänzen

Zwar blieb Fed-Chefin Janet Yellen wieder einmal einen konkreten Hinweis auf das erste Anheben der US-Leitzinsen seit 2006 schuldig, an den Finanzmärkten wurden ihre am Mittwoch kommunizierten Statements aber eher als "taubenhaft", also weniger restriktiv interpretiert. Zudem revidierten die US-Notenbanker ihre Prognosen für das Wachstum der US-Wirtschaft für 2015 deutlich nach unten - und zwar von 2,3 bis 2,7 Prozent im März auf nunmehr 1,8 bis 2,0 Prozent.

Weil damit eine baldige Zinserhöhung sich nach hinten verschieben und zudem das Ausmaß der Anhebungen geringer als erwartet ausfallen könnte, führten die massiven Käufe zu einem Comeback des Goldpreises in Richtung 1.200-Dollar-Marke. Die Argumentation ist nicht neu: Bei niedrigen Zinsen fallen bei Goldbesitzern die Opportunitätskosten, also der Verzicht auf die bei festverzinslichen Wertpapieren üblichen Zinsen, weniger ins Gewicht als in Phasen überdurchschnittlich hoher Zinsen.

Je länger die Niedrigzinsphase anhält, desto vorteilhafter für Gold. Dabei sollte man eines aber nie außer Acht lassen: Hohe Zinsen können auch ein hohes Risiko bzw. eine schlechte Bonität anzeigen.

Forsa-Umfrage: Deutsche halten viel von Gold

Blickt man auf den Goldpreis, scheint trotz der drohenden Griechenland-Pleite in der Finanzwelt offensichtlich niemand mit einer neuen Finanzkrise zu rechnen. Der tendiert nämlich auf Dollarbasis allenfalls seitwärts und ist als Krisenwährung und Versicherungsschutz derzeit nicht sonderlich stark gefragt.

Bei deutschen Anlegern genießt das gelbe Edelmetall nichtsdestotrotz hohes Ansehen. Dies brachte zumindest eine vom Edelmetallhändler pro aurum in Auftrag gegebene Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zum Ausdruck.

Unter fünf wählbaren Anlagealternativen und einem Anlagehorizont von mindestens drei Jahren räumten die mehr als tausend Befragten - wie in den vergangenen fünf Jahren auch - dem gelben Edelmetall das höchste Gewinnpotenzial ein. Diesmal entschied sich eine Mehrheit von 30 Prozent für Gold, gefolgt von 23 Prozent für Aktien. Erheblich seltener wurden Fondsanteile (12 Prozent) sowie Festgeld bzw. Termingeld (7 Prozent) genannt. Das Schlusslicht bildete wie in den Jahren zuvor die Anlageklasse Anleihen (3 Prozent).

Besonders interessant: Seit fünf Jahren behauptet sich in den Forsa-Umfragen Gold auf der Pole-Position, wenngleich in diesem Zeitraum Aktien in den Augen der Anleger deutlich attraktiver geworden sind. Nicht ohne Folgen blieb die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank für Fest- bzw. Termingeld sowie Anleihen. Mit deren Perspektiven ging es mitunter deutlich bergab (siehe Grafik).

Forsa Umfrage Gold ls Geldanlage
Forsa Umfrage zu Gold als Geldanlage

Trotz der optimistischen Goldperspektiven besitzen jedoch lediglich neun Prozent der Umfrageteilnehmer Goldbarren oder Goldmünzen. Am stärksten verbreitet sind hingegen Lebensversicherungen (34 Prozent), Bausparverträge bzw. Bausparpläne (32 Prozent) sowie Tagesgeldkonten (32 Prozent). Selbst Immobilien (27 Prozent), Fondsanteile (23 Prozent), Festgeld bzw. Termingeld (19 Prozent) und Aktien (15 Prozent) sind derzeit von deutschen Anlegern bei ihren tatsächlichen Investments stärker berücksichtigt worden als physisches Gold.

Ausblick für die kommende Woche

In der aktuellen Handelswoche herrscht ein besonders hohes Maß an Unsicherheit, schließlich treffen sich am heutigen Montagabend die 19 Euro-Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel, die Gefahr eines griechischen Bankrun ist akut und es besteht die Gefahr, dass man unter dem immensen Zeitdruck nicht zu einer guten Lösung ohne Gesichtsverlust für eine der beiden Seiten kommen wird.

Am 30. Juni sind IWF-Schulden von 1,6 Milliarden Euro fällig und am 20. Juli müssten die Griechen 3,5 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank zurückzahlen. Das Verhältnis zwischen der griechischen Regierung und den anderen Euro-Ländern kann derzeit als ziemlich zerrüttet und wenig vertrauensvoll bezeichnet werden. Die US-Regierung befürchtet sogar, dass Griechenland zum Problem für die Weltkonjunktur werden könnte und forderte die involvierten Parteien bereits mehrfach zur Einigung auf.

Trotz der sich zuspitzenden Lage in Griechenland bewies der Euro in den vergangenen Wochen aber relative Stärke und notiert aktuell acht Prozent über seinem im März markierten Mehrjahrestief. Außerdem sollte man nicht außer Acht lassen, dass die Gemeinschaftswährung zum Zeitpunkt ihrer Einführung im Verhältnis zum Dollar deutlich tiefer notierte.

Unter diesem historischen Blickwinkel scheint die Lage beim Euro noch nicht sonderlich prekär zu sein. Man muss wohl kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass ein "Grexit" für Griechenland deutlich negativere Folgen mit sich bringen dürfte als für den Rest Europas.

Forsa Umfrage Gold und Auswirkungen von Fed+Griechenland auf Goldpreis
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Dagobert | 26.06.2015, 14:19 Antworten

    Edelmetalle sind für den Leitstaat der Finanzwelt großes Problem. Weil die USA faktisch kein physikalischens Gold besitzen und sich in Asien immer mehr Gold sammelt, wird die US-Regierung mit Hilfe den hauseigenen Finanzmonstern alles daran setzten, die Welt davon zu überzeugen, dass Gold und Silber aus den Tressoren zum Alteisenhändler gebracht werden soll. Sie werden auch alles unternehmen, um Edelmetalle wertlos zu machen. Das passiert übrigends gerade !
    Wer glaubt, dass das Ende der Bärenrally am Edelmetallmarkt ist vorbei , wird sich noch die Augen reiben. Das Schlimmste kommt noch.
    Da kann ein "Goldjunge" schönreden was er will.
    Am Besten, wir kaufen stohisch (wie immer) jeden Monat mit bunt bedrucktem Papier, echtes Geld (sprich Gold und Silber) ein und freuen uns auf die Zeit, wenn viele Idioten erstaunt feststellen, dass man Papier
    nicht einschmelzen kann. Wenn es zu heiß wird, verbrennt Papier !
    Das war schon immer so.. Nachzulesen in jedem Geschichtsbuch.

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