Gold: 1.686,63 € -0,34 %
Silber: 21,24 € +0,16 %
Stand: 26.09.2022 von Hannes Zipfel
Die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen trüben sich so stark ein wie zuletzt während des harten Lockdowns im März 2020. Die Stimmung der Konsumenten geht derweil in den freien Fall über. Zur wirtschaftlichen Abkühlung gesellt sich eine hohe und weiter steigende Inflation, zu der es am Donnerstag aktuelle Daten geben wird.
Geschäfts- und Konsumklima sowie Inflationsdaten für Deutschland

Weitere relevante Datentermine für Edelmetallanleger in der 39. Börsenwoche:

  • Montag: Ifo-Geschäftsklimaindex Deutschland September (akt.: 84,3 | Aug.: 88,6 | Sep.'21: 98,8)
  • Dienstag: Verkäufe neuer Häuser in den USA im August (e: 500k | Juni: 511k | Aug.'21: 740k)
  • Mittwoch: GfK-Konsumklima-Index Deutschland Oktober (e: -39,0 | Aug.: -36,5 | Sep.'21: -1,2)
  • Donnerstag: Veränderung der Verbraucherpreise in Deutschland im September ggü. Vorjahresmonat (e: 9,4 % | Aug.: 7,9 %)
  • Freitag: Einzelhandelsumsätze Deutschland August ggü. Vorjahresmonat (e: -5,1 % | Juli: -2,6 %), Terminmarktreports (COT) der US-Aufsichtsbehörde CFTC für Gold und Silber (ab 21:30 Uhr MESZ verfügbar)

Ifo-Index zeichnet verheerendes Konjunkturbild für Deutschland

Per Definition weist ein drei Mal in Folge rückläufiger Geschäftsklima-Index des Münchener ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung auf eine bevorstehende Rezession hin. Am Montagmorgen wurde nun bereits der vierte Rückgang in Folge gemessen. Gleichzeitig fiel die Erwartungskomponente auf den niedrigsten Stand seit März 2020:

Deutschland: ifo Geschäftserwartungen-Index

Der Index misst die Geschäftserwartungen für ein halbes Jahr im Voraus und basiert auf der Befragung von 9.000 Unternehmen aus allen Wirtschaftssektoren. Die unter Ökonomen viel beachtete „ifo Konjunkturuhr“ für Deutschland befindet sich gemäß den neuesten Umfragedaten erneut im Krisenmodus.

ifo Konjunktur-Uhr Deutschland

(Quelle: Ergebnisse der ifo Konjunkturumfragen im September 2022, S. 3)

Inflation in Deutschland im September bei über 10 Prozent?

Am Donnerstag dieser Woche folgen die vorläufigen Daten zur Verbraucherpreisinflation in Deutschland für den Monat September. Auf Jahresbasis könnte die Teuerungsrate auf einen neuen Rekordwert ansteigen:

Nach 7,9 Prozent Inflation im August wird für den September nach dem Wegfall des 9-Euro-Tickets sowie des Tankrabatts mit einer Steigerungsrate des Verbraucherpreisindex (VPI) in Höhe von 9,4 Prozent gerechnet. Selbst während der beiden Ölkrisen (1973 u. 1979/1980) blieb die Inflationsspitze mit 7,4 Prozent im Dezember 1973 deutlich unter diesem Niveau.

Für den nach europäischer Berechnungsmethode ermittelten harmonisierten Verbraucherpreisindex für Deutschland (HVPI) wird sogar mit einem Anstieg der Inflationsrate um 10 Prozent gerechnet. Auch das wäre ein neuer Nachkriegsrekord.

Inflationsrate in Deutschland mit neuem Rekordstand?

Für die gesamte Euro-Zone lag die Inflationsrate bereits im August auf Jahresbasis bei 9,1 Prozent.

Konsumentenstimmung bricht ein

In Anbetracht der wenig erfreulichen wirtschaftlichen Aussichten und der massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten verwundert es kaum, dass sich die Stimmung der Verbraucher hierzulande immer mehr eintrübt. Nach dem Negativrekord im September 2022 erwartet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg, die ihren Konsumklimaindex immer bereits für den Folgemonat ausweist (Oktober), mit -39,0 Punkten einen weiteren Negativrekord. Die Zahlen werden am Mittwoch um 8:00 Uhr veröffentlicht. Hier die Datenreihe bis September 2022:

GfK Konsumklima Deutschland September 2022

Die schlechte Laune der deutschen Konsumenten dürfte sich auch in den am Freitag um 8:00 Uhr zur Veröffentlichung anstehenden Einzelhandelsumsätzen für den Monat August widerspiegeln. Hier wird im Vergleich zum Vorjahresmonat nach einem Wert von -2,6 Prozent im Juli mit einem erneuten Rückgang um -5,1 Prozent im August gerechnet.

Der Erlös der Einzelhändler gilt als wichtiger Indikator für die gesamten Verbraucherausgaben. Bei der Ermittlung des Indikators werden Kaufhäuser, Supermärkte und Autohändler stichprobenartig befragt. Der private Konsum gilt als wichtigste Stütze der deutschen Wirtschaft. Schwache Einzelhandelsumsätze belasten daher die gesamte Wirtschaftsaktivität. Da Deutschland mit Abstand die größte Volkswirtschaft der Eurozone ist, ziehen die aktuell desaströsen Konjunktur-Daten den Euro nach unten.

In den letzten 12 Monaten verlor die Gemeinschaftswährung gegenüber der Weltleitwährung US-Dollar 18,2 Prozent und fällt aktuell auf 0,955 Euro pro US-Dollar, was einem neuen Rekordtiefststand seit der Euro-Bargeldeinführung im Jahr 2002 entspricht.

Euro vs. US-Dollar auf Talfahrt unter die die Parität

Verstärkt wird die Euro-Schwäche durch den Erdrutschsieg der italienischen Rechten unter Führung von Giorgia Melonis nach den Parlamentswahlen am Sonntag. Im Vorfeld hatten sich Vertreter der EU, u. a. in Person von Frau Ursula Gertrud von der Leyen (EU-Kommissionspräsidenten) gegen diese politische Konstellation in Italien ausgesprochen, da die Sorge vor einer weiteren Spaltung der EU besteht.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) wird es ohne aktuelles Gelddruckprogramm und mitten im Zinssteigerungsmodus zur Bekämpfung der ausufernden Inflation nun extrem schwierig, eine neue Eurokrise zu verhindern. Die Renditen italienischer Staatsanleihen steigen bereits stark an - um 463 Prozent allein in den letzten 12 Monaten:

Rendite-Entwicklung 10-jähriger italienischer Staatsanleihen

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft Europas und liegt mit 150 Prozent Staatsverschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt auf Platz zwei nach Griechenland im Ranking der am höchsten verschuldeten Staaten der Euro-Zone. Daher wächst nun die Befürchtung einer Eurokrise 2.0.

Goldpreis in Euro weiterhin robust

Einen Lichtblick gibt es aktuell dennoch: Gold funktioniert auch in dieser Krise als „Sicherer Hafen“. So steigerte sich der Wert des gelben Edelmetalls in den letzten 12 Monaten in Euro gerechnet um 14 Prozent.

Gold in Euro wird seiner Rolle als sicherer Hafen gerecht

Für Anleger wird die KW 39 eine spannende Woche, da sich geopolitische, ökonomische und geldpolitische Risiken in einem Maße überlagern, die das Potenzial haben, einen Crash an den Märkten auszulösen.

Gold nimmt daher als Absicherungs-Instrument für das Gesamtvermögen eine bedeutende Rolle ein – zumal es nicht allzu viele Alternativen gibt.

Weitere wichtige Daten-Termine inklusive Prognosen und historischen Zeitreihen finden Sie hier.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Peter L Ustig | 27.09.2022, 07:33 Antworten

Guter Artikel Herr Zipfel...er spiegelt sehr gut mein bisweiliges Bauchgefühl wieder.
Eines ist angesichts der aktuellen Lage sichtbar, die Spirale geht weiterhin nach unten und was dies
bedeuten kann,ist in Zusammenfassung aller Faktoren und Fakten eindeutig.
Es wird noch mehr "Monopoly-Geld" auf den Markt geschmissen und somit die einstige Kaufkraft pulverisiert....1923 lässt grüßen.
Gut für Anleger,welche bisher stets das güldene Edelmetall ihr (noch steuerfreies) Eigentum nennen können.

Es bleibt weiterhin spannend.

1 Antwort an Peter L Ustig anzeigen

Copyright © 2009-2022 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.