Stand: 30.11.2019 von Egmond Haidt 6 Kommentare

Optimismus im Handelskrieg und vor allem das massive Gelddrucken der Fed treiben den S&P500 in die Stratosphäre. Zudem ist der Dollar zuletzt etwas gestiegen. Damit hatte der Goldpreis gleich von zwei Seiten Gegenwind. 

Von einem Rekordhoch zum nächsten steigt der S&P500. Für Rückenwind sorgen fast täglich Meldungen, demnach eine Einigung auf einen Phase-1-Deal im Handelskrieg zwischen den USA und China angeblich unmittelbar bevorstehe. 

Das Problem ist, dass es derartige Nachrichten schon seit Jahresanfang andauernd gegeben hat, ansonsten ist bislang aber überhaupt nichts passiert. 

Meiner Meinung nach gibt es praktisch keinerlei Fortschritte im Handelskrieg, sondern nur die alltäglichen Behauptungen – also Fake News - von US-Präsident Donald Trump und seinen Kabinettsmitgliedern, deren einziger Zweck es ist, den US-Aktienmarkt immer weiter nach oben zu treiben. An dessen Höhenflug misst Trump den angeblichen Erfolg seiner Politik. 

In dem Umfeld hat sich allerdings der Kursrückgang des Goldpreises ausgeweitet. Wegen der Hausse des US-Aktienmarkts und vieler anderer Aktienmärkte sind viele Investoren der Überzeugung, dass sie kein Gold brauchen. Daher ist die Notierung mit rund 1.460 Dollar je Unze Gold in die Nähe des Vier-Monats-Tiefs gesunken.

Wird der Handelskrieg eskalieren?

Allerdings könnte es beim Handelskrieg schon bald zum Schwur kommen. Nachdem Trump die vom Kongress beschlossenen Gesetze zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong unterzeichnet hat, hat China einmal mehr mit entschiedenen Gegenmaßnahmen gedroht. Das könnte den Abschluss eines Deals deutlich erschweren. 

Die US-Regierung hat daher betont, sie werde Teile der Gesetze differenziert behandeln. Das Weiße Haus erklärte allerdings nicht, auf welche Passagen sich die Einschränkung beziehen solle. Damit kann Trump die Fassade aufrecht halten und weiterhin so tun, dass die USA an einer baldigen Einigung mit China arbeiten würden. 

Allerdings ist sie meiner Meinung nach nun noch unwahrscheinlicher als vorher. Umso spannender wird es sein, ob die für den 15. Dezember geplanten US-Strafzölle von 15 Prozent auf chinesische Produkte im Wert von knapp 160 Mrd. Dollar tatsächlich in Kraft treten sollten, womit die Lage eskalieren würde. 

Fed ist der entscheidende Treiber für US-Aktienmarkt

Falls das Negativszenario eintreten sollte, dürfte es dennoch nur zu einem kleinen Kursrückgang beim S&P500 kommen. Wieso? Weil die Investoren wissen, dass die Fed bei einer weiteren Eintrübung der Perspektiven für die US-Wirtschaft noch viel mehr Geld drucken dürfte als bislang ohnehin schon. 

  • Zur Erinnerung: Derzeit kauft die Fed für 60 Mrd. Dollar monatlich US-Staatsanleihen. Inklusive der weiteren Liquiditätsspritzen schießt die Bilanzsumme damit um rund 100 Mrd. Dollar pro Monat nach oben. Damit ist das Gelddrucken noch größer als während des QE3-Gelddruckprogramms von 80 Mrd. Dollar pro Monat. Das ist für mich der entscheidende Treiber für den US-Aktienmarkt nach oben. Wegen dieser Dollar-Schwemme schießt der US-Aktienmarkt in die Stratosphäre. 

  • Die Folge: der Börsenwert des gesamten US-Aktienmarkts beläuft sich inzwischen auf knapp 150 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA. Der Wert liegt damit in der Nähe des Rekordhochs von Ende 1999. 

  • Im Klartext: 20 Jahre nach der damaligen Blase hat die Fed einmal mehr eine gigantische Blase aufgepumpt, die gemessen an vielen anderen Kennzahlen noch viel größer ist als 1999. Dennoch springen Investoren auf den fahrenden Zug auf in der Hoffnung, dass das gigantische Gelddrucken der Fed den S&P500 trotz der horrenden Überbewertung immer weiter nach oben treibt. Wer will sich diese Kursgewinne schon entgegen lassen?

Steigender Dollar belastet den Goldpreis

Für zusätzlichen Abwärtsdruck auf den Goldpreis sorgte zuletzt auch der steigende Dollar. So waren einige US-Konjunkturdaten, wie die Aufträge langlebiger Gebrauchsgüter, etwas besser ausgefallen als erwartet, was den Greenback beflügelt hat. 

Dennoch machen sich viele Investoren weiterhin Sorge, dass sich das US-Wirtschaftswachstum in den nächsten Monaten deutlich abschwächen könnte, was der Rückgang der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf knapp 1,8 Prozent klar widerspiegelt. Daher sind Anleger in den sicheren Hafen Dollar geflüchtet. 

Anleger sollten den S&P500, den Dollar und die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen weiter genau im Auge haben. Von deren Entwicklung wird abhängen, wie lange der Abwärtsdruck auf den Goldpreis anhält. 

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Gigantische US-Aktienblase drückt Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [6]
  • von Hunter | 08.12.2019, 12:54 Antworten

    Dass die Märkte manipuliert werden ist auch keine neue Erkenntnis
    von RexCaligula.
    Welche Massnahmen ergreifst du denn für dich persönlich, oder gibst du dich
    mit dem Wissen zufrieden, dass wir alle an der Nase herumgeführt werden ??

  • von RexCaligula | 06.12.2019, 20:50 Antworten

    Ihr Klugschwätzer...., wir werden alle an der Nase herumgeführt weil in „unserem System“
    Manipulateure die erste Geige spielen. Basta.
    Salve!

  • von Goldjunge | 05.12.2019, 14:57 Antworten


    Warum marschiert denn die Börse nur in eine Richtung.
    -Weil AG-Vorstände in gigantischem Ausmass Aktien auf Pump zurückkaufen
    und egal wie hoch sie bereits stehen, noch mehr kaufen und damit den Kreditrahmen
    ihrer Gesellschaften unnötig belasten.
    Und warum ? Weil die Bonifizierung der Vorstände sich nach dem Aktienkurs richtet.
    Gier frisst Hirn.
    -Weil die Finanzelite um Trump ihm zu einer zweiten Amtsperiode verhelfen will,
    da er Politik für die Superreichen macht.
    Und ausserdem hat Lieschen Müller den Aktienmarkt wieder für sich entdeckt,
    was bedeutet, dass man sich vom Acker machen sollte.

    Aber Fritzthecat glaubt an 50.000

    Grob fahrlässig mein Junge.

  • von NV | 04.12.2019, 06:51 Antworten

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Nun bin ich nur ein interessierter Laie, aber ich frage mich, inwiefern das von der FED gedruckte Geld wirklich (!) zwingend und kausal auf die Aktienkurse wirkt. Ich glaube, dass da noch einige Stationen zwischen liegen... die FED kauft ja wohl nicht direkt die Aktien. Wäre diese Frage einen Artikel wert?

  • von juice | 02.12.2019, 14:48 Antworten

    Irgendwann ist jede Party einmal vorbei und am nächsten Morgen folgt der Kater. Ich pflege dann zu gehen, wenn es am schönsten ist...
    Ich widerspreche fritzthecat ausdrücklich, dass die Bewertung von Assets eine relative Angelegenheit ist.
    Wenn die Bewertung eines Assets durch (zu) viel Geld aufgepumpt wurde, wird diese, früher oder später, wieder auf das angemessene Maß zurückfallen. Die Geschichte des Aktienmarktes ist als eine Boom-und-Bust-Geschichte zu lesen!


  • von Fritzthecat | 02.12.2019, 09:07 Antworten

    Wer kann einen Markt als Blase bezeichnen und wer nicht?
    Alles ist relativ und eine Bewertung ebenso.
    Unmengen Liquidität sind im Markt und die wollen angelegt sein. Wer sagt, daß der Dow nicht auf 50.000 Punkte steigt? In so einer verrückten Zeit wie heute spielen Bewertungen eine untergeordnete Rolle.
    Einen Crash? Daran glaube ich schon lange nicht mehr!

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