Stand: 22.12.2016 von Mr. Gini 2 Kommentare

Alle Jahre wieder wird gegen Ende des Jahres vom Research Institute der Schweizer Großbank Credit Suisse der sog. Global Wealth Report veröffentlicht. Und alle Jahre wieder zeigen die Autoren einige überraschende Fakten auf.

Fest steht, dass auch 2016 die Vermögen auf der Welt - nicht zuletzt dank der überwiegend extrem laxen Geldpolitik - wieder um mehr als 3,5 Billionen US-Dollar zulegen konnten.

256 Billionen US-Dollar - das ist der gesamte Wert der globalen Vermögen in diesem Jahr. Und geht es nach den Autoren der Credit Suisse, so ist immer noch kein Ende der Vermögensfahnenstange in Sicht.

Im Gegenteil. Die Prognose lautet, dass die Vermögen in den kommenden fünf Jahren bis zum Jahr 2021 weiter wachsen werden. Und zwar auf dann 334 Billionen US-Dollar. Naja, Prognosen sind bekanntlich dazu da, von der Wirklichkeit gnadenlos widerlegt zu werden. Es wäre insofern also kaum überraschend, wenn sich diese Prognose am Ende doch nicht wirklich erfüllen wird.

Extreme Ungleichheit

Apropos Überraschungen, wenig überraschend ist jedenfalls, dass dem Bericht zufolge rund 33 Millionen Menschen (oder 0,7 Prozent) weltweit eine Million US-Dollar an Vermögen oder mehr besitzen. Das sind insgesamt 116,6 Billionen US-Dollar oder 45,6 Prozent des Gesamtvermögens.

Weiter ist es Fakt, dass dem Report zufolge das oberste Prozent der Vermögensbesitzer aktuell 50,8 Prozent des weltweiten Haushaltsvermögens auf sich vereint. Das ist bedeutend mehr als noch zur Jahrtausendwende und ein klarer Beleg für die wachsende Ungleichheit auf globaler Ebene. Weiter sei erwähnt, dass 365 Millionen Menschen (oder 7,5 Prozent) demnach zwischen 100.000 und einer Million US-Dollar haben würden. Das entspricht 103,9 Billionen US-Dollar bzw. knapp 41 Prozent des Gesamtvermögens.

897 Millionen Menschen (18,5 Prozent) liegen in der Vermögensklasse zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar. Um zu den Top 10 Prozent der reichsten Menschen zu gehören, muss man 71.600 US-Dollar an Vermögen aufweisen können.

Wie extrem die Kluft mittlerweile geworden ist, zeigt der Blick in den unteren Bereich der Vermögensskala. Traurig, aber wahr ist, dass die große Mehrheit der Menschheit, nämlich gut 3,5 Milliarden (!!!) erwachsene Menschen weniger als 10.000 US-Dollar besitzen. Insgesamt verfügen sie über nur kärgliche 6,1 Billionen US-Dollar oder gut zwei Prozent des Weltvermögens. Noch trauriger stimmt, dass sage und schreibe eine Milliarde erwachsener Menschen weniger als 248 US-Dollar hätten. Das ist mehr als nur beschämend.

Asien wird reicher

Unter dem Strich bleibt ferner zu konstatieren, dass das Vermögenswachstum vor allem in Asien stattfand. So hätten im asiatisch-pazifischen Raum die Privatvermögen um 8,3 Prozent zugelegt, in China habe es aber ein Minus von 2,8 Prozent und in Indien von 0,8 Prozent gegeben. Und auch der Brexit und seine Folgen am Devisenmarkt sorgten für eine Überraschung.

Und zwar für eine negative. Nach dem Brexit-Votum sei die Zahl der US-Dollar-Millionäre in Großbritannien deutlich zurückgegangen. 406.000 ehemalige Millionäre im Vereinigten Königreichs seien eben nun keine US-Dollar-Millionäre mehr, so die Credit Suisse. Das durchschnittliche Vermögen pro Erwachsenem sei im Vereinigten Königreich seit dem Brexit-Votum um 33.000 US-Dollar (31.000 Euro) auf 289.000 US-Dollar zurückgegangen. Hintergrund dieser Entwicklung sei vor allem der Wertverlust des britischen Pfunds seit dem Referendum im Juni sowie die Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Reiche Schweizer

Am reichsten seien der Erhebung zufolge die Schweizer mit einem Pro-Kopf-Vermögen von rechnerisch 562.000 US-Dollar. Mit deutlichem Abstand folgen die Australier (376.000 US-Dollar), die US-Bürger (345.000 US-Dollar) und die Norweger (312.000 US-Dollar). Und es sei auch nicht unerwähnt, dass in Deutschland die Zahl der US-Dollar-Millionäre im Jahresvergleich leicht zunahm.

Und zwar um 44.000 auf nun 1,637 Millionen im Jahr 2016. Und auch die Prognose der Schweizer Großbank für Deutschland sieht „gut“ aus. Bis zum Jahr 2021 soll die Zahl der US-Dollar-Millionäre in deutschen Landen um 30 Prozent auf gut 2,1 Millionen zunehmen. Sehr optimistisch jedenfalls. Vor Jahren, vor dem Ausbruch der Schuldenkrise, war die Prognose für das negative Extrem-Beispiel Griechenland auch noch positiv. Das liegt wohl vielleicht daran, dass tendenziell Prognosen immer nur einseitig positiv ausfallen müssen und Entwicklungen einfach simpel extrapolieren.

Negatives Extrembeispiel

Also, schauen wir uns zum Schluss die negative Überraschung Griechenland etwas näher an. Demnach sank in den sechs Jahren der Rezession in Griechenland das private Gesamtvermögen der Bürger um 587 Mrd. Euro. Pro privatem Haushalt im Krisenland entspricht dies einem Verlust von gut 67.000 Euro. In den Jahren der Krise seien in Griechenland die Immobilienpreise um 45% - 50% gefallen.

Es werde Jahrzehnte brauchen, damit das Land auf das Vorkrisen-Niveau zurückkehre. Immerhin gibt es trotz Depression noch 77.000 griechische US-Dollar- Millionäre.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass es wohl kaum zu erwarten ist, dass die Prognosen der Schweizer sich erfüllen werden. Im Gegenteil, die vielen schwarzen Schwäne, die geldsystemischen Probleme liefern erhebliches negatives Überraschungspotenzial. Das negative Extrem-Beispiel Griechenland lehrt und mahnt indes, hier weiter extrem vorsichtig, ja auch demütig zu bleiben. Vielleicht ist das das gerade die Voraussetzung, um sich am Ende doch positiv überraschen lassen zu können...

Global Wealth Report 2016 extreme Ungleichheit
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [2]
  • von Oliver Ziegler | 25.12.2016, 18:40 Antworten

    Im Internationalen Rang liegt Deutschland übrigens weit abgeschlagen auf Platz 20 mit einem durchschnittlichen Vermögen pro Erwachsenem von 185.000 US-Dollar. Damit liegt Deutschland sogar noch hinter Italien (202.000 US-Dollar), Österreich (206.000 US-Dollar), Frankreich (244.000 US-Dollar), Dänemark (260.000 US-Dollar) und Belgien (271.000 US-Dollar).

    Und als ob das nicht schon armselig genug wäre, sind auch noch die Vermögen in Deutschland weit ungerechter verteilt, als dies in den meisten anderen europäischen Ländern der Fall ist. Der Gini-Wert liegt in Deutschland bei 78,7. Einen deutlich besseren Wert haben zum Beispiel die Niederlande (74,3), Großbritannien (73,2), Polen (73,0), Schweiz (72,1), Frankreich (72,0), Portugal (71,3), Italien (68,7), Spanien (68,0), Griechenland (67,0) oder Belgien (64,1). Weltweit Spitzenreiter ist übrigens - mit deutlichem Abstand vor dem zweitplazierten Slowenien (58,5) - die Slowakei mit einem Gini-Wert von nur 49,0.

    Diese Ungleichheit spiegelt sich auch deutlich in dem medianen Vermögen wider. Hier liegt Deutschland sogar nur auf Platz 28 mit einem medianen Vermögen pro Erwachsenem von 43.000 US-Dollar. Das bedeutet, dass die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland mehr als 43.000 US-Dollar besitzt. Wie lächerlich wenig das ist, wird deutlich wenn man sich nur einige andere westeuropäische Länder betrachtet. Spitzenreiter sind die Schweiz (244.000 US-Dollar, gefolgt von Belgien (155.000 US-Dollar), Norwegen (135.000 US-Dollar) und Luxemburg (125.000 US-Dollar). Selbst Großbritannien (108.000 US-Dollar) kommt zusammen mit Italien (104.000 US-Dollar) und Frankreich (100.000 US-Dollar) auf weit mehr als das doppelte mediane Vermögen als Deutschland. In den Niederlanden werden zusammen mit Irland immerhin noch je 81.000 US-Dollar erreicht und sogar Österreich (53.000 US-Dollar), Finnland und Dänemark (je 52.000 US-Dollar) weisen noch ein mehr als 20 Prozent höheres medianes Vermögen auf als Deutschland.

    Wer über diese Zahlen bis jetzt immer noch nicht wirklich erstaunt ist, der sollte sich spätestens dann verwundert die Augen reiben, wenn er erfährt, dass das mediane Vermögen selbst in Spanien bei unfassbaren 57.000 US-Dollar liegt (die Hälfte aller Erwachsenen Spanier haben also ein Vermögen von mehr als 57.000 US-Dollar). Fast genauso verstörend ist auch die Tatsache, dass das mediane Vermögen in Griechenland bei 53.000 US-Dollar liegen soll.

    Vor diesem Hintergrund ist es fast ein kleiner Trost zu wissen, dass in den USA aufgrund des extrem hohen Gini-Werts von 86,2 (bei dem selbst Deutschland noch ein Lichtblick darstellt), trotz der Tatsache, dass das durchschnittliche Einkommen pro Erwachsener dort mit 345.000 US-Dollar mehr als 85 Prozent höher liegt als bei uns Deutschen, das mediane Einkommen mit 45.000 US-Dollar nur unwesentlich höher ist als bei uns.

    Dazu kann ich nur sagen: ARMES DEUTSCHLAND

    Quelle: http://publications.credit-suisse.com/tasks/render/file/index.cfm?fileid=AD6F2B43-B17B-345E-E20A1A254A3E24A5 (Seite 105-108)

  • von Kuckuck | 23.12.2016, 00:30 Antworten

    Wen wundert´s ?

    UMVERTEILUNG der Steuer-Last nach STEUER-ARTEN. (Vermögens-Steuer, Erbschafts-Steuer, EKSt -> MwSt)
    UMVERTEILUNG der SOZIAL-KOSTEN (Deckelung von Renten- u. Kranken-Vers. + Zusatz-Beiträge für die Arbeitnehmer)
    Von der ungesetzlichen UMVERTEILUNG der ERSPARNISSE wird mit moralistischen Argumenten abgelenkt so gut es geht. Die Geld-INFLATION durch STAATS-FINANZIERUNG aus der Notenpresse und Zins-MANIPULATION ist am Schlimmsten. Das dient nur der Umgehung von Steuer-GESETZEN damit die Wettbewerbs-Fähigkeit der „armen“ Investoren nicht so leidet.
    RECHT-Staatlichkeit besagt aber: alle Handlungen des Staates nur mit GESETZlicher Legitimation und höchst-RICHTERLICH überprüfbar! Parlamente entziehen sich ihrer Pflicht zur STEUER-GESETZgebung und die VERFASSUNGS-mäßig gar nicht legitimierte EZB dient fremden Herren? Der Bürger BÜRGT für solchen Blödsinn ...immerhin mit seinen gesamten Geld-Ersparnissen. Die anschließende Preis-Inflation ist alternativlos ...da hat die Kanzlerin zweifellos „Recht“.
    Durch Besitz kleiner Goldstücke können sich selbst Kleinbürger schützen ...Schulden-frei (!) um einem ungeliebten Vogel aus dem Weg zu gehen, der vorzugsweise seine €ier in fremde Nester legt ...oder am €nde gar auch noch an IHRER Haustüre klebt.

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