Stand: 16.02.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Ein Großteil der diesjährigen Goldpreisgewinne sind aufgrund der etwas gesunkenen globalen Goldnachfrage 2014 mittlerweile zwar wieder zusammengeschmolzen, europäische Anleger können sich aber bei der EZB und den Griechen bedanken, dass sich in Euro gerechnet das Plus in Höhe von über acht Prozent immer noch sehen lassen kann.

Run auf griechische Banken

Während aus der Ukraine nach dem Krisengipfel in Minsk die Hoffnung auf ein Abflauen der Kämpfe zu einer Reduktion des geopolitischen Krisenbonus führte, sorgten die Griechen an den Goldmärkten weiterhin für Gesprächsstoff. Die Diskussion um deren Ausstieg aus dem Euro ("Grexit"), der mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Staatsbankrott einhergehen würde, ließ das gelbe Edelmetall als attraktive Alternative zumindest etwas glänzen. Auf den Gang zur Wahlurne folgte in Griechenland unter vielen Sparern der Gang zur Bank. Laut Medienberichten sollen die Einlagen griechischer Bankkunden auf 147 Milliarden Euro und damit auf ein neues Krisentief gefallen sein. Allein im Dezember und Januar sollen die Griechen 16 Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben haben.

Einige Edelmetallhändler registrieren bereits seit einigen Wochen ein verstärktes Nachfrageinteresse aus Griechenland. Dass sich die Lage Griechenlands aktuell extrem brenzlig darstellt, ist diversen Faktoren geschuldet. Zum einen läuft das Hilfspaket der europäischen Geldgeber am 28. Februar aus. Zum anderen erhöhte die EZB den Druck auf griechische Banken, indem sie griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten für Zentralbankgeld akzeptiert.

Trotz ungenügender Bonität haben die Notenbanker in der Vergangenheit eine Ausnahme gemacht und Gnade vor Recht gelten lassen. Dies alles hat griechische Banken in arge Bedrängnis gebracht und einige von ihnen fristen mittlerweile ihr Börsen-Dasein als Pennystock. Ein erheblich stärkerer Boom der Nachfrage war in der vergangenen Handelswoche hingegen fernab von Griechenland zu beobachten: in China.

Chinesen in Kauflaune und bald in Feierlaune

Ein abrupter Nachfrageeinbruch droht den Goldmärkten aber spätestens am Donnerstag, wenn die Chinesen Neujahr feiern, die Börsen geschlossen und die Goldgeschenke besorgt sind. In der vergangenen Handelswoche gab es an der Shanghai Gold Exchange ein massives Umsatzplus zu vermelden. So kletterte der Wochenumsatz an 1-Kilogramm-Goldbarren von 138.208 auf 198.253 kg (+43,4 Prozent).

Das Jahr 2014 verlief mit Blick auf die chinesische Goldnachfrage allerdings eher mau. Dies belegten die vom World Gold Council am Donnerstag veröffentlichten Jahreszahlen zu Angebot und Nachfrage. So wurden zum Beispiel die Chinesen - nach einjährigem Gastspiel - als goldhungrigste Nation der Welt 2014 wieder von den Indern abgelöst. Dies lag vor allem daran, dass auf dem Subkontinent die Nachfrage weniger heftig einbrach (-13,6 Prozent p.a.) als im Reich der Mitte (-38,0 Prozent p.a.). Mit 842,7 Tonnen repräsentierte Indien 26,2 Prozent der globalen Nachfrage, während China mit 813,6 Tonnen auf einen Anteil von 25,3 Prozent kam. Laut World Gold Council kletterte die kumulierte Nachfrage dieser beiden Staaten in den vergangenen zehn Jahren um 71 Prozent.

Besonders interessant: Während dieses Zeitraums erhöhte sich ihr globaler Anteil von 33 Prozent (2005) auf 54 Prozent (2014). In den kommenden Jahren dürften beide Nationen an den Goldmärkten unverändert eine entscheidende Rolle spielen.

Notenbanken im Kaufrausch

Obwohl es 2014 mit dem Appetit der Schmuckbranche weltweit gegenüber dem Vorjahr um fast 10 Prozent bergab ging, stand sie dennoch für fast 55 Prozent der globalen Nachfrage (siehe Grafik). Auch bei technologischen Anwendungen in der Industrie war das gelbe Edelmetall 2014 weniger stark gefragt. Mit 4,7 Prozent hielt sich der Nachfragerückgang hier allerdings in Grenzen.

Globale Goldnachfrage in Tonnen
Globale Goldnachfrage in Tonnen - 2013 und 2014 im Vergleich

Wachstum war lediglich in zwei Sektoren auszumachen: im Bereich Investments (+2,2 Prozent) sowie unter den Notenbanken (+16,6 Prozent). Letztere schraubten ihre Nettokäufe von 409,3 auf 477,2 Tonnen nach oben. Das stärkste Kaufinteresse war in diesem Zusammenhang in Russland registriert worden, wo die Goldbestände 2014 um 173 Tonnen erhöht wurden.

Rang Zwei teilten sich Kasachstan und Irak mit einem Zuwachs von jeweils 48 Tonnen. Signifikante Verkäufe wurden lediglich von der ukrainischen Notenbank vorgenommen, wo die Existenzkrise die Notenbank des europäischen Landes zu Notverkäufen der eigentlich als Krisenwährung gedachten Goldreserven zwang.

Wochenausblick: Anhaltende Spannung

In der kommenden Woche ist aufgrund des US-Feiertags (Montag) und den chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten (ab Donnerstag) mit rückläufigen Umsätzen zu rechnen. Die geringere Liquidität könnte zu heftigen Kursbewegungen führen, falls neue Meldungen bezüglich der Ostukraine bzw. Griechenland und dadurch ausgelöste Käufe oder Verkäufe auf einen ausgetrockneten Markt treffen.

Aus charttechnischer Sicht sollten Anleger dabei vor allem zwei Marken im Auge behalten: die im Bereich von 1.250 Dollar verlaufende 200-Tage-Linie und die bei 1.200 Dollar angesiedelte Unterstützungszone.

Globale Goldnachfrage 2014: Höhere Nachfrage bei Zentralbanken
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2019 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany