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Stand: 19.10.2021 von Jörg Bernhard
Allianz und Credit Suisse haben in diesem Monat ihren „Global Wealth Report“ mit dem überraschenden Ergebnis veröffentlicht, dass das globale Geldvermögen trotz Corona mit mehr als 200 Billionen Dollar auf ein neues Rekordhoch angestiegen ist.
Globales Geldvermögen steigt über 200 Billionen Dollar

Inflation frisst Billionen Dollar an Kaufkraft auf

Etwas relativiert wird diese Zahl allerdings, wenn man bedenkt, dass der US-Dollar im September einen Kaufkraftverlust von 5,4 Prozent p.a. erlitten hat.

Damit kletterte die US-Inflation auf den höchsten Wert seit 13 Jahren.

Im Grunde genommen heißt dies: Sollten die Konsumentenpreise in den kommenden zwölf Monaten erneut um 5,4 Prozent ansteigen, würde dies zu einem Kaufkraftverlust von 10,8 Billionen Dollar führen.

Zum Vergleich: Die weltweiten Bestände an physischem Gold werden auf über elf Billionen Dollar geschätzt und der häufig als „digitales Gold“ bezeichnete Bitcoin kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von „lediglich“ 1,17 Billionen Dollar.

Beim Thema „Inflation“ sollten sich Anleger über einen Sachverhalt stets im Klaren sein: Bei Bargeld, zinslosen Anlagen auf Giro-, Tagesgeld- oder Festgeldkonten oder mit Strafzinsen belegte Guthaben schlägt die Inflation besonders erbarmungslos zu.

In dieser Kategorie von Geldanlage kann man deutsche Anleger fast schon als „Weltmeister“ bezeichnen.

Laut einer Statistik der Deutschen Bundesbank teilte sich Ende März das Geldvermögen deutscher Privathaushalte folgendermaßen auf:

  • 2.858,1 Milliarden Euro an Bargeld und Einlagen

  • 112,8 Milliarden Euro an Schuldverschreibungen

  • 866,1 Milliarden Euro an Aktien und sonstigen Anteilsrechten

  • 790,7 Milliarden Euro an Investmentfonds

  • 2.484,6 Milliarden Euro an Ansprüchen gegenüber Versicherungs-, Alterssicherungs- und
    Standardgarantie-Systemen

  • 30,3 Milliarden Euro an sonstigen Forderungen

Das Geldvermögen deutscher Privathaushalte

Damit hat sich das Geldvermögen der Deutschen innerhalb eines Jahres von 6.381,0 auf 7.142,6 Milliarden Euro (+11,9 Prozent) erhöht.

Allerdings werden fast 75 Prozent dieser Gelder bei Banken und Versicherungen verwahrt, deren Stabilität sicherlich nicht über jeden Zweifel erhaben sein dürfte. Insbesondere die Risiken des Bankensektors sollten aufgrund der unzähligen Unsicherheitsfaktoren als schwer kalkulierbar angesehen werden.

Einige Finanzinstitute ähneln mehr einer „Black Box“ als einem Partner, dem man das möglicherweise über Jahrzehnte angesparte Vermögen problemlos anvertrauen kann. Selbstverständlich sollte jeder Bürger über eine angemessene Liquiditätsreserve verfügen, auf die man schnell zugreifen kann.

Diese ist vor allem von den individuellen Lebensverhältnissen abhängig.

Wer kann, sollte daher auch andere Anlageklassen wie Immobilien, Aktien, Fonds oder Edelmetalle wie Gold und Silber unbedingt berücksichtigen, schließlich handelt es sich bei dem Euro um eine ungedeckte Fiat-Währung mit relativ geringer Historie.

Sie basiert ausschließlich auf dem Vertrauen, auch in Zukunft als Tauschmittel für werthaltige Waren und Dienstleistungen zu funktionieren.

In Deutschland wurde dieses Vertrauen in der Vergangenheit allerdings des Öfteren enttäuscht.

Ausblick für die laufende Woche

Neben dem Schreckgespenst Inflation sorgen sich die Anleger weltweit auch vor einer drohenden Stagflation – also dem Zusammentreffen von hoher Inflation bei stagnierender Wirtschaft.

Zum Wochenauftakt meldete zum Beispiel China für das dritte Quartal einen Rückgang des Wirtschaftswachstums von 7,9 Prozent (Q2) auf 4,9 Prozent p.a. Bei der Industrieproduktion gab es im selben Zeitraum eine Verlangsamung von 5,3 auf 3,1 Prozent p.a. zu beklagen.

So ganz von der Hand zu weisen, sind die Stagflationsängste sicherlich nicht, schließlich hat der Preisauftrieb auf breiter Front bereits zu Fabrikschließungen und Kurzarbeit geführt.

In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob sich die sogenannte Flaschenhals-Inflation – wie von bedeutenden Notenbankern und Volkswirten behauptet – als temporäres Phänomen erweisen wird.

Falls nicht, dürfte dies weiterhin für den Kauf von Gold sprechen, insbesondere bei langfristigem Anlagehorizont.

Obwohl sich das gelbe Edelmetall in diesem Jahr vor allem gegen massive Verkäufe an den Terminmärkten und im ETF-Sektor erwehren musste, kann man angesichts eines Jahresverlust von 7,1 Prozent (Dollar) bzw. 1,8 Prozent (Euro) fast schon von relativer Stärke sprechen.

Und diese erscheint mir keineswegs unbegründet zu sein.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Aureus | 22.10.2021, 01:34 Antworten

Der Artikel beschreibt, worin man investieren sollte (Immobilien, Aktien, Fonds oder Edelmetalle wie Gold und Silber); daher eine kleine Ergänzung, worin man als konservativer Investor nicht oder aber nur geringe Prozentbeträge seines Geldes investieren sollte: hierzu zählen, grob gesprochen, alle Arten von Zertifikaten einer Bank, denn diese stellen rechtlich gesehen kein Sondervermögen sondern eine Inhaberschuldverschreibung dar und somit kann der Insolvenzverwalter diese Vermögen vereinnahmen und
sie der Insolvenzmasse zuschlagen.
Auch Junk-Bonds oder euphemistisch auch High-Yield-Bonds genannt (fangen mit einem Credit-Rating von Baa bzw. Bbb an) sind auf Grund des hohen Zahlungsausfallrisikos nur als spekulative Beimischung empfehlenswert.

von Kaloriker | 20.10.2021, 11:02 Antworten

Gute Gegenüberstellung der 1en und 0en.
Bei den recht hohen Aktienvermögen geht aber, neben dem Unternehmensrisiko, u. U. auch das "Vermögen" verloren an das Geld ran zu kommen, wenn die (Broker-) Banken schließen. Ist also nur zum Ausgleich einer kontrollierbaren Inflation oder Teuerung zu erwägen.

von Robin | 20.10.2021, 10:35 Antworten

Ist ja schön, dass die Welt so Wohlhabend ist. Aber leider ist das Vermögen durch die Fiatwährungen der Welt total falsch und ungerecht verteilt. 2 % der Leute haben 95 % des Vermögens.

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