Stand: 17.07.2019 von Florian Grummes 9 Kommentare

Zwischen dem 30.Mai und dem 25.Juni gelang dem Goldpreis in gerade einmal dreieinhalb Wochen der lange erwartete Ausbruch über die jahrelange Widerstandszone zwischen 1.350 und 1.375 US-Dollar. Seitdem konsolidiert der Goldmarkt den scharfen Anstieg auf hohem Niveau seitwärts. Nachdem die Volatilität zunächst ebenfalls stark angestiegen war, hat sich Lage zuletzt etwas beruhigt.

Dennoch bleibt der Goldpreis in diesen Tagen ein hochexplosives Gemisch. Einerseits gibt es einen klaren Aufwärtstrend, der charttechnisch eher auf eine direkte Fortsetzung der Rally schließen lässt. Andererseits liefern der Terminmarkt als auch das Sentiment deutliche Warnsignale, die zunächst einen Rücklauf an das Ausbruchsniveau um 1.350 US-Dollar erwarten lassen.  

Goldpreis in US-Dollar – Konsolidierung auf hohem Niveau

Goldpreis in US-Dollar – Konsolidierung auf hohem Niveau - Chart

Der Goldpreis bewegt sich in der laufenden Handelswoche bislang in einer relativ engen Spanne zwischen 1.410 und 1.417 US-Dollar. Dass sich die Notierungen weiterhin oberhalb der psychologischen Marke von 1.400 US-Dollar halten können, ist natürlich durchaus positiv. Zumal sich Gold in US-Dollar in der vergangenen Woche den Rücksetzer bis auf 1.386 mit einer direkten Erholung bis auf 1.427 US-Dollar doch recht deutlich kontern konnte.

Der Aufwärtstrend seit Ende Mai ist bislang ungefährdet intakt, während die Konsolidierung momentan nach einer Dreiecks-Formation aussieht. Kurse oberhalb von 1.425 US-Dollar würden daher ab jetzt wohl die Fortsetzung der Rally einläuten. Dann könnte Gold auch bis 1.480 und darüber hinaus 1.500 – 1.525 US-Dollar einfach weiter durchmarschieren.

Gegen dieses bullische Szenario sprechen allerdings einige gewichtige Argumente. So verfehlte der Hochpunkt der letzten Woche die beiden zuvor erreichten Hochpunkte bei 1.438 US-Dollar und 1.437 US-Dollar.

Charttechnisch ergibt sich daraus ein mögliches Triple-Top mit absteigenden Hochpunkten. Die Bullen haben also an Momentum verloren während sich die Goldnotierungen seit drei Wochen oberhalb von 1.400 US-Dollar zunehmend festlaufen.

Gold Terminmarkt Shortposition

Darüber hinaus sendet die Konstellation am Gold-Terminmarkt ein starkes Warnsignal, denn hier haben die kommerziellen Hedger mit aktuell 278.416 leerverkauften Kontrakten eine exorbitant große Shortposition aufgebaut.

Es wäre doch sehr überraschend, wenn die Profis mit einer derartigen Positionierung eine weitere Goldrallye von ca. 100 US-Dollar gegen sich zulassen sollten.

Außerdem, und auch das wiegt schwer, taucht in der letzten Woche der sogenannte Titelblattindikator zumindest ansatzweise auf. So fragen Mainstream Finanzzeitungen auf ihren Titelseiten, ob Gold vor dem größten Anstieg aller Zeiten stehen würde.

Als Antizykliker wissen wir, dass das Sentiment meist schwer zu messen ist. Umso wichtiger sind solche plakativen Ansagen einiger Mainstream Finanzzeitungen. Da die Masse der Anleger letztlich immer falsch liegt und Mainstream-Finanzzeitungen dies massenpsychologisch meist hervorragend reflektiert, deutet der Titelblattindikator momentan eher an, dass Gold in den kommenden Wochen erstmal billiger werden wird!

Insgesamt erscheint die Wahrscheinlichkeit eines Rücksetzers in Richtung der Ausbruchszone zwischen 1.350 und 1.375 US-Dollar also doch höher als eine direkte Fortsetzung der Rally über 1.440 US-Dollar hinaus.

Im Fall eines Rücksetzers könnte der Goldmarkt die schwachen Hände wieder abschütteln und die Profis könnten ihre leerverkauften Positionen zu tieferen Kursen am Terminmarkt eindecken. Der Rücksetzer würde dann zwischen 1.345 und 1.365 US-Dollar eine gute Kaufchance liefern. 

Alternativ bleibt der Kaufdruck groß genug und erzwingt die Fortsetzung der Rally. Sollte der Goldpreis daher nun doch erneut über 1.425/1.430 US-Dollar ansteigen, macht ein prozyklischer Einstieg Sinn. In diesem Fall geht die fulminante Rally in Richtung 1.500 US-Dollar tatsächlich direkt und ohne Umweg weiter. 

Gold in Euro – Nächste Kaufchance unterhalb 1.220 Euro 

Gold in Euro – Nächste Kaufchance unterhalb 1.220 Euro - Chart

Der Goldpreis in Euro gerechnet hat sich seit Ende Mai ebenfalls deutlich verteuert. Mit derzeit 1.257 Euro haben die Notierungen die obere Begrenzung des zehnmonatigen Aufwärtstrendkanals erreicht.

Ähnlich wie beim Gold in US-Dollar ist auch hier seit drei Wochen eine Konsolidierung zu beobachten, wobei der bisherige Hochpunkt erst am 3.Juli bei 1.272 Euro erzielt wurde.

Die 50-Tagelinie (1.196 Euro) sowie die 200-Tagelinie (1.139 Euro) bewegen sich beide deutlich unterhalb des aktuellen Preisgeschehens.

Letztlich ist die Ausgangslage ähnlich wie beim Gold in US-Dollar. Ein Rücksetzer in Richtung 1.200 bis 1.220 Euro wäre gesund und würde das bullische Bild nicht gefährden. Bislang ist davon aber (noch) nichts auf dem Chart zusehen.

Gestaffelte Kauflimits zwischen 1.175 Euro und 1.225 Euro

Das vor vier Wochen empfohlene Kauflimit hat bislang nicht gegriffen. Aufgrund der weiter gestiegenen Preise empfiehlt sich jetzt ein gestaffelter Einstieg mit folgenden Kauflimits: 1.175 Euro, 1.200 Euro und 1.225 Euro. Unterhalb diese drei Marken sollte jeweils ein Drittel der insgesamt geplanten Investition getätigt werden.

Bitte erwarten sie grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen sie sich nochmals klar, dass es sich bei physischen Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt!

Auch wenn die Performance im Vergleich zu anderen Anlageklassen in den letzten Jahren eher enttäuschend war, führt an den physischen Edelmetallen Gold und Silber als Stabilisator und ruhender Anker kein Weg vorbei.

Gold – 1.500 US-Dollar mit oder ohne Umweg
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
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Kommentare [9]
  • von Thomas Richter | 08.08.2019, 07:52 Antworten

    Gold ist jetzt bei gut 1.500.- Dollar angelangt. Es hat ein wenig gedauert. Da es keine Zinsen mehr auf Sparguthaben gibt, werden Sachwerte mehr und mehr gekauft. Ich würde sagen es war ein kleiner Umweg und die 1.600.- Dollar werden enorm schwer zu erreichen.

  • von Else Wattenscheid | 19.07.2019, 11:35 Antworten

    Im Dezember ist ein Kauf bei 1200$ gegeben

  • von Hätte, täte, sollte, könnte, wäre möglich | 18.07.2019, 23:34 Antworten

    "Gold in Euro – Nächste Kaufchance unterhalb 1.220 Euro" bei Stand 1282.
    Sorry, aber wer eine TA in Gold/€ erstellt sollte man den noch wirklich ernst nehmen?
    Aurum wird in $ gehandelt und sicher so betrachtenswert.

  • von Goldhamster | 17.07.2019, 23:21 Antworten

    Nun ja dieser Artikel war echt so sinnvoll wie der von vor 4 Wochen. "Das vor vier Wochen empfohlene Kauflimit hat bislang nicht gegriffen. Aufgrund der weiter gestiegenen Preise empfiehlt sich jetzt" Warum hatte ich es nur dort schon formuliert?

  • von Peter gülikers | 17.07.2019, 22:29 Antworten

    Sehr geehrter Herr Grimmes,ich denke die zahlenspielerein mit graphiken bringen gar nichts um den Anstieg des Goldpreises zu verstehen. Schauen sie sich die Verschuldung weltweit an um zu begreifen dass immer mehr Menschen versuchen in Sachwerte zu gehen. Der Crash im Finanzwesen kommt wie das Amen in der Kirche. Ich habe mich immer gefragt woher die plötzlichen Kurseinbrüche beim Goldkurs kommen. Ihre Info über den Leerverkauf von ca.278000 kontrakten hat mich aufgeklärt. So etwas könnte man auch als kriminell bezeichnen obwohl es legal ist.

  • von Max Schneider | 17.07.2019, 14:09 Antworten

    Sehr geschätzter Herr Grummes,
    danke für Ihre Einschätzung.
    Erstaunlich wie gut sich Silber derzeit endlich "hinterherentwickelt"!
    Auch Ihre Analyse auf celtic... hat mir sehr gut gefallen bzgl. der Alternativen (BTC usw.)!
    Beste Grüße
    Max Schneider
    P. S.: Wie immer gilt, konstruktive Kritik mit genauen Preisniveaus willkommen ;-)

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