Stand: 18.09.2018 von Jörg Bernhard 7 Kommentare

Am vergangenen Samstag jährte sich die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers zum zehnten Mal. Anlass genug für einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt, eine Begutachtung der globalen Finanzsysteme und einen Blick in die Zukunft.

Finanzkrise 2008/2009: Wie das Debakel begann

Als Auslöser der damaligen Finanzkrise wird zwar meist die Insolvenz von Lehman Brothers genannt, im Grunde fungierte sie aber vor allem als Katalysator der nachfolgenden globalen Finanzkrise. Bereits vor der größten Bankenpleite der US-Geschichte standen große Finanzinstitute vor dem Aus. Bereits im Jahr 2007 mussten zwei Banken aufgrund der durch die US-Immobilienkrise verursachten Milliardenverluste vom Steuerzahler gerettet werden. Dabei handelte es sich um die US-Investmentbank Bear Stearns sowie die deutsche Mittelstandsbank IKB.

Als "Wurzel allen Übels" galt die in den USA praktizierte Kreditvergabe zum Immobilienkauf an Kreditnehmer mit geringer Bonität. Weil die US-Leitzinsen Mitte 2006 sukzessive auf über fünf Prozent erhöht wurden, konnten viele US-Amerikaner ihre Raten nicht mehr zahlen, was zu einem Einbruch der Immobilienpreise geführt hat. 

Weil aber all diese Kredite in Derivate verpackt und in die ganze Welt verkauft wurden, blieb die Krise nicht auf die USA begrenzt, sondern mutierte zur globalen Finanzkrise. Selbst Kreditausfallversicherungen –  so genannte Credit Default Swaps – konnten aufgrund der schieren Größe des eingetretenen Versicherungsschadens nicht funktionieren.

Nachdem sich die US-Regierung im September 2008 geweigert hatte, Lehman Brothers zu retten, brachen an den internationalen Geldmärkten dann sämtliche Dämme. Kein Finanzinstitut wollte einem anderen aufgrund des enorm gestiegenen Risikos Geld leihen, schließlich wusste niemand, wen als nächstes die Zahlungsunfähigkeit ereilt. Notenbanken mussten zur Vermeidung eines Zusammenbruchs der Finanzsysteme Liquidität zum Nulltarif und in Milliardenhöhe zur Verfügung stellen.

Zum Höhepunkt der Krise sah sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am 5. Oktober 2008 sogar genötigt, zusammen mit dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück die Sicherheit aller deutscher Spareinlagen zu garantieren. Weniger als vier Jahre später, musste EZB-Chef Mario Draghi im Juli 2012 mit seiner "Whatever-it-takes-Rede" ähnlich starke Worte wählen, um einen Zusammenbruch des Euros zu verhindern. In den vergangenen Jahren ist es zwar ruhiger geworden, da keine ähnlich große Rettungsmaßnahmen auf der Agenda standen – doch die Ruhe macht derzeit einen relativ trügerischen Eindruck.

Videobeitrag des ZDFs zur 10-jährigen Lehman-Pleite

Schuldenberge so weit das Auge reicht

Das Vermeiden einer Kernschmelze der globalen Finanzsysteme hatte aber einen hohen Preis, schließlich haben sich dadurch die Bilanzen der beiden wichtigsten Notenbanken Fed (4,2 Billionen USD) und EZB (4,6 Billionen EUR) innerhalb eines Jahrzehnts vervielfacht (siehe Tabelle). Da sich die Investoren an die ultraexpansive Geldpolitik gewöhnt haben und das billige Geld Anlageklassen wie Anleihen, Aktien und Immobilien nach oben getrieben haben, dürfte die Entwöhnung von extrem niedrigen Zinsen ein ausgesprochen schwieriges Unterfangen werden und einem Drahtseilakt bzw. einer Gratwanderung bei widriger werdenden Wetterbedingungen gleichen.

Bilanzsummen der Notenbanken
USA 4,21 Billionen Dollar
Eurozone 4,61 Billionen Euro
Japan 550,9 Billionen Yen
Großbritannien 592 Milliarden Pfund
China 36,26 Billionen Yuan
Quelle: Trading Economics

Sollte sich das globale Wirtschaftswachstum aufgrund der internationalen Handelskonflikte deutlich abschwächen oder gar negativ werden oder die Zinsen kräftig anziehen, dürften hochverschuldete Privathaushalte, Unternehmen und Staaten massive Probleme bei der Re-Finanzierung des Schuldenbergs bekommen – von Tilgung wollen wir in diesem Zusammenhang erst gar nicht reden.

Videobeitrag phoenix Runde zur Lehman-Pleite und Bankenregulierung

Ausblick für die laufende Woche

Die US-Wirtschaft strotzt – allen Unkenrufen zum Trotz – weiterhin vor relativer Stärke. Der Glaube an den Dollar scheint trotz einer unberechenbaren US-Politik und dem ungelösten Handelskonflikt zwischen den USA und China unter Investoren fest verankert zu sein. Als "sicherer Hafen" übt er angesichts der latent vorhandenen Risiken eine starke Anziehungskraft aus. Viel Kapital fließt dank der Aussicht auf weiter steigende US-Renditen in die USA. Zehnjährige US-Staatsanleihen werfen Renditen von fast drei Prozent ab, wovon deutsche Anleger allenfalls träumen können. Abzüglich Inflation bleibt netto aber auch nichts übrig.

Normalerweise gelten solch niedrige (USA) bzw. negative Realzinsen (Deutschland) als Argument für den Kauf von Gold. Aber offensichtlich sind die Zeiten zehn Jahre nach Lehman Brothers weiterhin alles andere als normal.

Gold: Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [7]
  • von GOLD-Finger | 21.09.2018, 15:47 Antworten

    Der Kauf von Gold wird schon getätigt allerdings gibt s genug "DUMME" die denken wenn Sie ein 4-5 * verkauftes herausgegebenes 1 OZ Papiergold haben das Sie quasi abgesichert sind. Wenn Banken crashen ( Gr,land-Zypern zB )kriegen die Leute noch nichtmal Ihr Geld ( da kann ein BK versprechen was Sie will ) Und ganz ehrlich glaubt Ihr Papiergoldbesitzer das Ihr dann mit Euren Blatt Papier was der Bänker 5* verkauft hat tatsächlich Euren Goldbarren bekommt ?? ( wenn noch nichtmal mehr das normale Bargeld ausgez. werden kann )

    • von bling bling | 21.09.2018, 17:48 Antworten

      nachrang bzw. überhaupt kein rang

  • von Merkelungläubig | 21.09.2018, 09:10 Antworten

    Am 5. Oktober 2008 hat fast jeder der Bundeskanzlerin Angela Merkel geglaubt, weil die meisten Besorgten glauben wollten. Heute ist vielen bewusst, dass dieser Politukerin nicht zu trauen ist. Eine Bank mit nur ein bis drei Prozent Eigenkapital kann auch nur an ein bis drei Prozent der Kunden ihr Geld zurück zahlen. Nur die, mit der schnellsten Reaktion, werden ihr Geld erhalten. Der Rest muss warten bis die Schuldner der Bank ihre Schulden vielleicht ratenweise zurückzahlen oder Frau Merkel einspringt.

  • von Peter L Ustig | 20.09.2018, 22:14 Antworten

    ... Geduld und Beharrlichkeit haben sich in Vergangenen Zeiten bewährt und ausgezahlt/gelohnt .
    Gold war bisher trotz "Hochs-und Tiefs" immer ein sicherer Hafen zur Sicherung seiner Rücklagen, um die Kaufkraft seiner Werte zu bewahren und aus dem windigen- unsicheren Pool der Finanzjongleure (Banken/Börsen/Staatsanleihen-Anpreiser, etc.) herauszulösen/herauszunehmen!

    Es wird sich bald zeigen, ob bedruckte Papierlappen und Urkunden auch zukünftig hierzulande und auch global ihr VERSPRECHEN (...nichts anderes sind diese seit ihrerErfindung) einhalten oder gewährleisten können/werden... oder dann später lediglich zum Tapezieren / Feuermachen geeignet sein werden.

    Bei den künstlich erzeugten diversen BitCoins wird sich auf Dauer / Langstrecke ebenfalls noch zeigen , ob diese langstreckentauglich sind, oder Strohfeuer waren.

    Es gibt viele Pferde auf die jedermann setzen kann, ob diese jeweiligen einen mal durch die Wüste bringen oder auf halber Strecke zusammenbrechen oder verdursten...liegt am Reiter und dessen Fähigkeit ein ausdauernden Kaltblüter oder grazilen Warmblüter-Rennhengst genommen zu haben. ;-)

    Es wird spannend bleiben.

  • von Sinnüberzeugter | 20.09.2018, 15:40 Antworten

    Wenn die EU überleben sollte, dann keinesfalls mit den jetzigen Spielregeln. Die nächste Krise wird sicherlich kommen. Die Schulden sind inzwischen dreimal höher und das Vertrauen der Bürger in die Politik ist deutlich geringer. Die junge Genaration in den südlichen Ländern hat immer noch keine wettbewerbsfähigen Arbeitsplätze und die Jungen im Norden werden nicht für die Untätigen weiterarbeiten wollen und sie werden auch keine höheren Steuern oder sonstige enteignungsgleiche Maßnahmen akzeptieren. Deshalb werden bei der nächsten größeren Krise die Dämme brechen. Den größten Teil der Zeche zahlen die Euro-Gutgläubigen. . Sozialistische Politiker haben überwiegend schon immer an die Solidarität bis zum Zusammenbruch geglaubt. Notfalls wird man schon einen anderen Schuldigen für den Zusammenbruch finden. Die Medien werden hierbei auch noch mitspielen.

  • von Minenfan | 19.09.2018, 04:57 Antworten

    Sehr gut erklärt. Kompliment

  • von bling bling | 18.09.2018, 13:51 Antworten

    liest sich so als wäre alles ganz einfach:
    der fehler lag vor 10 jahren bei der zinserhöhenden fed.
    der fehler liegt heute bei der zinserhöhenden fed.
    was jetzt? muss trump nochmal auf den tisch hauen?

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