Stand: 28.12.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Goldbesitzer können das Jahr 2015 demnächst abhaken und nach dem höchstwahrscheinlich dritten Verlustjahr in Folge nun auf 2016 hoffen. Mit Blick auf die bis dato registrierte diesjährige Performance in Höhe von minus 10,6 Prozent (in Dollar) bzw. minus 0,9 Prozent (in Euro) kommt allerdings nicht zum Ausdruck, dass an den Goldmärkten in den vergangenen zwölf Monaten ziemlich viel los war.

Krisenwährung in der Krise

Nach verheißungsvollem Jahresauftakt kletterte der Goldpreis - getrieben von der Freigabe des Schweizer Franken sowie den Krisen in Griechenland und in der Ukraine - in der zweiten Januarhälfte auf ein Jahreshoch von mehr als 1.306 Dollar. Aus charttechnischer Sicht keimte nach dem Überwinden der 200-Tage-Linie und dem Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal sogar Hoffnung auf einen Turnaround auf. Doch beide Kaufsignale erwiesen sich einmal mehr als "Bullenfallen".

Danach ging der Krisenschutz Gold auf Talfahrt und rutschte - unterbrochen von temporären Erholungsphasen von in der Spitze bis zu 100 Dollar - in der zweiten Dezemberhälfte mit 1.047 Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit über sechs Jahren ab. Damit befindet sich die Anlageklasse mit Substanz fast schon selbst in der Krise. Doch echte Angst kann man unter Goldinvestoren noch nicht ausmachen, wie ein Blick auf die Risikokennzahl Volatilität zeigt.

Ein von der Terminbörse CBOE aus Optionen auf Gold-ETFs ermittelter Volatilitätsindex liegt mit aktuell 15,0 Prozent nicht nur meilenweit unter dem Vergleichswert von Rohöl (44,8 Prozent), sondern zugleich auch signifikant unter den Pendants auf breit diversifizierte Aktienindizes wie dem NASDAQ (17,8 Prozent), dem S&P-100 (16,7 Prozent) oder dem Nebenwerteindex Russell-2000 (18,5 Prozent).

Gold Jahresperformance bis 2015

Verkaufsargumente en masse bei Gold

Keine Frage, zwei Themenbereiche haben den Goldpreis in den vergangenen zwölf Monaten besonders stark ausgebremst: die ausgebliebene Inflation bzw. drohende Deflation sowie die Aussicht auf steigende US-Zinsen. Dass sich die ausufernden Geldmengen bislang noch nicht in höheren Konsumentenpreisen niedergeschlagen haben, ist vor allem auf den Einbruch der Energie- und Rohstoffpreise zurückzuführen.

Auf Dollarbasis haben sich allein die Ölsorten Brent und WTI im Jahr 2015 um 34 Prozent verbilligt und waren damit für die extrem niedrigen Teuerungsraten hauptverantwortlich. Dieser negative Einfluss dürfte sich in Zukunft aber allein aufgrund des Basiseffekts mehr und mehr verflüchtigen und die Inflationsrate in Richtung der von Fed und EZB gewünschten Marke von zwei Prozent ansteigen lassen. Ob sie dann zum Erliegen kommt, muss abgewartet und darf allerdings bezweifelt werden.

Steigende Zinsen galten aufgrund der daraus resultierenden Opportunitätskosten (Zinsverzicht der Goldinvestoren) in der Vergangenheit stets als nachteilhaft für Gold. Doch zu sehr sollte man sich als Anleger auf diese vermeintliche Regel nicht verlassen. Sollten nämlich die Konsumentenpreise schneller steigen als die mit Staatsanleihen bester Bonität erzielbaren Renditen, dürfte sich die Finanzwelt hinsichtlich Gold höchstwahrscheinlich wieder an dessen Funktion als Inflationsschutz erinnern und ihm möglicherweise zu einem Comeback verhelfen. Bis dahin hilft nur eines: Abwarten.

Verkaufsdruck durch ETFs und Futures

Während der globale Verkauf von Goldbarren und -münzen laut World Gold Council, einem internationalen Branchenverband der Goldminenindustrie, 2015 deutlich anzog, sorgten zwei Bereiche für erheblichen Gegenwind. Massiver Verkaufsdruck kam nämlich aus dem ETF-Sektor und von der Terminbörse. Wöchentlich veröffentlichte Daten der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission zur Stimmung großer und kleiner Terminspekulanten sprachen Bände. Diese Gruppe von Marktakteuren griff bei Gold-Futures im Januar beherzt zu, was die Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) innerhalb weniger Wochen von 113.134 in der Spitze auf 206.160 Kontrakte emporschnellen ließ. Danach löste sich dieser Optimismus jedoch regelrecht in Luft auf. Anfang Dezember waren Terminspekulanten mit kümmerlichen 2.911 Futures netto long. Ähnlich miserabel war die Stimmung letztmals vor über 14 Jahren.

Da die Investoren mit den dicken Konten aufgrund des beträchtlichen logistischen Aufwands auf den Handel von Barren und Münzen verzichten und stattdessen lieber auf physisch besichertes Papiergold wie den weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares setzen, wirken sich deren Transaktionen erfahrungsgemäß besonders stark auf den Goldpreis aus. Seit dem Jahreswechsel kam es 2015 allein bei diesem Finanzprodukt mit "Gold-Touch" zu Abflüssen von 709,02 auf 644,75 Tonnen (Stand: 24.12.15). Das heißt: Aus diesem ETF flossen in diesem Jahr bislang mehr als fünf Milliarden Dollar ab. Seit seinem im Dezember 2012 markierten Rekordgewicht von über 1.353 Tonnen beläuft sich der "Aderlass" sogar auf mehr als 50 Milliarden Dollar.

Dass dies beim Goldpreis "Blessuren" hinterlassen muss, liegt auf der Hand. Trotz anhaltender Unsicherheit dürfte beim gelben Edelmetall eines aber sicher sein: Nach der seit drei Jahren andauernden Talfahrt fällt das Rückschlagpotenzial aus charttechnischer Sicht deutlich geringer aus als bei Aktienindizes wie DAX oder Dow.

Gold: 2015 - nicht glänzend, dafür spannend
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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