Stand: 25.04.2017  16 Kommentare

Zugegeben: Die Überschrift klingt provokant. Doch das Ergebnis einer Besucheranalyse unseres Portals www.gold.de hat uns überrascht. Demnach sind 85 % der Besucher männlich. Oder anders: Von 100 Besuchern sind nur 15 Frauen. Interessieren sich Frauen wirklich so wenig für Anlagegold oder Gold als Wert?

OK, einen "Männerüberschuss” hätten wir erwartet. Aber eine derart eindeutige Verteilung nicht. Doch es ist Fakt: Die Themen unseres Portals, also Goldanlage, Goldmünzen, Goldbarren, Goldankauf oder Goldverkauf interessieren die Damenwelt (fast) nicht. Sollte Gold als Wertanlage aber nicht ein vergleichsweise neutrales Thema sein? Sachwertanlagen haben doch zur Zeit Konjunktur.

Gold als Geldanlage interessiert Frauen nicht

Die Analyse

Nein, an der Analyse liegt es nicht. Die Zahlen sind belastbar. Zudem ist unser Portal die meistgenutzte Plattform für Preisvergleiche im Bereich Gold und Edelmetallhandel. Das Besucheraufkommen ist relevant.

Zahlen und Fakten

Um die extrem ungleiche Geschlechterverteilung hinreichend zu ergründen, haben wir zunächst andere Ergebnisse angeschaut. Die meisten unserer Besucher/Innen sind zwischen 40 und 59 Jahre alt. Darunter also auch die Altersgruppe, welche von Marketingexperten und Kosumforschern gern als "Best Ager” bezeichnet wird. Diese Altersgruppe ist kaufkräftig, und sie lässt Rückschlüsse auf Werte und Einstellungen zu.

Bei der Intention haben wir ebenfalls eindeutige Erkenntnisse. Die Meisten wollen primär Gold kaufen. Der Wunsch nach allgemeineren Gold Informationen ist als Grund für den Besuch unseres Portals ebenfalls wichtig. Doch was sagt uns das über die Besucherinnen?

Die Besucherin, das unbekannte Wesen

Bei der Suche nach Erklärungen entstanden bei uns in der Redaktion (übrigens paritätisch besetzt mit Männern und Frauen) interessante Diskussionen. Natürlich ist Goldkauf ein Thema vor allem für Besserverdienende. Denn nur wer Geld übrig hat, kann auch was auf die hohe Kante legen.

Nun leben wir aber nicht mehr im 19. Jahrhundert. Heute verdienen auch Frauen Geld. Viele davon gut. Vermögensaufbau kann nicht zu 85% ein Männerthema sein. Eine Erklärung kann also nur gefunden werden, wenn diese Zahl abgeglichen wird mit gesellschaftlichen Realitäten. Dies ist noch relativ einfach, da es genug Studien und Analysen gibt zu Einkommensverhältnissen, Haushalt oder Beruf.

Warum Männer nicht einparken können

Schwieriger wird es bei Eigenschaften, Einstellungen und Werten. Denn was angeblich typisch männlich oder typisch weiblich ist - darüber streiten sich Wissenschaftler seit Jahren. Je nach Couleur behaupten Hirnforscher, Verhaltensbiologen, Sozialpsychologen oder Feministinnen mal das Eine, mal das Andere. Ganz ohne Spekulation geht es also nicht. Dies birgt aber die Gefahr, in Klischees abzudriften mit Verallgemeinerungen á la "Männer wollen...” oder "Frauen sind...”

Erklärungsansätze

In der Summe bedeutet dies, dass es keine endgültigen Antworten gibt. Aber wir haben Erklärungsansätze, die wir im Folgenden gern zur Diskussion stellen. 


#1: "Das Finanzielle macht mein Mann”

Fakt ist: Noch immer üben mehr Männer als Frauen bezahlte Berufe aus. So listet das Jahrbuch 2015 des statistischen Bundesamtes für das Jahr 2015 über 21,4 Millionen erwerbstätige Männer in Deutschland auf. Die Zahl der erwerbstätigen Frauen betrug dagegen nur 18,7 Millionen.*

Erhellend in diesem Zusammenhang ist auch ein Blick in die Geschichte. Das Rollenklischee vom Heimchen am Herd liegt nämlich noch gar nicht solange zurück. Bis 1962 durfte die Ehefrau kein eigenes Konto haben ohne Zustimmung des Ehemannes. Und es dauerte sogar bis 1977, bis die Ehefrau endlich ohne Zustimmung des Gatten einen Beruf ausüben konnte.

Schlussfolgerung: Es darf vermutet werden, dass in bundesdeutschen Haushalten Vermögensplanung, und somit Goldkauf, noch immer mehrheitlich "sein” Thema ist.


#2: Wenn Frauen arbeiten, dann verdienen sie weniger

Fakt ist: Statistisch gesehen arbeiten mehr Frauen als Männer in schlecht bezahlten Branchen. Frauen arbeiten häufiger als geringfügig Beschäftigte, oder sie verdienen bei gleichwertiger Arbeit weniger. Soziologen nennen dies auch gern Gender Pay Gap. So ermittelte das statistische Bundesamt, dass im Jahr 2016 der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen noch immer 21 Prozent niedriger lag als der von Männern. Bemerkenswert deshalb, weil dies derselbe Wert ist wie 1995.

Ähnlich das Bild bei den Führungspositionen. So weist die Statistik für das Jahr 2016 nur 22,5 % Frauen aus, die in ihrem Beruf eine Führungsposition ausüben.***

Statistik: Frauen in Führungspositionen 2016


Schlussfolgerung: Wer wenig verdient, interessiert sich auch wenig für Geldanlage.


#3: Alleinerziehend sind vor allem Mütter

Fakt ist: Es gibt in Deutschland fast zweieinhalb Millionen alleinerziehende Mütter. Die Anzahl an alleinerziehenden Vätern beträgt nicht mal ein Fünftel dieses Wertes.

Schlussfolgerung: Wer sich allein um Kinder kümmern muss, hat meist ein knappes Haushaltsbudget. Und somit andere Prioritäten als sich mit Vermögensanlage zu beschäftigen.


#4: "Ich verlasse mich auf die Rente meines Mannes”

Fakt ist: Es gibt mehr Witwen als Witwer. So ermittelte das Statistische Bundesamt beim Zensus 2011 über 4,7 Millionen verwitwet lebende Frauen. Dieser Zahl stehen nur etwas über 1 Million Witwer gegenüber**.

Sich auf die Rente des Mannes zu verlassen dürfte eine Einstellung sein, die bei vielen älteren Damen durchaus noch verbreitet ist. Was den Satz aber nicht richtiger macht. Denn stirbt der Mann, dann bleibt oftmals nur eine schmale Witwenrente.

Schlussfolgerung: Wer wenig Rente hat, der hat andere Sorgen als ausgerechnet Gold zu kaufen.


#5: Männer mögen's nüchtern-analytisch

Zahlen, Werte, Gewichte, Kurse, Preise: This is a man’s world.

Schlussfolgerung: Gold in Form von Münzen oder Barren ist etwas, was eher Männer anspricht.


#6: Frauen mögen's hübsch

Natürlich mögen Frauen Gold. Aber lieber in hübsch verarbeiteter Form.

Schlussfolgerung: Schmuck, Goldketten oder Ringe sind da attraktiver. Hätten wir ein Goldschmuck-Portal, würde die Besucherverteilung anders aussehen.


#7: Frauen denken emotionaler und praktischer

Wenn es um Kinder und Familie geht, da ist für "Sie” der nächste Urlaub, ein praktischeres Auto oder eine größere Wohnung einfach näher als ein abstrakter Wert, verkörpert in einem Stück Gold.  „Frauen interessiert vielleicht mehr das warum hinter Geldanlagen (also warum mache ich das überhaupt, was könnte mich motivieren) und nicht nur ausschließlich Informationen zum Thema Gold“,

so Finanzcoach und Buchautorin Gisela Enders, die in ihrer täglichen Arbeit auch spezielles Geldcoaching für Frauen anbietet.

Schlussfolgerung: Auch wenn Mama gut verdient, so wird sie sich doch selten für ein Investment in Goldmünzen oder Barren entscheiden.

Fazit

Gesellschaftliche Verdienst- und Vermögensverhältnisse, Werte und Einstellungen - all das zusammen erklärt zum großen Teil, warum der Anteil an Besucherinnen auf unserem Portal derart gering ist. Ein kleiner Rest Spekulation bleibt freilich. Wir bleiben dran am Thema!

Was denken Sie?

Ihre Meinung interessiert uns!


Quellen:

* Statistisches Jahrbuch 2016 - Arbeitsmarkt (HG: Destatis/Statistisches Bundesamt)

** Mikrozensus 2011 - Destatis/Statistisches Bundesamt

*** Statista.de






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Kommentare [16]
  • von Maria M. | 06.11.2017, 02:56 Antworten

    Auch wenn der Artikel nun schon etwas zurück liegt, möchte ich doch noch meinen Senf dazu geben...;-)
    Alle ihre Thesen spiegeln einen Teil der Wahrheit: Ich bin alleinerziehende Mutter (2 Teenager) und verdiene nicht schlecht. Mit dem Thema EM habe ich mich aber erst Ende 2015 angefangen zu beschäftigen. Wäre mir damals nicht klar geworden, wie fragil unsere Gesellschaft werden kann, hätte ich mich nicht für diese spezifische Absicherung der Familie/ Kinder entschieden. Wobei ich familiär vorbelastet bin. Mutter und Urgroßvater hatten mir schon früh immer mal Sammlermünzen (Silber) nahegebracht und dazu das wertlose Papiergeld von 1923 gleich mit in das Album gelegt. Eigentlich ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Eine andere frühe Erfahrung war, dass die Eltern eines Freundes die Goldrubelsammlung des Großvaters verkauft haben und sich dafür ein Haus gebaut haben (DDR). Wenn auch etwas verspätet, hat dadurch dann doch 2015 das Unterbewusstsein seine Arbeit getan und mich in die Spur gebracht.
    Meine These ist also: hat eine Frau die finanzielle Möglichkeit, EM zu kaufen und soll sie es nicht für nutzlosen Konsum ausgeben, muss ihr klar gemacht werden, was sie damit für die Zukunft ihrer Kinder tun kann. ( Auch die Grosseltern sollen zu Weihnachten nicht mehr irgendwelchen Kram kaufen. Lieber eine 1/10 Unze Au. Natürlich gerne auch mehr.)
    Das wirkt m.E. nach besser als die EM pink zu verpacken. :-)
    Auch das eigene Konsumverhalten ändert sich, ist frau erstmal "angefixt". Dann wird nämlich umgerechnet: neues Iphone vs. z. B.Krügerand.
    Also den Kindern Junge wie Mädchen eine gute Ausbildung mit auf den Weg geben, dass selbst das Thema "Alleinerziehende" kein Armutsrisiko wird und sie schon früh mit EM vertraut machen. Und für das aktuelle Marketing weniger auf Charts und Co. setzen, sondern konkret werden, was bringen EM für die Absicherung der Kinder, ihrer Ausbildung oder für ihr späteres Familienleben (siehe das Bsp. mit dem Haus). Ohne meinen Geschlechtsgenossinen zu nahe treten zu wollen, die meisten "fängt" man eher mit emotionalen Themen als mit analytischem Denken.
    PS: und egal wie nett ich meine eventuelle, zukünftige Schwiegertochter finden mag und wie sehr ich sie hoffentlich leiden kann- meinem Sohn werde ich trotzdem nahe legen, ein paar Oz. Au beiseite zu legen- denn man weiß ja nie...;-)

  • von Lucinda Just | 04.06.2017, 16:07 Antworten

    Sehr interessant, dieser Artikel. Es liegt wohl noch etwas "gelernte Hilflosigkeit " in der Luft - seit 1962 bzw. 1977. Grundsätzlich sind Frauen ja schon langfristig auf das Wohlergehen ihrer Familien bedacht. Viele können aus einem vorhandenen Budget im Alltag viel mehr "herausholen", als ihre Männer. Sie haben aktuelle Preise im Kopf und kennen die Methoden der Supermärkte zur psychologischen Beeinflussung von Kaufentscheidungen besser. Gold ist ja noch die "greifbarste" der Anlageformen. Jedenfalls Aktien sind doch wesentlich theoretischer als Goldbarren, die man anfassen und zu Schmuck verarbeiten lassen könnte. Ich könnte mir vorstellen, dass Frauen sich für diese Art der Vermögensbildung viel mehr interessieren könnten (Kein Wertverlust, keine Risiken an der Börse, keine Zeitverschwendung, um die Finanzwelt zu verstehen und zu beobachten). Das Sparbuch besitzt ein ungebrochenes Vertrauen, entnehme ich einem der Vorredner. Würde mich mal interessieren, ob Sparbücher häufiger von Frauen oder Männern eröffnet werden.

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