Stand: 28.11.2010 von © Gold.de Redaktion 2 Kommentare

Gold gilt als der Inflationsschutz schlechthin. Doch stimmt dieses fortlaufend wiederholte Mantra überhaupt? Die Bank Vontobel untersuchte diese Frage in diesem Jahr und kam zu überraschenden Aussagen. Wir überprüften die Studie mit eigenen Daten und kamen zu dem Schluss, dass Gold auf jeden Fall einen inflationsschützenden Charakter besitzt. In erster Linie schützt das Edelmetall aber vor enteignenden Währungsreformen, wie es sie im vergangenen Jahrhundert in Deutschland gleich vier Mal gab.

Vontobel-Studie überrascht Goldbefürworter

Wann immer eine Zentralbank die Zinsen senkt oder ein Liquiditätsprogramm auflegt, wann immer der Goldpreis kommentiert wird - in den Medien wird stets auf den inflationsschützenden Aspekt eines Goldinvestments hingewiesen (z.B. Goldhamster entdecken Silber oder Goldpreis erreicht neuen Rekord).

Umso überraschter waren wir, als im Oktober diverse Medien unter Hinweis auf eine Studie der Privatbank Vontobel das Gegenteil berichteten. Angeblich sei Gold kein probater Schutz gegen Geldwertverlust. Laut Vontobel hätte Gold in den meisten Inflationsphasen des 20. Jahrhunderts real an Wert verloren, sich dafür aber in der Deflation gut geschlagen.

Die Diskrepanz zum bisher als gesichert geltenden Wissen war Grund genug für uns, die Studie genauer in Augenschein zu nehmen.

Angeblich kein Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum und Inflation

Zunächst ist auffällig, dass Vontobel in den letzten Jahrzehnten keinen Zusammenhang mehr zwischen Geldmengenwachstum und der Inflation sieht. Damit wäre den aktuellen Inflationssorgen der Boden entzogen, fußt die Sorge doch nicht auf real sichtbaren Verbraucherpreisanstiegen, sondern bislang nur auf dem von den Zentralbanken massiv ausgeweiteten Geldangebot.

Vontobel verkennt dabei, dass sich Inflation nicht nur am Verbraucherpreisanstieg zeigen muss. Bislang stiegen die Verbraucherpreise nicht, weil enorme Produktivitätsfortschritte und seit Beginn des 21. Jahrtausends die Ausbeutung billiger chinesischer Arbeitskräfte den Verbraucherpreisanstieg dämpften. Stattdessen blähte die gestiegene Geldmenge erst die Aktienkurse (New Economy 2000), anschließend die Immobilienpreise (Immobilienblase 2007) und nun die Anleihekurse (Bondsblase 201x) auf. Was ist es anderes als Inflation, wenn hunderttausende Immobilien ihren Wert binnen weniger Jahre mit zweistelligen Prozentsätzen steigern oder sich selbst Emittenten zweifelhafter Bonität zu historischen Niedrigzinssätzen finanzieren können?

Falsche Definition von Inflation führt zu falschen Schlüssen

In der anschließenden Untersuchung, in welchen Marktphasen die verschiedenen Anlagen am besten abschneiden, geht Vontobel von Inflation ab einem Verbraucherpreisanstieg von 5 % aus. In der Zeit von 1900 bis 2010 fand Vontobel sechs Phasen, in denen die Verbraucherpreise längere Zeit um mehr als 5 % zulegten. Vier Phasen lagen dabei in der Zeit vor 1973. In diesem Zeitraum war der Goldpreis weltweit staatlich fixiert worden und konnte auch bei Inflation nicht steigen (Bretton-Woods-System). Es bleiben laut Vontobel zwei Inflationsphasen seit Aufhebung der Goldpreisbindung. In nur einer dieser Phasen, von 1973 bis 1981, konnte Gold laut Vontobel eine positive Realrendite erzielen.

In der zweiten Phase von 1987 bis 1990 zeigte Gold laut Vontobel jedoch eine negative Realrendite.

Kaufkraftbereinigter Goldkurs in Abhängigkeit vom Verbraucherpreisanstieg

Inflationsbereinigte Goldkurs
Zur Kaufkraftbereinigung und Angabe des Verbraucherpreisanstieges wurde der Verbraucherpreisindex der USA genutzt. Der Goldpreis ist indexiert. Der Preis im Jahr 1971 von 35 USD gilt als 1, jeder andere Kurs ist als Vielfaches von 1 angegeben

Deutlich sichtbar ist, dass seit 1973 nur in einem Zeitraum von 1973 bis 1983 ein Verbraucherpreisanstieg von über 5 % p.a. herrschte und Gold in diesem Zeitraum real deutlich an Wert gewann. Kaufkraftbereinigt stieg der Kurs zwischen 1973 und 1983 um den Faktor 4. In der laut Vontobel zweiten Inflationsphase zwischen 1987 und 1990 lag der Verbraucherpreisanstieg nur wenige Monate über 5 % pro Jahr. Gold reagierte dementsprechend gar nicht.
In den Folgejahren war der Goldpreis völlig unkorelliert zum Verbraucherpreisanstieg. Vontobels Definition der Inflation erscheint vor diesem Hintergrund untauglich zu sein.


 

Schlüssel zum Verständnis ist der Realzins

Vontobels Untersuchung krankt an der Definition von Inflation. Ein Verbraucherpreisanstieg um 5 % p.a. kann nicht per se als Inflation bezeichnet werden. Denn wenn zur gleichen Zeit auf Spareinlagen 6 % Zinsen bezahlt werden, liegt effektiv keine Geldwertverminderung vor. Die Realzinsen, also die Rendite nach Abzug der Inflation, liegen dann bei +1 %. Lägen die Zinsen bei 5 %, der Verbraucherpreisanstieg jedoch bei 6 %, dann hätten Anleger effektiv eine negative Rendite von -1 % erzielt - ihr Geld wäre nach einem Jahr weniger wert.

Kaufkraftbereinigter Goldkurs in Abhängigkeit vom Realzinsniveau


Zur Kaufkraftbereinigung wurde der Verbraucherpreisindex der USA genutzt. Der Realzins errechnet sich aus der Differenz zwischen FED Target Rate (Leitzins) und dem Verbraucherpreisindex der USA. Der Goldpreis ist indexiert. Der Preis im Jahr 1971 von 35 USD gilt als 1, jeder andere Kurs ist als Vielfaches von 1 angegeben

Definiert man Inflation als einen Realzins unterhalb von 0 %, dann gab es seit 1973 drei Inflationsphasen. In allen drei Phasen gewann Gold Kaufkraft hinzu.

Negative Realrendite - positiv für Gold

Andere Untersuchungen kommen denn auch zu dem Schluss, dass Gold vor allem in Zeiten negativer Realzinsen, spricht echer Geldwertverminderung, eine klar positive Rendite erzielt.

Auf Basis historischer Daten, die natürlich niemals eine unfehlbare Prognose der zukünftigen Entwicklung erlauben, kann man annehmen, dass sich die Entwicklung des Goldpreises am Realzins orientiert. Wann immer der Realzins im Dollarraum unter 2 % fiel, stieg Gold. Für jeden Prozentpunkt, den der Realzins unter 2 % fiel, stieg Gold um 8 % p.a.. Liegt also der Realzins bei 0,00 %, dann steigt Gold um 16 % pro Jahr. Liegt er bei +4 %, dann sinkt der Goldpreis um 16 % pro Jahr.

Wie man dem zweiten Diagramm entnehmen kann, bestätigen unsere eigenen Berechnungen, dass Gold vor allem in Phasen negativer Realzinsen - also bei echter Geldentwertung - eine positive Rendite nach Abzug der Inflation erzeugt.

Versechsfachung des Goldwertes in 37 Jahren

Was kann man an den Graphen ablesen? Zunächst einmal den Fakt, dass Gold inflationsbereinigt seit Freigabe der Preise im Jahr 1973 seinen Wert versechsfachte. Das entspricht einer realen, um die Kaufkraftminderung des Geldes bereinigten Realrendite von fast 4,6 % pro Jahr über einen Zeitraum von annähernd 40 Jahren.

Weiterhin wird deutlich, dass Gold kein Vorläuferindikator für Inflation ist, sondern der Inflation hinterherläuft. Die Preispeaks beim Gold 1980 und 2010 sind Jahre nach den Inflationsspitzen 1974-75 und 2008 verortet. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass die aktuellen Preissteigerungen vermutlich gar nicht die erwartete Inflation der nächsten Jahre vorausnehmen, sondern wahrscheinlich nur die Inflation der letzten Jahre widerspiegeln. Das Studium der Kurshistorie widerspricht damit auch der These, Gold befände sich kurz vor dem Platzen einer Blase.

FED strebt negativen Realzins an

Das sind gute Nachrichten für Goldbesitzer oder alle, die es werden wollen. Denn angesichts der drohenden Deflation und dem schwachen Wirtschaftswachstum in den USA strebt die FED einen deutlich negativen Realzins an. Mittels Quantitative Easing alias Gelddrucken bemüht sich die Zentralbank nach Kräften, einen negativen Realzins Wirklichkeit werden zu lassen.

Gold als Krisenschutz

Vontobels Studie hat jedoch auch ihr gutes. Vontobel kommt zu dem Schluss, dass Gold wenn schon kein Inflations-, dann doch zumindest ein Krisenschutz sei. Und damit dürfte Vontobel voll ins Schwarze treffen. Denn Untersuchungen zu den Renditen verschiedener Anlageklassen funktionieren nur im gleichen Währungssystem. Den US-Dollar gibt es unverändert seit über 200 Jahren. In dieser Zeit verlor er zwar über 99 % seiner ursprünglichen Kaufkraft, seine lange Bestandsdauer ist aber ideal für langfristige Untersuchungen.

Überträgt man die Untersuchungen aber zum Beispiel auf den deutschen Raum, dann dürfte die Sache sehr viel schwieriger werden. Wer 1914 geboren wurde und nach Ende des 2. Weltkrieges in der DDR lebte, sah in seinem Leben vier Währungsreformen. Dabei verloren die Sparer jeweils einen Großteil ihres gesparten Geldes bis hin zum Totalverlust (1923).

In diesen Situationen wird der langfristige Wert der Edelmetalle deutlich, ganz unabhängig von etwaiger Inflation, Deflation, Depression oder boomender Konjunktur.
Denn bei einer Währungsreform werden alle in alter Währung lautenden Nominalforderungen entweder komplett wertlos oder zumindest wie im Falle der Wiedervereinigung stark abgewertet. Hätte man dem 1914 geborenen Menschen zur Geburt eine Reichsbanknote oder Anleihe im Wert von 20 Goldmark überreicht, dann wäre dieses Geschenk heute nichts mehr wert.
Das damals gleich teure Geschenk in Form einer 20 Goldmarkmünze wäre heute aber noch 250 EUR wert

Über solch lange Zeiträume erwiesen sich bislang die Edelmetalle als die einzig liquide Möglichkeit zum Vermögenserhalt. Dabei muss nicht zwingend zu jedem Zeitpunkt eine positive Realrendite erwirtschaftet werden, langfristig ist aber eine relative Outperformance aller anderen Anlagegattungen wahrscheinlich.

Diversifikation unbedingt empfehlenswert

Trotz aller Vorteile, die Edelmetalle im sehr langfristigen Anlagehorizont aufweisen, sollten Edelmetalle niemals einziger Bestandteil der eigenen Altersvorsorge sein. Denn mittelfristig wird es immer wieder Phasen, auch sehr lange Phasen über 20 oder 30 Jahre, geben, in denen Gold an Wert verliert oder im Wert stagniert. Aber auch in diese Phasen behalten die Edelmetalle ihren unverzichtbaren Versicherungscharakter. Denn kommt es wirklich irgendwann zur Währungsreform - und damit endeten bislang ausnahmslos alle ungedeckten Papiergeldwährungen - dann werden die Edelmetalle ihren Besitzern einen unvergleichlichen Wettbewerbsvorsprung im neuen Währungsraum verschaffen.

Versicherungscharakter des Goldes am Beispiel der Währungsreform 1948

1948 erhielten alle Bundesbürger nach der Währungsreform lediglich 60 DM Startgeld - Sparguthaben wurden mit einem Kurs von 100 : 6,5 getauscht und die 60 DM Stargeld auf den Umtauschbetrag angerechnet. Wer aus der Zeit des Deutschen Reiches noch Sparguthaben in Höhe von 2000 Reichsmark besaß, verfügte nach der Währungsreform nur noch über rund 130 DM.

Wer aus der Zeit des Deutschen Reiches noch 2000 Goldmark in Form physischen Bargeldbestandes besaß, verfügte damit über 23 Unzen Gold. Die waren nach der Währungsreform 1948 810 US-Dollar oder 3390 DM wert. Goldbesitzer stellten sich somit bei der Währungsreform 1948, bei der Sparer einen Großteil ihrer in Bankguthaben gehaltenen Ersparnisse verloren, um etwa den Faktor 10,5 besser. Sie verfügten nach der Währungsreform über ein bedeutend größeres Kapitalpolster, mit dem sich eine neue Existenz aufbauen ließ.

© Gold.de
Autor: Thomas Kallwass

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Kommentare [2]
  • von Rath | 06.10.2012, 17:13 Antworten

    Ein hervorragender Artikel! Ist es ratsam, jetzt 100.000 € in Gold anzulegen, wenn man das Geld in 2 - 3 Jahren zwingend braucht?
    Mit besten Grüßen
    Oliver Rath

  • von Torben | 01.12.2010, 11:46 Antworten

    Toller Artikel, bitte mehr davon!

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