Stand: 31.03.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Die militärische Eskalation im Jemen hat den Goldpreis vorübergehend relativ deutlich über die Marke von 1.200 Dollar springen lassen. Die gute Laune war allerdings nicht von nachhaltiger Natur.

Angst vor regionalem Flächenbrand

Das konzertierte militärische Eingreifen von zehn arabischen Staaten unter Führung Saudi-Arabiens hat den Goldpreis als Krisenwährung wieder ins Gedächtnis der Investoren zurückgerufen. Während die internationalen Aktienmärkte den Rückwärtsgang einlegten, sprang der Goldpreis erstmals seit drei Wochen kurzzeitig über die Marke von 1.200 Dollar. Dadurch wurde eine wichtige Unterstützungszone zurückerobert und das charttechnische Sentiment spürbar verbessert. Starke US-Arbeitsmarktdaten und damit verbundene Zinsängste sowie Gewinnmitnahmen haben allerdings eine Fortsetzung des Aufwärtsdrangs von Gold verhindert.

Doch nicht nur geopolitische Risiken haben die Attraktivität von Gold erhöht: die jüngsten Turbulenzen an den Devisenmärkten haben gezeigt, dass eine alternative Währung wie Gold durchaus Charme hat. Drohende Abwertungswettläufe, wie sie derzeit bei Euro und Yen zu beobachten sind, sollten Anleger sensibilisieren. In der Vergangenheit wurde beim gelben Edelmetall stets dessen hohe Volatilität kritisiert. Mittlerweile hat sich hier aber einiges getan. Spätestens seit der im Januar erfolgten Freigabe des Schweizer Franken wissen Investoren, welche Währungsturbulenzen möglich sind. Nach der Kapitulation der Schweizer Notenbank verlor der Euro gegenüber dem Franken in der Spitze fast 30 Prozent an Wert - wohlgemerkt an einem Tag.

Zugegeben, das Beispiel Schweizer Franken ist zwar ein Extremfall, generell lässt sich aber konstatieren, dass an den Devisenmärkten derzeit ein ausgesprochen rauer Wind herrscht. Und die Vergangenheit hat gelehrt: In stürmischen Zeiten steuern verunsicherte Anleger verstärkt in den "sicheren Hafen Gold".

Krisenwährung mit mäßiger Vola

Bei einer Analyse der historischen Volatilität von Gold lässt sich derzeit folgendes beobachten. Seit Ende 2014 hat die mit Goldinvestments verbundene Unsicherheit deutlich nachgelassen. Während dieses Zeitraums reduzierte sich zum Beispiel die historische 30-Tage-Volatilität von über 20 Prozent auf aktuell 12,4 Prozent. Beim Ölpreis fällt das Risiko ungefähr um den Faktor 3,5 höher aus (siehe Balkengrafik).

Volatilitäten im VergleichVolatilitäten im Vergleich

Aber auch gegenüber Devisen kann Gold mittlerweile punkten. Heftige Ausschläge müssen derzeit nicht nur beim Euro, Franken und Yen hingenommen werden, selbst der Dollarindex - der aus einem Korb von sechs wichtigen Währungen besteht - weist in puncto Volatilität gegenüber dem Goldpreis kaum noch Vorteile auf. Wenn sechs Währungen fast so stark schwanken wie Gold, scheint irgendetwas "faul" zu sein.

Besonders schwach tendieren derzeit der Euro und der japanische Yen. Weil deren Notenbanken die Geldschleusen weit geöffnet haben und die US-Notenbank mittlerweile an einer Rückkehr zur Normalität experimentiert, sollte man sich nicht wundern, dass Euro und Yen massiv an Wert verlieren.

World Gold Council empfiehlt China höhere Goldquote

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters empfahl Roland Wang, der Geschäftsführer des World Gold Council (China), den Chinesen eine Goldquote von fünf Prozent. Laut "aktuellen" WGC-Daten soll sich der Goldanteil an den chinesischen Währungsreserven derzeit auf lediglich 1,6 Prozent belaufen.

Doch aufgepasst: Seit Jahren stagnieren die offiziell gemeldeten Goldreserven der Chinesen bei 1.054 Tonnen. Zahlreiche Goldexperten vermuten, dass die tatsächliche Quote deutlich höher als kommuniziert sein dürfte. Da man in chinesischen Regierungskreisen von Transparenz und Informationsfreiheit traditionell wenig hält, sind diese Mutmaßungen durchaus plausibel.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sprechen zudem gewichtige Gründe für eine zurückhaltende Kommunikation, schließlich könnte allzu starkes Kaufinteresse aus China den Goldpreis künstlich nach oben treiben und daran dürften trotz ihrer hohen Goldreserven die Notenbanken dieser Welt kein Interesse haben.

So mancher Verschwörungstheoretiker ist sogar der Ansicht, dass Notenbanken massiv die Gold-Futures manipulieren, um bei der Krisenwährung Verkaufsdruck zu generieren. Vor fast zwei Jahren war dies besonders offensichtlich. Damals befand sich der Goldpreis in einer wichtigen Unterstützungszone. Im späten Freitagshandel, als der Handel an Liquidität bereits erheblich eingebüßt, verkaufte jemand ohne Rücksicht auf den Preis Gold, löste dadurch Stopp-Loss-Marken und somit eine regelrechte Verkaufslawine aus. Von Freitag bis Montag rutschte der Goldpreis in der Spitze um 224 Dollar bzw. 14,3 Prozent ab. Der mysteriöse Verkäufer wurde natürlich nie bekannt und von dem Preissturz hat sich das Edelmetall bis heute nicht erholt.

Zwei Dinge dürften unbestritten sein: Der Goldpreis ist ein Krisenbarometer und Notenbanken haben absolut kein Interesse an Krisenstimmungen. Demzufolge passt ihnen ein niedriger Goldpreis sicherlich besser ins Konzept als ein explodierender.

Gold als Krisenwährung wieder gefragt
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"