Stand: 16.03.2021 von Jörg Bernhard
Das Thema Inflation ist nach jahrelanger Abstinenz wieder einmal zu einem heiß diskutierten Thema mutiert. Kein Wunder, schließlich hat sich die deutsche Teuerungsrate seit Dezember von minus 0,3 Prozent auf immerhin 1,3 Prozent p.a. beschleunigt.
Gold: Altbewährtes Rezept gegen Inflation!

Gradmesser mit eingebauter Fehlerquote

Viele Konsumenten vermuten, dass die vom Bundesamt für Statistik kommunizierte Inflationsrate in der Regel niedriger ausfällt als die „gefühlte“. Das liegt vor allem an dem Umstand, dass das Konsumverhalten der meisten Bundesbürger dem amtlich zusammengestellten Warenkorb eher nicht entspricht.

Neben nachvollziehbaren Komponenten des täglichen Gebrauchs sind in dem u.a. auch Bestattungsdienstleistungen sowie Ausrüstung für Freizeitpferde und Ponys enthalten.

Nur ein Beispiel: Für den Monat Januar meldete das Statistische Bundesamt bei folgenden Waren bzw. Dienstleistungen mit einem Gewichtungsfaktor von mehr als zehn Promille besonders starke Preisveränderungen gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert:

  • Entgelt für Glücksspiele (+13,3 Prozent),

  • Dienstleistungen Altenwohnheime und ähnliche Einrichtungen (+6,4 Prozent) und

  • Heizöl (-15,4 Prozent)

Ein ganz wichtiger Kritikpunkt stellt aber vor allem die sogenannte hedonische Berechnungsmethode dar. Vereinfacht ausgedrückt besteht diese darin, dass sich bei Qualitätsverbesserungen von Produkten oder Dienstleistungen steigende Preise nur in abgeschwächter Form auf die Inflationsrate auswirken.

Bei Smartphones, Computer und Autos kommt dieser Dämpfungseffekt besonders häufig zum Tragen, schließlich ist der technologische Fortschritt hier besonders stark ausgeprägt.

Der jüngste Inflationsschub in Deutschland ist vor allem auf die Pandemie zurückzuführen. Zum einen haben sich nämlich die Preise für Energie, die in dem Warenkorb besonders stark berücksichtigt werden, in den vergangenen zwölf Monaten deutlich verteuert.

Zum anderen haben die auf sieben bzw. 19 Prozent gestiegenen Mehrwertsteuersätze, zu einem vorprogrammierten generellen Preisanstieg geführt.

Vierminütiges Erklärvideo des Statistischen Bundesamts zum Thema Inflation.

Inflationstendenzen großer Volkswirtschaften

Land 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021* 2022*
USA 0,5 0,7 2,2 2,2 1,9 2,1 2,1 2,2 2,1
Deutschland 0,2 0,2 1,7 1,5 1,8 1,5 0,3 1,2 1,4
China 1,5 1,6 2,1 1,8 1,9 4,5 1,4 2,5 2,6
Frankreich 0,1 0,3 0,8 1,3 1,9 1,6 -0,5 1,1 1
Großbritannien 0,9 0,1 1,2 3 2,3 1,4 0,3 1,5 1,8
Japan 2,5 0,2 0,3 0,5 0,8 0,5 -0,6 0,7 1,1
Quelle: Internationaler Währungsfonds; * geschätzt

Vorprogrammierte Geldentwertung beim Euro

Beim Thema Inflation sollte sich jeder Anleger über eines klar sein:

Weil der Euro derzeit keine Zinserträge bietet, die höher als die Inflation ausfallen, ist er dem „Schreckgespenst Inflation“ schutzlos ausgeliefert.

Dies könnte nur durch nachhaltig höhere Zinsen oder eine deutlich geringere Inflationsrate bewerkstelligt werden. Beides liegt nicht im Interesse der EZB, schließlich sollen die hochverschuldeten Staaten Europas auch weiterhin in den Genuss günstiger Finanzierungskosten kommen und die gestiegenen Schuldenberge durch eine Wunschinflation von um die zwei Prozent regelmäßig entwertet werden.

Inflationsbedingte Kaufkraftverluste können nur durch risikobehaftete Investments verhindert werden. Anlageklassen wie Aktien, Immobilien und Unternehmensanleihen können durch Dividenden-, Miet- und Zinseinnahmen sowie Wertzuwächse den Inflationsnachteil ausgleichen.

Bei Gold kann man hingegen ausschließlich auf dessen Wertentwicklung vertrauen und ist damit in den vergangenen Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten ausgesprochen gut gefahren.

Ausblick für die laufende Woche

Aus charttechnischer Sicht steigt die Spannung, schließlich verläuft im Bereich von 1.700 Dollar eine wichtige Unterstützungszone, die es in den kommenden Handelstagen zu verteidigen gilt.

Unter fundamentalen Aspekten können Goldbesitzer erheblich unaufgeregter in die Zukunft blicken, schließlich deutet derzeit herzlich wenig auf ein Ende der massiven Stützungsaktien seitens der Notenbanken und Regierungen hin.

Höhere US-Renditen haben an den Goldmärkten den Appetit auf den Krisenschutz zwar stark gezügelt, auf Dauer dürfte das gelbe Edelmetall aber jedes diversifizierte Wertpapier-Portfolio bereichern. Insbesondere die negative Korrelation zwischen Aktien und Gold kann eine wohltuende Wirkung mit sich bringen, da sich etwaige Verluste am Aktienmarkt durch einen robusten Goldpreis kompensieren lassen.

An den Finanzmärkten wird derzeit offensichtlich ein Sieg über die Pandemie inklusive signifikanter Konjunkturerholung bereits eingepreist. Ein weltweites Happy-End kann angesichts der zahlreich schwelenden Krisenherde meiner Meinung nach allerdings noch nicht ausgerufen werden.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Greenzilla | 16.03.2021, 19:18 Antworten

Man kann den Mietzins aber nicht dauernd erhöhen ohne Mieter zu verlieren oder Gerichts-"Dienstleistungen" in Anspruch nehmen zu müssen.
Die Versicherer hingegen treiben schön die von "Treu"-Händern ermittelten Erhöhungen ein. Wasser und Grundsteuern fehlen auch.

Vielleicht gehen ja die Kommunen nach ihrer aktuellen Le(e/h)rrunde künftig in Gold...

von der deutsche Michel | 16.03.2021, 19:36 Antworten

Leider , Rafft der Deutsche das wieder nicht ! Mach es wie Olaf, der legt sein Geld aufs Sparbuch , da ist es sicher !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! WEG !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"