Stand: 28.05.2019 von Jörg Bernhard 9 Kommentare

Während der Goldpreis seit Monaten eher seitwärts tendiert, weist der am Freitagabend veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC seit Wochen ein relativ hektisches Treiben aus.

Open Interest fällt wieder deutlich zurück

Nachdem die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest), wodurch das allgemeine Interesse an Gold-Futures zum Ausdruck kommt, Mitte Mai mit über 15 Prozent das stärkste Wochenplus seit über zehn Jahren erfahren hatte und mit 518.000 Kontrakten auf den höchsten Wert seit zwei Monaten geklettert war, beruhigte sich die Lage in der Woche zum 21. Mai wieder spürbar.

Innerhalb einer Woche war ein leichter Rückgang des Open Interest von 518.000 auf 508.600 Kontrakte (-1,8 Prozent) registriert worden (siehe Tabelle).

Gold-Futures: Commitments of Traders-Report

14.05.2019 21.05.2019 Veränderung in %
Anzahl offner Kontrakte (Open Interest) 517.995 508.643 -1,81 %
Großspekulanten (Non-Commercials) 124.536 88.805 -28,69 %
Kleinspekulanten (Non-Reportables) 12.647 19.133 51,28 %
Quelle: Commodity Futures Trading Commission

Eine große Überraschung stellte in den vergangenen Wochen allerdings der Umstand dar, dass der Goldpreis auf den kräftig gestiegenen Optimismus großer Terminspekulanten (Non-Commercials) relativ verhalten reagiert hat.

Deren Netto-Long-Position (per Saldo optimistisch gestimmt) hat sich vom 23. April bis 14. Mai auf 124.500 Futures zwar mehr als verdreifacht, dem Goldpreis hat dies im selben Zeitraum jedoch lediglich zu einem Wertzuwachs von 3,7 Prozent verholfen.

Grundsätzlich kann man keinen eindeutigen Stimmungstrend erkennen, schließlich hat seit dem Jahreswechsel der Optimismus großer Terminspekulanten bereits elfmal nachgelassen und neunmal zugenommen. Dies zeugt von einem hohen Maß an Unsicherheit.

Zugleich kann man dem Markt aber auch eine starke Uneinigkeit zwischen großen und kleinen Terminspekulanten attestieren. Allein in den vergangenen drei Wochen hat sich die Stimmung großer und kleiner Terminspekulanten (Non-Reportables) völlig konträr entwickelt.

Nachdem deren Netto-Long-Position Mitte Mai noch mit 12.600 Futures auf den niedrigsten Wert des Jahres gefallen war, blicken die die kleinen Terminspekulanten angesichts einer kräftigen Steigerung auf 19.100 Kontrakte wieder deutlich optimistischer drein.

Verkaufsdruck an den Terminmärkten gut verkraftet

Wenn man bedenkt, dass sich zwischen dem Ende Februar markierten Jahreshoch von 1.340 Dollar und dem Anfang Mai erlittenen Jahrestief von 1.270 Dollar, die kumulierte Netto-Long-Position großer und kleiner Terminspekulanten um über 100.000 Kontrakte reduziert hatte, kann man die Reaktion des Goldpreises auf diesen Verkaufsdruck fast schon als relative Stärke interpretieren.

Nur zur Erinnerung: Auf dem Papier entsprechen diese Verwerfungen einer verkauften Goldmenge von über 310 Tonnen. Dabei dürfte vor allem die erhöhte Kaufbereitschaft diverser Notenbanken Schlimmeres verhindert haben. Seit Monaten fällt vor allem die russische Zentralbank durch ein massives Aufstocken ihrer Goldreserven auf.

Seit 2015 erwarb sie Jahr für Jahr mehr als 200 Tonnen Gold. Laut Daten des World Gold Council haben die Russen im ersten Quartal 2019 mit über 55 Tonnen einmal mehr unter sämtlichen Notenbanken am stärksten eingekauft. Derzeit spricht nichts dagegen, dass der Appetit aus dem Notenbankensektor nachlassen und dem Goldmarkt diese wichtige Stütze wegbrechen könnte.

Ausblick für die laufende Woche

Trotz relativ labiler Aktienmärkte konnte der Krisenschutz Gold davon bislang noch nicht sonderlich stark profitieren. Als „sicherer Hafen“ wird derzeit eher der Dollar wahrgenommen. Die negative Korrelation zwischen der Anlageklasse Aktien und dem gelben Edelmetall hat sich bislang kaum bemerkbar gemacht.

Ins Leere lief aber auch die negative Korrelation zwischen dem Dollar und dem Goldpreis. Während nämlich der Dollarindex, der die US-Währung mit sechs anderen wichtigen Währungen vergleicht, in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit zwei Jahren geklettert war, tendierte Gold unbeeindruckt davon seitwärts.

Aus charttechnischer Sicht wächst nun aber die Spannung. Zwischen 1.270 und 1.280 Dollar hat sich mittlerweile eine markante Unterstützungszone gebildet, die nach wie vor akut gefährdet erscheint. Sollte dieser Boden nicht halten, dürften chartorientierte Investoren die Marke von 1.258 Dollar genau im Auge behalten. Hier verläuft nämlich die langfristige 200-Tage-Linie.

Ihr Verletzen gilt in der Chartlehre als Verkaufssignal. Vor etwas mehr als einem Jahr sorgte ein solches Ausstiegssignal zu einem Kurseinbruch von in der Spitze zehn Prozent. Da die langfristige Durchschnittslinie eine steigende Tendenz aufweist, halten sich positive wie negative Aspekte in etwa die Waage. Ein hohes Maß an Spannung lässt sich derzeit allerdings nicht leugnen.  

Gold: An den Terminmärkten tut sich was
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird.
Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Mir ist bekannt, dass beleidigende, diffamierende Kommentare oder Werbung für Dritte nicht erwünscht sind.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [9]
  • von Tobi | 03.06.2019, 20:01 Antworten

    Jetzt aber mal die ultimative Frage: Silber gibt es kaum mehr auf dieser Erde als Gold, und im Gegensatz zu Gold wird das zu 40 % auch noch industriell verbraten. Trotzdem ist die Bewertung rund 1:90 ....
    Das ist doch eigentlich schwachmatisch. Wer manipuliert sowas ?
    Jahrtausendelang galt ein akzeptabeler Ratio von 1:1 bis 1:14.
    Als Antimainstreamer habe ich deshalb auch schwer in das ungeliebte Kind investiert, ob das der Markt jemals mitbekommt, ist halt mein Risiko....

  • von Tobi | 03.06.2019, 19:51 Antworten

    Das ist genauso langweilig und dumm wie der Versuch, das Wetter in 79 Tagen vorauszusagen! Fakt ist: Alle Länder bedrucken wild Baumwolle, und hoffen, das die Menschen glauben, dass das was wert wäre. Ich glaube an Jesus, aber nicht an Baumwolle mit Zahlen drauf, deshalb gibt es bei uns Gold uns Silber wie in alten Tagen, das ist schön anzusehen, und hat Wert, solange diese Welt nicht ionisiert ist.

  • von Goldmann | 03.06.2019, 19:47 Antworten

    Aber hallo die Leerverkäufer gucken in die Röhre wenn das so weitergeht

  • von Minenfan | 02.06.2019, 09:19 Antworten


    gold wird dann
    Richtung 1400 gehen wenn die Aktien weiter fallen, ohne Zinserhöhung.
    Der Aktienrückkauf der Firmen wird sich legen und dann ist nicht viel Interesse da Aktien zu diesen Kursen zu kaufen. Ich denke die Retailer sind bald alle abgtezockt.
    Die Minenaktien sind absolut miserabel. Die werden scheinbar nur von mir gekauft.

  • von Goldmann | 30.05.2019, 14:53 Antworten

    Höre ich Börsenberichte komme ich mir vor wie auf einer Kaffeefahrt. Wenn Gold einmal in Fahrt kommt ist es nicht mehr aufzuhalten.
    Und das ganz ohne Werbung.Aktien dagegen werden zu Hauptsendezeit täglich beworben

Copyright © 2009-2019 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"