Stand: 28.12.2017 von Egmond Haidt 15 Kommentare

Der Goldpreis ist seit Jahresanfang um 11,6 Prozent gestiegen und hat damit dem Gegenwind gut getrotzt. Etliche Investoren machen sich Gedanken, ob es 2018 einen ähnlichen Jahresauftakt wie in den beiden Vorjahren geben könnte. Und wie könnte es im Gesamtjahr aussehen?

Kurz vor dem Jahresende ist der Goldpreis auf ein Vier-Wochen-Hoch geklettert (siehe Goldpreisentwicklung). Für etwas Rückenwind haben zuletzt geopolitische Risiken gesorgt, nachdem die USA Sanktionen gegen zwei hochrangige Mitarbeiter des nordkoreanischen Raketenprogramms verhängt haben. Trotz eines Kursanstiegs um 11,6 Prozent gegenüber Ende 2016 sind viele Anleger ziemlich frustiert. Dabei ist der Goldpreis gut unterwegs, um das zweite Jahr in Folge mit einem Gewinn abzuschließen. Allerdings ist das Edelmetall einmal mehr dem S&P500 hinterhergehinkt, der um 20 Prozent auf immer neue Rekordhochs gestiegen ist. Von der Kursexplosion bei Bitcoin ganz zu schweigen (siehe Bitcoinpreis).

Rückgang des Dollar beflügelt den Goldpreis

Dennoch ist der Kursanstieg von Gold in dem Umfeld durchaus beachtlich. Immerhin hat die US-Notenbank im Jahr 2017 die Leitzinsen drei Mal angehoben und hat im Oktober mit dem Abbau ihrer Bilanzsumme durch den Verkauf von Staats- und Hypothekenanleihen begonnen, wodurch die Bilanzsumme zuletzt auf 4,4 Billionen Dollar gesunken ist. Trotz dieses Umfelds und der Verabschiedung der Steuerreform durch den Kongress, liegen die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen mit 2,44 Prozent auf dem gleichen Niveau wie Ende 2016 – eine mehr als bemerkenswerte Entwicklung.

Viele Experten hatten wie schon in den Vorjahren einen deutlichen Zinsanstieg vorhergesagt, wie in den Vorjahren ist es aber auch diesmal nicht dazu gekommen. Das zeigt, dass die Investoren die langfristigen Perspektiven der US-Wirtschaft nicht gerade rosig einschätzen. 

Gleichzeitig ist der Dollar weiterhin im Rückwärtsgang. So ist der Dollar Index, der die Kursentwicklung des Dollar gegenüber sechs wichtigen Währungen, wie Euro (siehe Euro Dollar Wechselkurs), Yen, Schweizer Franken und britischem Pfund widerspiegelt, mit 93 Punkten auf dem Weg zum 52-Wochen-Tief vom September. Gegenüber Ende 2016 ist der Dollar Index um neun Prozent gesunken, was dem Goldpreis deutlich Rückenwind gegeben hat.

Geht Kursanstieg bei Gold am Jahresanfang weiter?

Die Experten des US-amerikanischen Vermögensverwalters VanEck halten einen Goldpreisanstieg zu Beginn des neuen Jahres für möglich. "In den beiden zurückliegenden Jahren war dies der Fall: Auf eine Schwächephase im Vorfeld der Ankündigung einer Zinserhöhung im Dezember 2015 und 2016 folgte jeweils eine starke Rallye in den ersten beiden Monaten des Folgejahres", sagte Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck. Nun sei die Situation wieder ähnlich: Die jüngste Zinserhöhung durch die Fed am 13. Dezember war bereits vorher erwartet und eingepreist worden, die Goldpreise sackten erwartungsgemäß vor der Zinsentscheidung ab, stabilisierten sich danach aber leicht.

Ein Optimist

Wie könnte es im Gesamtjahr aussehen? Bei ihrem Ausblick auf das Jahr 2018 achten Experten auf eine Reihe von Faktoren: die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen, den Dollar, Bitcoin, oder geopolitische Risiken. Die Analysten der Helaba schauen dabei vor allem auf die Zinsentwicklung, genauer gesagt auf den Realzins. Die Finanzprofis der Helaba berechnen ihn anhand der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen abzüglich der Inflation. Bei einer Inflationsrate von zuletzt 2,2 Prozent liegt der Realzins damit bei mickrigen 0,24 Prozent, was den Goldpreis stützt. 

"Indessen bewegt sich die US-Realrendite weiter um die Nulllinie. Sie wird voraussichtlich auch 2018 dem Goldpreis Rückenwind geben, selbst wenn sie dann eher ein wenig höher liegt. Ein stärkerer Anstieg der Nominalrenditen würde letztendlich durch entsprechend höhere Inflationsraten kompensiert", schrieb Heinrich Peters, Analyst bei der Helaba. 

"Bei erhöhter Wachstumsdynamik, moderater Inflation und anhaltend lockerer Geldpolitik legten die klassischen Risikoanlagen 2017 kräftig zu. Die relative Bewertung von Gold ist damit nicht nur mit Blick auf Staatsanleihen, sondern auch in Bezug auf Aktien, Unternehmensanleihen und Immobilien noch attraktiver geworden. Die Inflation der Vermögenspreise dürfte schließlich den Absicherungsbedarf der Finanzinvestoren auch in Form von physischem Gold spürbar ansteigen lassen", betonte der Experte. Sollte sich das charttechnische Bild weiter aufhellen, könne der Preis im Jahr 2018 auf mehr als 1.400 Dollar steigen.

Etliche Skeptiker

Im Gegensatz zur Helaba sind die Analysten der UBS ebenso skeptisch wie viele andere Investoren und gehen von einem Durchschnittspreis von lediglich 1.285 Dollar je Unze für 2018 aus. Zwar sei der Goldpreis in einem Umfeld niedriger Realzinsen gut gestützt, allerdings sei das Aufwärtspotenzial begrenzt. Allerdings könne ein stärkerer Inflationsanstieg die Realzinsen drücken, was dem Goldpreis Rückenwind geben würde. Das gleiche gelte, falls es zu einer deutlichen Korrektur am Aktienmarkt käme. Die Realzinsen und der Dollar seien die wichtigsten Treiber für den Goldpreis. Ähnlich vorsichtig wie die Analysten der UBS sind auch jene von Morgan Stanley, die einen Durchschnittspreis von 1.269 Dollar je Unze für 2018 vorhersagen. Wie man auf eine derart genaue Prognose kommt, ist allerdings deren Geheimnis. Die Experten von Goldman Sachs sagen sogar einen Kursrückgang auf 1.200 Dollar für Mitte 2018 vorher.

Das Jahr 2018 wird zeigen, ob Optimisten oder Skeptiker Recht behalten.

Gold Analyse 2018: Prognosen überwiegend skeptisch
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [15]
  • von Hilde Ebbinghaus | 02.01.2018, 12:57 Antworten

    Nach 2018 kann man nicht mehr günstig mit dem € gold einkaufen !

  • von Moses | 31.12.2017, 00:09 Antworten

    Goldpreis seit Jahresanfang um 11,6% gestiegen?
    Herr Haidt wir leben in Deutschland und haben den Euro.
    Der Goldpreis in Euro ist seit Jahresanfang um 1,47% gefallen,siehe Goldchart bei gold.de.

    • von Anonymous | 07.01.2018, 18:22 Antworten

      Oh Mann... Derjenige der hier darüber referiert ob er Gold in Euro oder Dollar kauft hat das kleine Einmaleins nicht verstanden!

      Hier geht es nicht um Großinvestor oder Privat und wer Herrn Haiti missversteht bzw. ist selbst ein blutiger Anfänger!!

      Ein Goldkauf ist immer auch eine Dollar Longposition weil Gold immer in Dollar notiert wird! Eure Euros werden quasi nur virtuell in Dollar getauscht und dann bekommt ihr das Gold.... Wer auf den Gold Edelmetallkurs spekulieren will und viel physisches Gold hält sollte deshalb in dergleichen Höhe eine Shortposition im Dollar eingehen. Nur dann profitiert er voll am Goldpreisanstieg und hat das Währungsrisiko ausgeschaltet. Dieser Hedge muss aber sukzessive angepasst und beobachtet werden. Wer Gold als Krisenwährung kauft braucht das nicht. Denn der Euro wird nach einem Zusammenbruch an den Finanzmärkten in gravierende Schwierigkeiten kommen. Wenn er überhaupt überlebt! Nichts für ungut ;)

    • von KEIN Expert | 31.12.2017, 09:11 Antworten

      klarer kann man das nicht auf den Punkt bringen !!!

      Du solltest hier die Fachbeiträge verfassen (ist NICHT ironisch gemeint)

      Ich möchte aber auch nicht ungerecht gegenüber dem Autor Herr Haidt werden. Wenn der Fachbeitrag nicht an das normale Volk gerichtet ist, das seine EM's in €uro kauft (also vermutlich alle die Gold.de nutzen), sondern an irgendwelche Grossinvestoren die ihre EM-Deals in USD abwickeln, will ich meine Kritik zurück ziehen.

      Sollte es aber doch so sein, dass der Fachbeitrag an die Investoren gerichtet ist die in €uro ihre EM's kaufen, dann wäre es nur logisch auch vergleichbare Werte (nämlich in €) zu veröffentlichen.

      Darauf sollte auch die Gold.de-Redaktion achten

      Trotzdem noch ein versöhnliches und vor allem goldiges 2018

    • von Milli | 31.12.2017, 01:24 Antworten

      Wir sollten alle froh sein,dass wir dieses Jahr wieder so billig EM kaufen durften:)
      Keine Panik,die Zeit für EM wird wieder kommen und dann wahrscheinlich sehr schnell und sehr heftig.
      Manchmal dauert es halt nur etwas länger:)
      Und deshalb 2018 auch wieder schön brav kaufen.

  • von Goldsammler | 30.12.2017, 21:05 Antworten

    Wenn die Experten von Goldman Sucks 1200$ sagen, haben wir Chancen die 14OO$ zu knacken. Alles was darunter ist, ist neutral zu werten.

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