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Stand: 28.08.2026 von Hannes Zipfel
Gold von Asteroiden zur Erde holen oder das Edelmetall gleich im Teilchenbeschleuniger herstellen: Was nach Science-Fiction klingt, ist physikalisch längst nicht mehr völlig ausgeschlossen. Doch zwischen technischer Machbarkeit und wirtschaftlicher Goldgewinnung liegen astronomische Distanzen.
Gold aus dem All: Droht dem Goldpreis Konkurrenz?

Könnte Space-Mining eines Tages den Goldpreis beeinflussen? Oder bleibt extraterrestrisches Mining bis auf Weiteres ein faszinierender Mythos?


Gold – liegt die Zukunft des Bergbaus im All?

Dass Rohstoffe auf Asteroiden vorhanden sind, steht außer Frage. Die eigentliche Herausforderung ist nicht das Vorkommen, sondern deren Auffinden, Gewinnung, Aufbereitung und Transport.

Besonders sogenannte metallreiche Asteroiden enthalten große Mengen Eisen und Nickel. Untersuchungen von Meteoriten zeigen zudem, dass Platinmetalle und auch Gold gegenüber irdischen Durchschnittsgesteinen angereichert sein können. Daraus folgt allerdings keineswegs automatisch eine wirtschaftlich abbaubare Goldlagerstätte.

Wie weit die Technik inzwischen gekommen ist, zeigt die NASA-Mission OSIRIS-REx. Sie brachte 2023 insgesamt 121,6 Gramm Material vom Asteroiden Bennu sicher zur Erde. Damit ist bewiesen: Ein Asteroid kann angeflogen, untersucht, beprobt und Material kontrolliert auf die Erde gebracht werden. Von industriellem Mining ist das jedoch noch weit entfernt.

Herausforderungen von Space Mining

Besonders interessant ist der rund 280 Kilometer große Asteroid „Psyche“. Nach heutigen Schätzungen bestehen 30 bis 60 Prozent seines Volumens aus Metall. Die gleichnamige NASA-Sonde absolvierte am 15. Mai 2026 erfolgreich ihr Swing-by-Manöver am Mars und soll „Psyche“ im Sommer 2029 erreichen. Erst dann wird man wesentlich genauer wissen, wie dieser vermeintliche Metallgigant tatsächlich zusammengesetzt ist. Einen Abbau plant die NASA ausdrücklich nicht.

Technisch wären mehrere Schritte erforderlich: Prospektion aus dem All, autonomes Andocken, Verankerung bei minimaler Gravitation, mechanisches oder thermisches Herauslösen des Materials, Zerkleinerung, Konzentration beziehungsweise Raffination und der Rücktransport.

Genau hier beginnen die ungelösten Probleme. Auf einem Asteroiden lässt sich nicht einfach ein Bagger abstellen – jede Gegenkraft kann Maschine und Gestein voneinander wegstoßen.

NASA-Wissenschaftler Dante Lauretta bringt die ökonomische Realität im All auf den Punkt (wörtliche Übersetzung):

Der Rohstoff, den wir derzeit als am vielversprechendsten erachten … ist tatsächlich Wasser.

Nicht Gold, sondern Wasser gilt damit zunächst als aussichtsreichster Rohstoff des Space-Minings. Es könnte vor Ort in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt und als Raketentreibstoff genutzt werden um so überhaupt erst die Grundlage für das Space-Mining zu legen.

Risiken und Kosten

Bei der Wirtschaftlichkeit entscheidet weniger der theoretische Metallwert eines Asteroiden als das berühmte letzte Glied der Rechnung: Was kostet jedes Gramm, nachdem Suche, Raumfahrzeug, Flug, Abbau, Verarbeitung, Rücktransport, Finanzierung und Fehlschläge bezahlt sind?

Drei Geschäftsmodelle sind zu unterscheiden:

  1. Edelmetalle zur Erde bringen. Genau dieses Modell ermöglicht es, spektakuläre Schlagzeilen über „Billionen-Dollar-Asteroiden“ zu machen. Ökonomische Studien fallen hingegen erheblich nüchterner aus. So kommt etwa eine technoökonomische Analyse zum Asteroidenbergbau zu dem Ergebnis, dass die Überführung von Platinmetallen zur Erde nur unter ungewöhnlich günstigen Bedingungen wirtschaftlich wird. Hohe Fördermengen würden zudem das Problem erzeugen, dass ein steigendes Angebot die Preise der gewonnenen Metalle selbst drückt (klassischer Rohstoff-„Schweinezyklus“).
  2. Rohstoffe im Weltraum verwenden. Wasser, Sauerstoff, Wasserstoff sowie langfristig auch Baustoffe könnten wirtschaftlich wesentlich interessanter sein, weil der teuerste Schritt entfällt: Sie müssten weder von der Erde gestartet noch nach der Förderung zurückgebracht werden. NASA-Studien zählen deshalb Wasser neben Platinmetallen zu den aussichtsreichsten Ressourcen für frühe Asteroiden-Mining-Konzepte.
  3. Kleine autonome und wiederverwendbare Mining-Sonden. Neuere Wirtschaftsmodelle zeigen, dass mehrere Transporte, elektrische Antriebe und die Gewinnung von Rückflugtreibstoff vor Ort die Wirtschaftlichkeit erheblich verbessern könnten. Kritisch bleiben Förderrate, benötigtes Delta-v (insgesamt erforderliche Geschwindigkeitsänderung) und Masse des Raumfahrzeugs.

Wie groß der technologische Abstand noch ist, zeigt AstroForge. Die erste Deep-Space-Sonde Odin kostete nach Unternehmensangaben lediglich 3,5 Millionen Dollar, erreichte zwar den Raum jenseits des Mondes, erfüllte ihre Mission aber nicht.

Für das vierte Quartal 2026 plant das Unternehmen DeepSpace-2 eine weitere Mission. Doch auch diese Mission soll zunächst einen erdnahen metallreichen Asteroiden anfliegen, fotografieren und charakterisieren – noch kein Gold abbauen.

Auch rechtlich bleiben Fragen offen. Der Weltraumvertrag verbietet die nationale Aneignung von Himmelskörpern; über Eigentumsrechte an tatsächlich entnommenen Ressourcen bestehen dagegen unterschiedliche nationale Interpretationen und noch kein weltweit abschließendes Regime.

Zeithorizont aus heutiger Sicht: Erstes ernsthaftes Space-Mining erscheint in den 2030er-Jahren vorstellbar. Eine kommerzielle Rückführung größerer Mengen Edelmetall wäre eher ein Thema der 2040er-Jahre oder später. Eine konkurrenzfähige Goldgewinnung für den Weltmarkt ist derzeit überhaupt nicht seriös terminierbar.

Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Space Mining

Gold künstlich herstellen ist zu teuer

Es gibt noch einen zweiten vermeintlichen Weg zu unbegrenzt viel Gold: Man stellt es einfach selbst her. Genau das ist Physikern am CERN in der Schweiz bereits gelungen.

Beim ALICE-Experiment wurden Bleikerne im Large Hadron Collider auf 99,999993 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Passieren sich zwei Bleikerne extrem knapp, entstehen gewaltige elektromagnetische Felder. Dabei können Protonen aus einem Bleikern herausgeschlagen werden. Blei besitzt 82 Protonen, Gold 79. Werden drei Protonen entfernt, entsteht deshalb tatsächlich ein Goldkern.

Der LHC erzeugte am ALICE-Kollisionspunkt zeitweise bis zu rund 89.000 Goldkerne pro Sekunde. Während Run 2 von 2015 bis 2018 entstanden an den vier großen Experimenten rund 86 Milliarden Goldkerne.

Das klingt viel – ihre Gesamtmasse betrug jedoch lediglich:

0,000000000029 Gramm beziehungsweise 29 Pikogramm.

Hinzu kommt ein entscheidendes Problem: Die hochenergetischen Goldkerne treffen kurz darauf auf Strahlrohre oder Kollimatoren und zerfallen dort wieder in andere Teilchen. CERN spricht deshalb von Gold, das nur einen winzigen Bruchteil einer Sekunde existiert.

Auch nuklearphysikalisch ist dieses „Gold“ nicht mit einem normalen Barren gleichzusetzen. Natürliches Gold besteht praktisch aus dem stabilen Isotop ^197Au. Das in einer CERN-Darstellung beispielhaft entstehende ^203Au ist hingegen radioaktiv und besitzt eine Halbwertszeit von nur etwa 60 Sekunden, bevor es per Beta-Zerfall zu Quecksilber-203 wird.

Gold künstliche erzeugen

Und die Kosten?

Die weltweiten durchschnittlichen All-In Sustaining Costs der konventionellen Goldminen lagen im ersten Quartal 2026 laut World Gold Council (WGC) bei 1.785 US-Dollar je Feinunze (31,1g Feingold). Das entspricht rund 57 US-Dollar je Gramm Gold. AISC umfassen dabei nicht sämtliche Kosten einer neuen Mine, bilden aber die laufenden Kosten bestehender Produktion vergleichsweise umfassend ab.

Beim CERN existiert dagegen kein sinnvoller industrieller „Produktionspreis je Gramm“, weil der LHC natürlich nicht zur Goldproduktion betrieben wird. Eine reine Größenrechnung zeigt jedoch die Dimension: Für Run 2 nennt CERN einen LHC-Strombedarf von rund 750 GWh pro Jahr. Bewertet man vier Jahre hypothetisch mit dem von CERN für 2026 erwarteten Strompreis von rund 73 Euro/MWh und teilt diese Stromkosten durch die erzeugten 29 Pikogramm, ergäbe sich rechnerisch eine Größenordnung von rund 7,6 × 10^18 Euro je Gramm. Das ist ausdrücklich keine betriebswirtschaftliche Herstellkostenrechnung, sondern nur ein Maßstab für die Absurdität einer industriellen Nutzung.

Noch anschaulicher:

Bei konstant 89.000 Goldkernen pro Sekunde würde die Produktion eines einzigen Gramms rechnerisch rund 1,1 Milliarden Jahre benötigen– selbst wenn sich jeder einzelne Kern auffangen und dauerhaft stabilisieren ließe.

Damit ist der Traum der Alchemisten physikalisch wahr geworden. Ökonomisch ist er jedoch endgültig widerlegt.

Fazit & Ausblick: Weder Raumfahrt noch Alchemie erhöhen das Angebot absehbar

Für den Goldpreis ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis erstaunlich unspektakulär: Weder Asteroiden noch Teilchenbeschleuniger werden das Goldangebot auf absehbare Zeit nennenswert erhöhen.

Beim Space-Mining existieren inzwischen wesentliche Teile der technischen Kette. Raumsonden können Asteroiden erreichen, autonom navigieren, deren Oberflächen untersuchen, Material entnehmen und kleine Proben sicher zur Erde zurückbringen. Das ist ein beeindruckender Technologiesprung. Er beweist aber noch lange nicht, dass industrieller Bergbau außerhalb der Erde funktioniert.

Insbesondere die Gewinnung von Gold hat gegenüber Wasser und anderen Rohstoffen einen entscheidenden Nachteil: Das Metall müsste nach Abbau und Aufbereitung mit extrem hoher Zuverlässigkeit zur Erde zurücktransportiert werden. Und je erfolgreicher eine solche Mission wäre, desto stärker könnte das zusätzliche Angebot anschließend den Goldpreis drücken und damit die eigene Wirtschaftlichkeit verschlechtern.

Die künstliche Herstellung ist noch weniger relevant. CERN hat zwar die Grenze zwischen mittelalterlicher Alchemie und moderner Kernphysik spektakulär überschritten. Aber zwischen 29 Pikogramm und einer einzigen handelsüblichen Feinunze liegen mehr als zwölf Größenordnungen. Zudem sind die erzeugten Kerne nicht einfach lagerfähig und strahlen radioaktiv. Stabiles Anlagegold sieht anders aus!

Die konventionelle Goldgewinnung bleibt damit auf Jahrzehnte der entscheidende Angebotsfaktor. Und genau dort zeigt sich das gegenteilige Problem: Trotz hoher Goldpreise wächst die weltweite Minenproduktion nur langsam. 2025 erreichte sie zwar mit rund 3.815 Tonnen einen neuen Rekord, über die vergangenen zehn Jahre lag das durchschnittliche Produktionswachstum jedoch bei weniger als einem Prozent jährlich (Peak-Gold).

Die klare Schlussfolgerung lautet deshalb: Gold ist im Weltall vorhanden und lässt sich sogar künstlich erzeugen. Doch weder Space-Mining noch Kernphysik sind auf absehbare Zeit eine zusätzliche Goldquelle für den Weltmarkt. Für Anleger bleibt die Knappheit des Edelmetalls damit sehr viel realer als der Mythos vom Goldrausch im All.

Profilbild von Hannes Zipfel
Stand: 28.08.2026
geschrieben von:
Ökonom, Journalist mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzmärkte
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von Olafkroschel@gmx.de | 01.09.2026, 11:21 Uhr Antworten

2023 hat Osiris REx nicht 121,6 Gramm Gold, sondern alles mögliche enthaltenen Staub vom Asteroiden Bennau mitgebracht.

1 Antwort an Olafkroschel@gmx.de anzeigen
von solider Anleger | 29.08.2026, 06:54 Uhr Antworten

Gold aus dem All.
Alle Jahre wieder.

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