Stand: 25.07.2018 von Florian Grummes 3 Kommentare

Rückblickend gingen die Edelmetallmärkte wie vermutet nach einer mehrmonatigen Seitwärtsphase ab Mitte April in eine Korrektur über. Nachdem sich die erwartete Abwärtswelle am Goldmarkt zunächst nur langsam ihren Weg nach unten bahnte, brachen mit dem Scheitern an der Marke von 1.310 US-Dollar ab Mitte Juni jedoch alle Dämme.

Seitdem kennt der Goldpreis nur noch den Weg gen Süden. Alle Unterstützungszonen wurden überrannt, jede Erholung entpuppte sich als Fehlschlag und das genannte Kursziele wurde mittlerweile klar unterboten.

Damit hat sich das größere Bild am Goldmarkt leider doch recht klar eingetrübt. Vor allem die Tatsache, dass die aufsteigende Trendlinie im Bereich 1.245 USD nicht verteidigt werden konnte, wiegt schwer. Auf den ersten Blick ist der im Herbst 2011 begonnen Bärenmarkt damit nun wieder zurück.

Alternativ ist die Goldpreisentwicklung in den letzten drei Monaten jedoch einfach derart stark unter Wasser gedrückt worden, dass die Gegenbewegung in den kommenden Monaten tatsächlich genug Kraft haben könnte, um den horizontalen Widerstand bei 1.365 US-Dollar zu sprengen.

Aufgrund der wirklich extrem überverkauften Lage ist in beiden Fällen für die kommenden Wochen und Monat zunächst eine deutliche Erholungsbewegung zu erwarten. Allerdings scheint das zuvor benötigte, finale Tief noch immer nicht gefunden worden zu sein.

Goldchart - Bären haben noch Platz bis zum unteren Bollinger Band

Auf dem Goldpreis in US-Dollar Monatschart wurde die Verbindungslinie der beiden letzten markanten Tiefpunkte vom Dezember 2015 und Dezember 2016 im Bereich um 1.245 US-Dollar zuletzt klar unterschritten. Sowohl Stochastik als auch MACD senden weiterhin klare Verkaufssignale.

Goldpreis Monatschart US-Dollar

Da bislang noch keine Indikation für ein finales Tief vorliegt, bleibt eine Fortsetzung der Abwärtswelle bis an das untere Bollinger Band (1.182 US-Dollar) auf dem Monatschart das wahrscheinlichste Szenario. Im Anschluss müsste es zu einer scharfen Erholungswelle kommen, welche den Goldpreis noch im August bis an seine fallende 50-Tagelinie (1.266 US-Dollar) bzw. bis in die Widerstandszone 1.245 – 1.265 US-Dollar zurückführen sollte.

Goldpreis in US-Dollar – deutlich überverkauft, Divergenzen nehmen zu

Auf dem Tageschart rutschte der Goldpreis zuletzt bis auf 1.211 US-Dollar und versucht sich in den letzten drei Handelstagen an einer Stabilisierung. Zwar konnten sich die Notierungen zwischenzeitlich bis 1.235 US-Dollar erholen, der Charakter dieser Bewegung ist aber alles andere als überzeugend.

Aufgrund des extrem stark überverkauften Tages- als auch Wochencharts, sind kurzfristig steile und verwirrende Erholungswellen jetzt immer möglich. Solange Gold aber nicht über 1.237 US-Dollar schließen kann, bleibt das Ganze für die Bären ungefährlich.

Goldpreis Tageschart US-Dollar

Positiv sind die zunehmenden Divergenzen bei den Indikatoren. Sowohl MACD als auch Stochastik haben das neuerliche Tief zuletzt nicht mehr vollständig nachvollzogen. So wie sich die Lage aktuell darstellt fehlt noch eine weitere, letzte Abwärtswelle in den Bereich um 1.180 US-Dollar bevor diese harte Korrektur nach über dreieinhalb Monaten ihren Abschluss finden wird.

Sentimentwerte des Goldpreis

Die Sentimentwerte für den Goldpreis sind mittlerweile auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gefallen! Ebenso dürfte der Terminmarkt jetzt vollständig bereinigt sein.

Auch wenn es momentan schwer fällt, statistisch betrachtet hat man in diesem Umfeld das beste Chancen/Risiko Verhältnis, denn Gold dürfte sich aufgrund der ausgebombten Lage in den kommenden Monaten sehr gut schlagen.

Gold in Euro Tageschart – In Grund und Boden geprügelt

Der Goldpreis in Euro ist mittlerweile auf den tiefsten Stand seit dem Februar 2016 gefallen. Auch hier wurden wichtige Unterstützungen gnadenlos überrannt. Ebenso ist der Tages- und Wochenchart dramatisch überverkauft. Allerdings läuft der Stochastik Oszillator schon seit Ende Juni bärisch eingebettet unterhalb von 20 und hat den Abwärtstrend damit festgezurrt.

Goldpreis Tageschart in Euro

Auch wenn die Bären es bereits übertrieben haben, so erscheint doch ein finaler Ausverkauf bis in den Bereich 1.020 – 1.035 Euro als das wahrscheinlichste Szenario. Erst wenn sich die Stochastik aus der bärischen Umklammerung befreien kann, wird die Gegenbewegung starten können. Realistische Erholungsziele liegen dann im Bereich um 1.070 Euro und 1.090 Euro.

Antizyklisches Kaufchance unterhalb von 1.050 Euro

Zugegeben, im Vergleich zur jetzigen Situation kamen alle Kaufempfehlung in diesem Jahr zu früh und waren zu hoch angesetzt. Wer bislang aber trotzdem noch unterinvestiert ist oder die sehr günstigen Preise einfach ausnutzen möchte, findet aktuell ein sehr gutes Chancen/Risiko-Verhältnis.

Unterhalb von 1.050 Euro kann man mittel- bis langfristig sicherlich nicht viel falsch machen, sondern nutzt den laufenden Sommerschlussverkauf im Edelmetallsektor.

Bitte erwarten sie grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen sie sich nochmals klar, dass es sich bei Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt!Auch wenn die Performance im Vergleich zu anderen Anlageklassen in den letzten Jahren eher enttäuschend war, führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhender Anker kein Weg vorbei.
Gold - Ausverkauf immer noch nicht ausgestanden…
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
Webseite des Autors:
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Kommentare [3]
  • von Epikur | 01.08.2018, 17:28 Antworten

    Danke Flori, erfindungsreicher Grammatiker und Tierliebhaber (Bären, Bullen, Stochastiger): Da werden "Entwicklungen unter Wasser gedrückt" - gluck gluck, die arme Entwicklung ...; das "sendet die Stochastik Kaufsignale" - , siehe, was für ein intelligentes selbst handelndes Wahrscheinlichkeitstierchen ...; oder irgendwas reitet auf einer "scharfen Erholungswelle" ...; dem "Stochastik Oszillator" und anderem Toren fehlt das nötige Verbindungsstrichlein ...; vor lauter schrägen allegorischen Metaphern geht die brandneue Botschaft fast verloren.
    Ach ja, worum gehts noch mal substantiell im vorliegenden Text?
    Man soll Gold käuflich erwerben, wenn's am günstigsten ist?!
    Das ist nun wirklich ein realitätsnaher, quasi unbezahlbarer Geheimtipp.
    Grüße an den Stochastiger und die Bärchen.

  • von Romann Herziger | 27.07.2018, 11:22 Antworten

    Diagramme die ein anstieg des Goldpreises vermitteln sind vorerst nicht angebracht,
    Wunschlisten bitte zu Weihnachten veröffentlichen.

  • von Peter L Ustig | 25.07.2018, 18:37 Antworten

    Die Hoffnung der Anleger stirbt bekanntlich zum Schluss !

    Schaut man sich einmal die letzten 10 Jahre rückwirkend an, so könnte man meinen dass es nun langsam nach dem SSV des Edelmetalles und nach emporschnellen des Bitcoin, nun wieder die Fette "Beute" lauern könnte.
    Eine Garantie darauf gibt es jedoch nicht und somit ist die Frage des NACHKAUFENS ebenfalls zu den logarithmischen Fakten auch eine Bauchentscheidung oder man hat es umgangssprachlich "im Urin" .

    Glücklich ist Derjenige, welcher zur günstigsten Zeit (Kurs) sein Schnäppchen machen konnte, bevor es wieder nach oben ging.

    Lassen wir uns vom Sommer überraschen !

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