Stand: 27.10.2014 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Am Sonntag veröffentlichte die Europäische Zentralbank das Ergebnis ihres Bankenstresstests für insgesamt 130 europäische Institute. Das gelbe Edelmetall verbuchte bei leicht fallender Tendenz eine relativ stressarme Handelswoche.

EZB-Bankenstresstest: Kein Paukenschlag

Endlich, das Warten hat ein Ende. Um an den Finanzmärkten keine Schnellschüsse oder gar Panikreaktionen zu riskieren, servierte die Europäische Zentralbank am Sonntagmittag das im Vorfeld sehnsüchtig erwartete Ergebnis ihres Banken-Stresstests. Obwohl 25 Banken - also fast ein Fünftel der wichtigsten europäischen Finanzinstitute - durchgefallen sind, zeigte sich EZB-Vizepräsident Vitor Constancio zufrieden mit dem Ergebnis. Von den 25 "Versagern" haben 12 Banken ihre zum Stichtag des Tests (Ende Dezember 2013) zu Tage geförderte Kapitallücken mittlerweile geschlossen.

Bei 13 Geldhäusern erwartet die EZB in den nächsten zwei Wochen Erklärungen, wie diese ihre Kapitallücken von insgesamt 9,5 Milliarden Euro zu schließen gedenken. Problem: Ein echter Härtetest hätte sicherlich anders ausgesehen, schließlich ging es mit der Konjunktur der Eurozone im Krisenjahr um 4,5 Prozent nach unten. Beim EZB-Bankenstresstest mussten die systemrelevanten Banken für die Jahre 2014 und 2015 hingegen Konjunktureinbrüche von "lediglich" 2,1 Prozent pro Jahr überstehen.

Neben dem Problemsektor Banken gibt es aber noch weitere "Baustellen". Obwohl sich die kumulierte Bilanzsumme von Fed, EZB, Bank of England, Schweizer Notenbank und den asiatischen Zentralbanken Japans und Chinas seit 2002 von drei Billionen auf ungefähr 16 Billionen Dollar vervielfacht hat (siehe Grafik), leidet die Weltwirtschaft unter einem nachlassenden Wachstum.

Kommulierte Bilanzsumme
Kommulierte Bilanzsumme von Fed, EZB, BoE, SNB, PBoC, BoJ

Im Oktober reduzierte der Internationale Währungsfonds seine Prognose zum globalen Wirtschaftswachstum für 2014 von 3,7 auf 3,3 Prozent. Für Deutschland strich man die bisherige Schätzung sogar von 1,9 auf 1,4 Prozent zusammen. Dies lässt den Schluss zu, dass das billige Geld vor allem den maroden Banken und kaum der Realwirtschaft auf die Beine hilft. Dies wird auch durch die ausgesprochen niedrige Inflation in Europa angezeigt. Im September lag diese mit 0,3 Prozent p.a. weit unter dem von der EZB angestrebten Zielwert von zwei Prozent. Am kommenden Freitag soll die vorläufige Inflationsrate für den Oktober gemeldet werden. Von echter Inflationsangst dürfte angesichts des schwachen wirtschaftlichen Umfelds weiterhin nichts zu spüren sein.

Goldspekulanten bleiben in Kauflaune

Bei den Gold-Futures nahm der Optimismus der spekulativen Marktakteure abermals zu. So wies der am Freitagabend veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC vor allem unter den Großspekulanten in der Woche zum 21. Oktober einen deutlich gestiegenen Optimismus aus. Deren Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) kletterte von 85.415 auf 107.984 Futures (+26,4 Prozent) und markierte damit das höchste Niveau seit sieben Wochen.

Kauflust der Chinesen hält an

Obwohl in der abgelaufenen Handelswoche mit plus 7,3 Prozent p.a. Chinas Wirtschaft das geringste Wachstum seit über fünf Jahren gemeldet wurde, verspürt das Milliardenvolk offensichtlich weiterhin Lust auf Gold. Darauf deutet zumindest der an der Shanghai Gold Exchange erzielte Wochenumsatz in Höhe von 98.954 kg hin. Zur Erinnerung: Anfang Juli wanderte mit fast 48.000 kg pro Woche deutlich weniger als die Hälfte der Goldmenge über den Tresen. In dieses Umfeld passt auch die Meldung der Schweizer Zollbehörde, dass die Schweizer Goldexporte der Eidgenossen im September deutlich angestiegen sind. Mit 172,6 Tonnen Gold wurde das vergleichbare Niveau des Vormonats um mehr als das Doppelte übertroffen. Ungefähr 95 Tonnen des exportierten Goldes sollen nach China, Hongkong und Indien verschickt worden sein.

Schweizer wollen ihr Gold retten

Während der Goldhandel im Oktober in relativ moderaten Bahnen bewegte, könnte es vor dem Jahresende deutlich stressiger werden. Grund: Die Schweizer Bevölkerung soll Ende November darüber abstimmen, ob der Goldanteil an den Aktiva der Nationalbank auf mindestens 20 Prozent erhöht wird. Außerdem soll das Schweizer Gold unverkäuflich sein und vollständig in der Schweiz gelagert werden. Bundesrat, Parlament und die Schweizerische Nationalbank lehnen die Initiative ab. Letztere attestierte der Gold-Initiative sogar keinerlei Nutzen und prognostizierte geringere und stärker schwankende Erträge der Zentralbank, falls die Mehrheit der Schweizer die Initiative unterstützen sollte. Zudem würde sich im Falle einer Befürwortung des Referendums das Risikomanagement der Währungsreserven erschweren und eine bessere Geldwertstabilität wäre dadurch nicht zu erreichen.

Die erste Umfrage einer großen Schweizer Zeitung unter 13.000 Eidgenossen wurde am Dienstag veröffentlicht und stellte eine große Überraschung dar. Denn 45 Prozent sprachen sich für die Gold-Initiative aus, 39 Prozent waren dagegen und 16 Prozent sind noch unentschlossen.

Sollte das Referendum tatsächlich bejaht werden, droht am Goldmarkt eine regelrechte Kauflawine. Laut einer Studie von UBS müsste die Schweizer Nationalbank in diesem Fall innerhalb von fünf Jahren 1.500 Tonnen Gold kaufen, um die neuen Vorgaben zu erfüllen. Die Chance auf eine markante Kursrally stünde dann wahrlich nicht schlecht. Doch aufgepasst: Das Referendum könnte auch scheitern.

Marktbericht: Gold in China u. Schweiz beliebt
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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