Stand: 24.02.2020 von Hannes Zipfel
Als barbarisches Relikt diskreditiert und in einer modernen und digitalen Welt für überflüssig und nutzlos erklärt, kann Gold allen Kritikern zum Trotz erneut als Krisenwährung auftrumpfen. 
Gold bewährt sich als Krisenwährung

Goldpreis steigt in Euro auf absolute Rekordstände

Welch hohen Status Gold als Vermögensabsicherung nach wie vor genießt, lässt sich derzeit an der Kursentwicklung ablesen. Umso größer die Verunsicherung über eine mögliche Pandemie des neuartigen Coronavirus und ihre ökonomischen Folgen weltweit werden, umso größer ist die Nachfrage nach Gold. 

Wobei rückläufige Verkäufe im Schmuckhandel durch die explodierende Nachfrage nach Goldmünzen, Goldbarren und anderen physischen Anlageformen stark überkompensiert werden.

Mittlerweile erhalten Anleger beim Wiederverkauf einer Unze Gold knapp 1.550 Euro (Maple Leaf Gold 2020). Die Kaufpreise beginnen bei dieser Münze aktuell bei 1.570 Euro pro Unze. Der Spot-Preis an den internationalen Finanzmärkten liegt aktuell bei 1.553 Euro pro Unze Gold (31,1 Gramm). 

Damit ist Gold in der Gemeinschaftswährung so wertvoll wie nie zuvor.

Seit Jahresbeginn verzeichnet Gold damit einen Preisanstieg von 13,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr erzielt das gelbe Edelmetall sogar eine Aufwertung um ein Drittel. Damit schlägt Gold sogar nahezu alle großen Aktienindizes, bis auf den amerikanischen NASDAQ 100, in dem die Aktien der Technologie-Highflyer Apple, Alphabet, Microsoft oder Tesla sehr hoch gewichtet sind.

Gold steigt in Euro auf absolute Rekordstände

Auch in US-Dollar, also der Währung, in der Gold weltweit gehandelt wird, zeigt sich ein massiver Kursanstieg, trotz der anhaltenden Stärke der Weltleitwährung US-Dollar gegenüber anderen Währungen.

Der Goldpreis in US-Dollar kann seit Jahresbeginn gut 10 Prozent zulegen, gegenüber dem Vorjahr sogar um 27 Prozent. Mit 1.680 US-Dollar pro Unze nähern sich nun auch Dollarnotierungen den Allzeithöchststand bei 1.920 US-Dollar pro Unze an. Noch 14 Prozent trennen die Kurse des gelben Edelmetalls von den Rekordpreisen während der Ausläufer Finanzkrise im September 2011. 

Goldpreis in US Dollar 7 Jahres-Hoch

Generell wertet Gold gegenüber allen Währungen in der aktuellen Phase der erhöhten Unsicherheit massiv auf, was klar verdeutlicht, dass im Krisenfall die Menschen nach wie vor besonders einer Währung mehr Vertrauen schenken als jeder anderen: Gold.

Gold und der „Schwarze Schwan“

Der Finanzmathematiker und Autor des Buches „Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse“, Nassim Nicholas Teleb, warnte vor unvorhersehbaren Ereignissen, die kein mathematisches Modell berechnen und kein Mensch prognostizieren könne.

Weil unter den Schwänen die schwarzen Exemplare äußerst selten sind und niemand erwartet, jemals einen zu Gesicht zu bekommen, hat Nassim Taleb dieses Phänomen des Unvorhersehbaren nach diesen eigentlich wunderschönen Tieren benannt. 

Genau in diese Kategorie, also „Schwarzer Schwan“, fällt auch die aktuelle Coronavirus-Epidemie.

Noch kann niemand seriös prognostizieren, wie hoch die wirtschaftlichen Schäden weltweit ausfallen werden. Momentan sieht es aber so aus, als würde sich die Epidemie zu einer Pandemie, also länderübergreifend, ausbreiten.

Es ist damit zu rechnen, dass das Coronavirus die Finanzmärkte und die Realwirtschaft noch einige Zeit belasten wird. Daher ist kurzfristig mit einer anhaltend hohen Nachfrage vonseiten der Privatanleger und der institutionellen Investoren nach der Krisenwährung Gold zu Absicherungszwecken zu rechen.

Außerdem droht die Gefahr von Kettenreaktionen: In Phasen hoher Unsicherheit neigen die Investoren dazu, Geld aus unsicheren Regionen der Welt abzuziehen. Auch aus diesem Grund spitzen sich die Währungskrisen in Argentinien und in der Türkei aktuell erneut zu. 

Dies ist ein weiteres Risiko für die Weltwirtschaft, das es mit Gold abzusichern gilt.

Der geldpolitische Faktor

Doch nicht nur wegen der ökonomischen Risiken, die von Unternehmenspleiten bis hin zu Staatsbankrotten, wie aktuell in Argentinien, reichen, ist Gold gefragt wie nie zuvor. Bereits vor dem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie kühlten sich das Weltwirtschaftswachstum und der Welthandel ab.

Diese Wachstumsverlangsamung ist auf den zunehmenden Protektionismus sowie die fortschreitende globale Überschuldung zurückzuführen.

Um die Lebensdauer unseres Wirtschaftssystems zu prolongieren, haben die Notenbanken bereits massiv durch die de facto Abschaffung des Zinses und durch massive Geldmengensteigerungen als Notmaßnahmen ergreifen müssen. Nun kommt ein weiterer ökonomischer Belastungsfaktor dazu, der sogar die Schäden des Handelskriegs zwischen den USA und China in den Schatten zu stellen droht.

Dementsprechend reagieren die Notenbanken bereits mit einer noch expansiveren Geldpolitik. Die People´s Bank of China (PBoC) hat seit Jahresbeginn mehr als 300 Mrd. US-Dollar zusätzliche Liquidität in den Markt gepumpt und verschiedene Zinssätze mehrfach abgesenkt, um die chinesischen Finanzmärkte und bereits angeschlagene Unternehmen vor dem Kollaps zu bewahren. 

Sobald die ökonomischen Schäden des Coronavirus auch in den Industriestaaten spürbar werden, ist auch mit einer Reaktion der dortigen Notenbanken zu rechnen. Der Anleihemarkt nimmt diese Entwicklung schon vorweg: 

Die Renditen (Zinsen) für dreißigjährige US-Staatsanleihen erreichen aktuell den tiefsten Stand aller Zeiten.

Es ist davon auszugehen, dass die Notenbanken zur Abmilderung der Belastungen für die Weltwirtschaft die Zinsen weiter absenken und die Geldmenge weiter drastisch erhöhen werden. Auch dieser geldpolitische Faktor wird den Preis für das zinslose aber knappe Edelmetall Gold weiter positiv stimulieren.

Fazit und Ausblick

Seit über fünftausend Jahren vertrauen die Menschen intuitiv auf die Werthaltigkeit des Goldes. Trotz lang anhaltender und intensiver Bemühungen, Gold als Währung und Anlageinstrument zu diskreditieren, zeigt sich auch in der aktuellen Krise, dass Gold als Krisenwährung funktioniert und die Menschen intuitiv darauf zurückgreifen.

Gold ist hochliquide, kann nicht bankrottgehen, wird nicht mit Strafzinsen belastet und ist weltweit anerkannt – Gold ist die somit wahre Weltwährung.

Zwei Drittel der Deutschen besitzen physisches Gold und sie tun gut daran, an dem ultimativen Geld festzuhalten.

Neben dem Coronavirus drohen in Zukunft noch weitere „Schwarze Schwäne“ aufzutauchen. Unser Finanz- und Bankensystem in seiner Gesamtheit kann nur noch auf der Intensivstation der weltweiten Notenbanken am Leben erhalten werden. Wie lange dieses weltweit einmalige Experiment noch Stabilität garantiert, ist kaum prognostizierbar.

Doch die Nebenwirkungen dieser permanenten Notfallmaßnahmen zeigen sich immer deutlicher: Durch die Niedrigzinsen wird die Verschuldung immer weiter forciert, ein Zurück zur geldpolitischen Normalität ist nicht mehr möglich und die „Zomibifizierung“ der Wirtschaft führt zu Kapitalfehlallokationen, mangelnden Investitionen, fehlenden Innovationen und einer steigenden Krisenanfälligkeit der Gesamtwirtschaft.

Eine normale Rezession wie in früheren Wirtschaftszyklen würde sofort in eine Krise münden. 

Das Coronavirus wirkt auf die so angeschlagene Weltwirtschaft zusätzlich destabilisierend und zwingt die Notenbanken zu noch „unkonventionellerer“ Geldpolitik. Damit wird das Auftauchen weiter „Schwarzer Schwäne“ in der Zukunft sehr wahrscheinlich.

Damit bleibt aber auch Gold als fester Bestandteil des Vermögens zu Absicherungszwecken eine sinnvolle Beimischung und eine hohe Nachfrage garantiert.

Hannes Zipfel
Finanzjournalist

Autor: Hannes Zipfel
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"