Stand: 07.01.2020 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Mit Blick auf die erzielte Performance des Goldpreises in Höhe von 18,3 Prozent in US-Dollar erwies sich 2019 als ausgesprochen guter Jahrgang. Noch höhere Gewinne waren letztmals im Jahr 2009 (+23,8 Prozent) bzw. 2010 (+39,2 Prozent) erzielt worden.

Die drei Ursachen der Goldpreisrally 2019

In Euro gerechnet legte die älteste Währung der Welt dank der signifikanten Dollarschwäche sogar um fast 21 Prozent zu (siehe Tabelle). Für den Höhenflug des gelben Edelmetalls war ein Mix verschiedener Faktoren verantwortlich.

Goldpreis Performances Euro Dollar 2019

Quelle: GOLD.DE

Zum einen führten gestiegene Rezessionsängste zu einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis unter den Investoren. Hauptverantwortlich für diese Entwicklung war vor allem die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Den Slogan "America first" versuchte er gegenüber Europäern, Kanadiern, Mexikanern und Chinesen durchzusetzen. Während des gesamten Jahres überzogen sich China und die USA, die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, mit gegenseitigen Sonderzöllen. Dies hat vor allem dem Wachstum exportorientierter Volkswirtschaften wie zum Beispiel China und Deutschland geschadet.

Für zusätzliche Verunsicherung sorgte in Europa das Brexit-Chaos und Italiens Haushalts- bzw. Schuldenpolitik. Zur Erinnerung: Deutschlands Wirtschaft wies für das dritte Quartal 2019 ein Plus von nur 0,5 Prozent aus, nachdem für Q4 2017 noch ein Wert von 3,4 Prozent gemeldet worden war.

Zum anderen machte sich 2019 aber auch eine anhaltende Entdollarisierung bemerkbar. Viele Länder versuchen, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren und bringen dies durch verstärkte Goldkäufe ihrer Notenbanken zum Ausdruck. Länder wie Russland oder China setzen wegen ihrer politischen Konflikte mit den USA verständlicherweise lieber auf global akzeptiertes Gold als auf Dollars bzw. US-Staatsanleihen, die ein hohes Maß an Vertrauen erfordert.

Als dritte wichtige Ursache für das glänzende Comeback des Goldpreises erwies sich der Richtungswechsel in der US-Geldpolitik. Mit der Ende Juli erfolgten Senkung des US-Leitzinses um 25 Basispunkte beendeten die US-Notenbanker nach nur dreieinhalb Jahren den jüngsten Zinserhöhungszyklus und öffneten somit erneut die Geldschleusen. Im Zuge dreier Zinssenkungen fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in der Spitze von 2,78 Prozent (Januar) auf 1,46 Prozent (September) zurück. Erfahrungsgemäß gelten niedrige Zinsen bzw. negative Realzinsen – die insbesondere in Deutschland zu beobachten sind – als vorteilhaft für Gold.

In solchen Marktphasen fällt Goldinvestoren der Verzicht auf Zinsen (Opportunitätskosten) in der Regel besonders leicht. Gegenüber Aktien greift dieses Argument aufgrund der relativ attraktiven Dividendenrenditen hingegen nicht. Deshalb konnte der Goldpreis mit der Performance bedeutender Aktienindizes nicht mithalten. Sowohl DAX als auch Dow verbuchten mit 25,5 bzw. 22,3 Prozent im abgelaufenen Börsenjahr etwas höhere Wertzuwächse als das edle Metall.

Zwei Dinge sollte man dabei aber auf keinen Fall außer Acht lassen:

Erstens: Internationale Aktienindizes weisen aufgrund ihres zehnjährigen Aufwärtstrends mittlerweile enormes Rückschlagpotenzial auf.

Zweitens: Aktieninvestments erwiesen sich 2019 – verglichen mit dem Kauf von Gold – als riskanteres Investment. Während nämlich der vom Terminbörsenbetreiber Chicago Board Options Exchange ermittelte Gold-Volatilitätsindizes aktuell bei 14,2 Prozent notiert, bewegt sich der VDAX-NEW (16,0 Prozent) trotz seines Diversifikationseffektes signifikant darüber.

Ausblick für die laufende Woche

Der Start ins neue Jahr fiel aufgrund der militärischen Eskalation im Nahen Osten für den Goldpreis recht vielversprechend aus. Wenngleich man dem gelben Edelmetall unter charttechnischen Aspekten derzeit eine stark überkaufte Lage attestieren kann, gibt es derzeit wenig Gründe, die einen massiven Preiseinbruch rechtfertigen würden. 

Abgesehen von Gewinnmitnahmen stehen die Chancen auf eine baldige Lösung des Nahost-Konflikts, des Brexit, der Hongkong-Krise sowie einer Weltwirtschaft mit überdurchschnittlichem Wachstum alles andere als gut.

Vor diesem Hintergrund gibt es kaum Gründe, vom Goldkauf abzuraten. Bei langfristigem Anlagehorizont bleibt die global anerkannte Alternativwährung mit einem mehr als tausendjährigen Track-Record weiterhin erste Wahl.

Gold: Bilanz des Jahres 2019 war überragend
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"