Stand: 19.04.2019 von Egmond Haidt 4 Kommentare

Der weltweite Aktienmarkt notiert in der Nähe des Rekordhochs. Allerdings stehen dem viele Investoren skeptisch gegenüber. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Goldpreis auf das niedrigste Niveau seit Ende Dezember gesunken ist.

Die weltweite Börsenparty läuft auf vollen Touren. Der S&P500 und der weltweite Aktienmarkt sind in die Nähe ihrer Rekordhochs geklettert, während der DAX deutlich auf dem Weg nach oben ist. Hingegen ist der Goldpreis in die Nähe des Vier-Monats-Tiefs gesunken.

Offenbar sind viele Investoren der Überzeugung, dass sie wegen der Rekordfahrt am Aktienmarkt kein Gold brauchen.

Verantwortlich für die Börsenhausse ist neben der 180-Grad-Kehrtwende der US-Notenbank Fed die Konjunkturbelebung in China. Zuletzt lagen sowohl die Daten zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal als auch die Zahlen für März zu Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen über den Vorhersagen der Volkswirte.

Eine Konjunkturbelebung in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft beflügelt die Weltwirtschaft, weshalb die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen zwischenzeitlich gestiegen sind. Daher haben Investoren bei Aktien zugegriffen, gerade bei vielen exportabhängigen Werten aus dem DAX, zumal China laut einem Medienbericht neue Subventionen vorbereitet, gerade für den Autosektor.

Investoren richten Portfolio auf „langfristige Stagnation“ aus

Dabei misstrauen viele Investoren dem Höhenflug an den Börsen, das zeigt die monatliche Fondsmanagerumfrage der Bank of America (BofA) unter hunderten von weltweit investierenden Fondsmanagern eindrucksvoll.

66 Prozent der Befragten erwarten für die nächsten zwölf Monate ein Umfeld mit niedrigem Wirtschaftswachstum und niedriger Inflation. Das hat Michael Hartnett, Investmentstratege bei der BofA, als

„langfristige Stagnation“

bezeichnet, das ist üblicherweise nicht gerade ein gutes Börsenumfeld.

Dabei setzen Investoren beispielsweise auf Versorger, also auf Unternehmen aus wenig konjunkturabhängigen Sektoren. Offenbar sind sich viele institutionelle Investoren bewusst, auf welch wackeligen Beinen die Hausse steht. Die unbeliebteste Anlageklasse sind laut der Umfrage europäische Aktien, bei ihnen setzen die Finanzprofis sogar auf sinkende Kurse.

Das gleiche Bild wie die Umfrage der BofA zeigt auch der Börse Frankfurt Sentiment-Index, den der Finanzprofi Joachim Goldberg jede Woche ermittelt. So ist der Index für die institutionellen Investoren in der vergangenen Woche um lediglich drei Punkte auf einen Punkt gestiegen.

„Unter dem Strich zeigen die Ergebnisse der heutigen Sentiment-Umfrage, dass sich… die Freude über das neue Jahreshoch des DAX zurzeit in Grenzen hält“, schrieb Goldberg.

Das ist alles andere als die Partystimmung, die man vor dem Hintergrund der Rally erwarten würde.

Plötzlich werden für 1,5 Mrd. Dollar Gold-Futures liquidiert

Umso bemerkenswerter ist die Schwäche beim Goldpreis. Zuletzt hat er am Dienstag, 16. April einen Tiefschlag bekommen, als jemand gegen 14.30 Uhr innerhalb weniger Minuten 11.000 Gold-Futures im Wert von 1,5 Mrd. Dollar auf den Markt geworfen hat, woraufhin der Preis eingebrochen ist.

Der Sinn der Übung dürfte jedem Gold-Fan klar sein: den Kurs kräftig nach unten zu drücken.

Damit hat sich das charttechnische Bild verschlechtert, ist der Preis doch unter die 100-Tage-Linie von knapp 1.290 Dollar je Unze gesunken. Damit rückt die 200-Tage-Linie knapp oberhalb von 1.250 Dollar deutlich näher.

Für die Entwicklung des Goldpreises dürfte die Performance des S&P500 von großer Bedeutung bleiben. Umso gespannter werde ich beobachten, wie lange der Höhenflug des Index noch anhält.   

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Gold bleibt unbeachtet trotz Misstrauen über Börsenhausse
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [4]
  • von Wilfriede Dukat | 07.05.2019, 00:23 Antworten

    Hoffentlich knickt Trump nicht wieder ein und erhöht endlich! Die Zölle gegen China auf 25 %. Dann wird auch endlich der Goldpreis mal wieder steigen. Das ist ja abartig mit dieser Seitwärtsbewegung seit anderthalb Jahren!

  • von bling bling | 19.04.2019, 16:21 Antworten

    Dienstag konnte man für Papiergold nutzen. Physisch erst wieder, wenn sich der Aufwand lohnt (Achtung Ironie).

  • von Paolo Pinkel | 19.04.2019, 12:52 Antworten

    Umso bemerkenswerter ist es, dass der Goldpreis auf das niedrigste Niveau seit Ende Dezember gesunken ist. Soweit ich weiß, war der niedrigste Wert bei 32,56 € pro Gramm, heute haben wir 36,46 €.

    • von dummkopf^2 | 19.04.2019, 21:18 Antworten

      Ich musste auch erst überlegen, was gemeint ist. Aber es geht nicht um EUR, sondern um $. Und "Ende" Dezember ist ein weiter Begriff ;-)

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