Stand: 26.01.2015 von Jörg Bernhard 2 Kommentare

Die Notenbanken liefern weiterhin die wichtigsten Argumente für Gold als Anlagealternative. Mitte Januar die Schweizer Nationalbank, am vergangenen Donnerstag die Europäische Zentralbank und in der kommenden Woche stehen noch die Statements der US-Notenbanker vor der Tür.

Notenbanken kommen nicht zur Ruhe

Beim gelben Edelmetall haben sich die Perspektiven seit dem Jahreswechsel deutlich aufgehellt und seither zu einer Wertsteigerung um 9,2 Prozent geführt - auf Eurobasis stellte sich sogar ein Plus von 18,5 Prozent ein. Dabei wurden einige in der Vergangenheit gültige Korrelationen komplett über den Haufen geworfen. So entwickelte sich das als Krisenwährung geschätzte Gold trotz starker internationaler Aktienmärkte und trotz des Höhenflugs beim Dollar ausgesprochen positiv. Die vermeintlichen negativen Korrelationen liefen ins Leere. Die vom SNB-Präsidenten Thomas Jordan Mitte des Monats verkündete Entscheidung zur Entkopplung von Franken und Euro stellte dabei ein wichtiger Meilenstein dar. Für Anleger zeigte sie auf, dass Versprechen von Notenbankern offensichtlich nicht für langfristige Betrachtungszeiträume geeignet sind.

Nun darf man gespannt sein, ob Mario Draghi sein Versprechen zur Rettung des Euro halten wird bzw. kann. Dieses gab er im Juli 2012 auf einer Pressekonferenz in London. Leitzinsen nahe null Prozent haben bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht. Nun folgt er dem Beispiel der US-Amerikaner und flutet die Finanzmärkte mit zusätzlicher Liquidität. Am Donnerstag präzisierte Draghi seine bereits seit Längerem in Aussicht gestellte quantitativen Lockerungsmaßnahmen hinsichtlich Umfang und Dauer. Pro Monat sollen für 60 Milliarden Euro Anleihen gekauft werden - wenn es sein muss, bis September 2016. Damit könnte sich das unter Experten umstrittene Stützungspaket auf deutlich über 1.000 Milliarden Euro belaufen und die Bilanzsumme der EZB wieder über drei Millionen Euro hieven (siehe Grafik).

EZB Bilanz

Damit fiel das geschnürte Geldpaket üppiger als erwartet aus. Dies brachte eine andere europäische Notenbank unter Zugzwang. Der dänischen Notenbank kann man derzeit fast schon Hyperaktivität attestieren. Erst am Montag erhöhte sie ihre Strafzinsen für Einlagen von 0,05 auf 0,2 Prozent. Unmittelbar nach der EZB-Entscheidung wurden diese auf 0,35 Prozent ausgedehnt. Nun darf man gespannt sein, ob die Dänen mehr Stehvermögen haben als die Schweizer. Wenn man bedenkt, dass selbst die nicht gerade als mittellos bekannten Schweizer ihre Strategie aufgeben mussten, mag man die Erfolgsaussichten der Dänen eher als gering einschätzen.

ETF-Investoren greifen bei Gold zu

Der Stimmungswechsel hinsichtlich Gold macht sich auch im ETF-Sektor bemerkbar. Auf Basis von Datenerhebungen der Nachrichtenagentur Bloomberg gab es 2013 bei physisch besicherten Goldprodukten enorme Abflüsse von über 869 Tonnen zu beklagen, die sich im vergangenen Jahr dann auf "lediglich" 164 Tonnen reduziert hatten. Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares scheint sich nun ein Trendwechsel abzuzeichnen. Seit dem Jahresultimo ging es mit dessen gehaltener Goldmenge nämlich von 709,02 auf aktuell 741,65 Tonnen (+4,6 Prozent) nach oben. Die Analysten von HSBC Securities gehen davon aus, dass sich diese Tendenz im laufenden Jahr fortsetzen wird.

Neben der anziehenden Nachfrage aus dem ETF-Sektor rechnen sie außerdem mit einem steigenden Goldappetit asiatischer Anleger und halten bei der globalen Goldnachfrage einen Anstieg um 15 Prozent auf 4.127 Tonnen für möglich. Darauf deutet auch der an der Shanghai Gold Exchange erzielte Wochenumsatz an Ein-Kilogramm-Goldbarren hin. Mit 137.203 kg schrammte man hier nur knapp am in der Vorwoche markierten höchsten Wert seit über sechs Monaten vorbei. Besonders interessant: Nach verhaltenem Start scheint sich auch das Geschäft in der seit September eingerichteten Freihandelszone, wo ausländische Investoren Gold handeln dürfen, zu beleben. Im Januar waren an immerhin vier Tagen mehr als zehn Prozent der Gesamtumsätze dort erzielt worden.

Terminmarktspekulanten extrem bullish

Eine starke Kauflaune kann man derzeit aber vor allem unter den spekulativen Marktakteuren an der Terminbörse Comex ausmachen. Laut aktuellstem Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC kletterte in der Woche zum 20. Januar die kumulierte Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) großer und kleiner Spekulanten von 137.676 auf 177.810 Kontrakte (+29,2 Prozent) und damit auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Besonders auffällig: Innerhalb von lediglich zweieinhalb Monaten gab es hier mehr als eine Verdreifachung zu beobachten.

Das Wahlergebnis im Griechenland nahm der Goldpreis indes relativ unaufgeregt zur Kenntnis. Mit dem Wahlsieg der dortigen Linken war kein Comeback der Eurokrise verbunden. Die Gemeinschaftswährung legte gegenüber dem Dollar zum Wochenstart sogar leicht zu. Langeweile dürfte beim gelben Edelmetall dennoch nicht aufkommen. So könnte die für Mittwochabend angesetzte Bekanntgabe des Sitzungsergebnisses der US-Notenbank Fed an den Goldmärkten neue Impulse generieren.

Gold bleibt weiterhin gefragt
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [2]
  • von Mr.Silver | 31.01.2015, 12:49 Antworten

    Terminbörsen haben kein gutes Fundament. Die Spekulanten kauften mit 1300 Dollar die Kontrakte, danach viel das Gold wider auf 1260 Dollar. Das sind 4000 Dollar pro Kontrakt Verlust. Es stellt sich die Frage wie lange der Geldstrom in das Gold noch anhält. Die Gegenseite fängt an Positionen zu schließen. Kurzfristig ist dies ein gutes Zeichen. Aber wenn die Spekulanten den Preis nach oben gefeuert haben, dann wird die Gegenseite wider Kontrakte schreiben und alle kaufwilligen Spekulanten abfüttern. Wie es schon seit 40 Jahren an der Warenterminbörse geht, endet der Geldfluss irgendwann nach einem hektischen Anstieg. Dann haben Spekulanten Goldkontrakte teuer gekauft, die dann auslaufen. Den jeder Kontrakt hat einen Termin, wo er endet. Man hat dann die Wahl zwischen dem Schließen der Kontrakte oder dem Andienen (ausüben). Beim Ausüben der Kontrakte muss der Spekulant dann 99 % nachzahlen da er 1 % angezahlt hat. Dieses Geld hat er nicht. Also muss er den Kontrakt verkaufen. Es gibt dann nur die Commercials also die Gegenseite, die zum kaufen bereit ist. Doch Sie zahlen nicht mehr, sondern weniger als Sie vor einiger Zeit für den Kontrakt bekommen haben. So geht es Jahr ein Jahr aus. Die Gier des Spekulanten treibt Ihn immer wieder an die Terminbörse, wo er immer wieder Geld verliert und die Commercials dies Geld gewinnen.

  • von m. Scheubler | 29.01.2015, 17:11 Antworten

    G O L D WIRD A B G E S T Ü R Z T !!!

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